Als kleiner Bub war Lukas Görtler nur dabei! "Da stand ich mit meinem Papa draußen und habe den Bayern beim Training zugeschaut", sagt der aus Kemmern stammende Fußballer. Wie so viele! Träume von einem Rollenwechsel vom Fan zum Profi inklusive. Lukas Görtler hat ihn (nahezu) vollzogen. Der 20-Jährige ist längst mittendrin bei den Bayern. Er schaut nicht mehr beim Training der Profis zu, ihm wird zugeschaut! In dieser Woche postete er auf seiner Facebook-Seite Bilder, die ihn Seite an Seite mit Mario Götze, Franck Ribéry oder im Zweikampf mit Sebastian Rode zeigen.

"Das sind Erlebnisse und Erfahrungen, die ich nie vergessen werden", erklärt Lukas Görtler. Seit dem Sommer spielt er für die U23-Mannschaft des FC Bayern München in der Regionalliga Bayern. Mit 17 Einsätzen, acht Toren sowie fünf Torvorlagen (davon zwei gegen seinen Ex-Verein FC Eintracht Bamberg) fällt die Bilanz des 20-Jährigen mehr als positiv aus. Ein weiteres Highlight gab es in dieser Woche. Da stand Lukas Görtler mit Franck Ribery, Xabi Alsonso und Co. auf dem Platz und gibt ehrlich zu: "Es macht einen schon stolz, wenn man die ganzen Leute, vor allem die vielen Kinder sieht, die zu jeder Einheit kommen."

Längst ist Lukas Görtler Stammspieler, wenn nicht gar Leistungsträger im Regionalliga-Team der "Roten". Viele Experten bescheinigen dem 20-Jährigen eine sehr gute Entwicklung. Offenbar auch der Trainerstab des Rekordmeisters.

Ruf nach oben

"Man erfährt meistens erst eine Stunde vor dem Training, dass man dabei ist", berichtet der Kemmerner bei den Bayern. "Hermann Gerland kommt dann zu uns runter oder ruft bei unserem Trainer an." "Uns" ist dabei das U23-Team und "unten" - der Keller, der Kabinentrakt der Regionalliga-Mannschaft, der in einem anderen Gebäudeteil als der der Profis liegt. Fünf- oder sechsmal ereilte Lukas Görtler in den letzten Monaten der Ruf nach oben. Zuletzt war er erstmals dabei, als nahezu der komplette Profikader auf dem Rasen an der Säbener Straße stand.

"Wenn ich zu den Profis darf, ist das noch immer jedes Mal ein Riesenerlebnis", sagt der 20-Jährige. Neben Ehrfurcht ist der Platz neben den Stars aber auch ein unheimlicher Ansporn für Lukas Görtler. "Fast jeder, der da um dich rum ist, hat bereits den WM-Pokal oder den Champions League-Pokal in Händen gehalten. Spätestens in der Kabine wird dir auf einmal bewusst, dass du jetzt gleich mit der besten Mannschaft der Welt trainieren darfst. Das motiviert ungemein."

Den nachhaltigsten Eindruck hat bei Lukas Görtler bisher Arjen Robben hinterlassen. "Unglaublich, wie professionell er ist", schwärmt der Stürmer vom Holländer in Diensten der Bayern. "Für mich ist Arjen Robben der beste Spieler der Welt." Aber auch Manuel Neuer, Mario Götze oder Bastian Schweinsteiger begegnet der Neuling mit der größten Anerkennung. "Wahnsinn, was die im Sommer für Deutschland bei der Weltmeisterschaft für eine unglaubliche Leistung abgeliefert haben. Und jetzt gehen sie gegen mich in den Zweikampf. Das ist eigentlich ein unbeschreibliches Erlebnis!"

Auf dem Rasen versucht der 20-Jährige seine Begeisterung für die Stars jedoch so gut es geht, außen vor zu lassen. "Beim Training musst du versuchen, den Respekt ein bisschen abzulegen. Sonst kannst du ja gleich den Ball vor jedem Zweikampf freiwillig abgeben." Ein Vorsatz, den Lukas Görtler bisher offenbar ganz gut in die Tat umsetzt. "Mir ist in den Abschlussspielen sogar schon das eine oder andere Tor gelungen", schmunzelt er, nicht ohne bescheiden festzustellen, "dass wir meistens Fünf gegen Fünf oder Sechs gegen Sechs auf engem Raum spielen. Da ist es dann etwas leichter, auch einmal ein Tor zu schießen." Spielformen mit reduzierter Mannschaftsstärke sind fester Bestandteil der Einheiten bei den Profis. "Es gibt kein Training ohne Abschlussspiele", berichtet Lukas Görtler. Der Schwerpunkt der Übungen zuvor liegt im Positionsspiel auf engem Raum. "Da kommt es vor allem auf Handlungsschnelligkeit und gute Technik an", erlaubt der 20-Jährige einen kleinen Einblick in die Einheiten des Rekordmeisters. "Außerdem werden oft Flanken mit Torabschluss trainiert."
Pep Guardiola ist dabei stets ganz nah dran am Geschehen. "Er ist im Training so, wie man ihn auch vom Spielfeldrand kennt", beschreibt Lukas Görtler seine Eindrücke vom Bayern-Coach. "Sehr motiviert und engagiert. Er redet sehr viel, lobt bei guten Aktionen, sagt aber auch, wenn etwas nicht so gut läuft."

Eine persönliche Ansprache von Pep oder gar eine Unterhaltung unter vier Augen gab es für Lukas Görtler aber bisher noch nicht: "Ich bekomme mein Feedback eher von Hermann Gerland." Der Co-Trainer gilt nicht umsonst als der große Talentförderer im Stab des Rekordmeisters.

Er dürfte den 20-Jährigen auch weiter im Auge haben. Auch wenn der jetzt erst einmal in die Winterpause geht. Mit vielen Eindrücken und Erlebnissen, aber auch mit der nötigen Bescheidenheit. "Natürlich hoffe ich, dass ich auch im Januar wieder das eine oder andere Mal dabei sein darf. Aber ich muss auf dem Boden bleiben. Außer ein paar unvergesslichen Erfahrungen habe ich noch nichts erreicht."