Hätte sie als Fußballerin Karriere gemacht? Darüber muss sich Alina Hartmann nicht mehr den Kopf zerbrechen. Die 18-Jährige hat es im Basketball bislang bis zur U20-Nationalspielerin gebracht, nach dem Abitur am Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg (KHG) wartet Mitte August ein Stipendium an der University of Colorado in Boulder/USA auf sie (siehe auch: www.cubuffs.com). Zuvor geht es Anfang Juli mit dem U20-Nationalteam zur B-Europameisterschaft in die bulgarische Hauptstadt Sofia.

Die Chancen, dass Alina Hartmann als kleines Mädchen beim Fußball landet, standen 50:50. "Mein Vater sagte Ja zu meinem Wunsch, meine Mutter Nein. Zu männlich, meinte sie", lächelt die 1,84 m große Flügelspielerin (Shooting Guard, Power Forward). Also Basketball bei der BG Litzendorf, bis zur Altersklasse U14 nur in Jungenteams. Mit dem Wechsel zur DJK Don Bosco Bamberg begann der sportliche Aufstieg: Erfolge im Freistaat und national mit Verein und Schule, Berufungen in Auswahlteams, 2011 in der U16 erstmals Mitglied einer Nationalmannschaft, Bundesliga-Basketballerin, 2013 erstmals für Deutschland im Trikot der Damen aktiv. Die nächsten Meilensteine stehen an.

Dabei vergisst Alina Hartmann nicht, wo sie herkommt. Stolz kann die junge Bambergerin sein auf das bisher Geleistete, dankbar ist sie. Das Wesen der Demut, einer Haltung, die der Jugend zunehmend abhanden zu kommen scheint, ist ihr offenbar nicht fremd. Durchdacht wirkt ihr Spiel zwischen den Körben, bedacht wählt sie ihre Worte. Deshalb auch kein Schluss mit Schule, ab durch die Mitte, sondern die Worte: "Ich weiß, was ich dem Kaiser-Heinrich-Gymnasium und seiner Förderung zu verdanken habe." Aktuell genießen die Förderung am KHG die Bamberger Talente Andi Obst, Marc Kunz, Nico Wolf, Tibor Taras und Philipp Seibold.

Alina Hartmann will im US-Bundesstaat Colorado "International Affairs", internationale Beziehungen, studieren. Sie steigt hoch ein in Boulder, auf 1655 m, aber auch als Botschafterin Bambergs und des deutschen Basketballs. Wir unterhielten uns mit ihr.

Frage: Wie sieht Ihre Bilanz der DJK Brose Bamberg in der abgelaufenen Saison der Bundesliga aus?
Alina Hartmann: Wir sind sicher alle nicht sehr glücklich aus der Saison gegangen, da wir den Klassenerhalt schaffen wollten. In unserer Aufstiegssaison zuvor hatten wir uns ja auch behauptet und wollten uns diesmal steigern. Nach dem Auftaktsieg über Freiburg bei der Saisoneröffnung in Oberhausen verlief die erste Hälfte der Runde durchwachsen. Es hat sich schon da deutlich abgezeichnet, dass unsere Mannschaft nicht tief genug besetzt war. Der Trainerwechsel und die Verpflichtung von Radoslava Bachvarova sorgten nochmals für neue Motivation und Hoffnung, was sich auch in der Leistung widergespiegelt hat. Allerdings war das Glück nicht auf unserer Seite, und wir verloren auch Partien knapp, die wir hätten leicht gewinnen können. Wir gestalteten die meisten Spiele eng, trafen aber oft nicht die richtigen Entscheidungen, um dann auch zu siegen.

Frage: Abitur in der Tasche, die USA vor Augen. Schildern Sie Ihre Gefühlslage, Ihre Ziele.
Alina Hartmann: Zum einen bin ich traurig, hier alles zurückzulassen, da ich mich bei der DJK viele Jahre lang sportlich und menschlich weiterentwickeln konnte. Zudem lasse ich meine Familie und Freunde zurück. Und was vielleicht manche nicht glauben werden - ich denke jetzt schon gerne an meine Schule zurück, ohne deren Unterstützung ich als Sportlerin und Mensch nicht so weit gekommen wäre. Jetzt freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt, auf neue Herausforderungen. Sportlich erwarten mich in den USA ganz andere Dimensionen. Für die University of Colorado in Boulder habe ich mich entschieden, weil sie sich am meisten um mich bemüht hat. Cheftrainerin Linda Lappe saß zehn Stunden im Flieger, um mich kurz vor Weihnachten in der Stauffenberghalle gegen Saarlouis spielen zu sehen und dann gleich wieder zehn Stunden nach Denver zu fliegen. Ich werde ein Stipendium haben als Basketballerin, einschreiben werde ich mich für das Studienfach Internationale Beziehungen. Für die Wahnsinns-Stimmung, die in den USA bei den College-Spielen der Jungs herrscht, ist auch meine Uni bei den Mädchen bekannt. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, ein anderes Land kennen lernen zu dürfen. Mit meinem Team werde ich viel in den USA herumkommen. Die Chance, Ausbildung und Sport weiter so gut kombinieren zu können, ist nur in den USA so optimal gegeben.

Frage: Sport mit professionellem Anspruch, Schule und Privatleben sind in Zeiten des G8 schwer unter einen Hut zu bringen. Wie haben Sie das geschafft?
Alina Hartmann: Als Gymnasiastin am KHG in Bamberg konnten wir das Training immer in die Unterrichtszeit integrieren. Das sah beispielsweise so aus, dass einmal in der Woche vor der Schule sowie regelmäßig in den Freistunden und in der Mittagspause trainiert wurde. So wie ich das erlebt habe, kommt das KHG seinen Sporttalenten sehr entgegen. Es war nie ein Problem, wegen Lehrgängen in den Nationalmannschaften Schulbefreiungen zu erhalten. Um diese Fehlzeiten aufzufangen, gab es eine enge Zusammenarbeit der Lehrer, koordiniert von Herrn Zapf und Frau Seifert, die mir half, den versäumten Stoff nachzuholen. Speziell Herr Zapf, der Sportchef an unserer Schule, hat mir sehr weitergeholfen. Ich profitierte von seinen Erfahrungen als Hochleistungssportler und Profibasketballer sowohl in sportlicher als auch menschlicher Hinsicht. Gut funktioniert am KHG das stark individuell, menschlich geprägte Zusammenspiel von sportlicher und schulischer Förderung. Als ich ans KHG kam, wusste ich längst nicht, wohin mein sportlicher Weg führt, ob ich überhaupt Leistungssportlerin werde. In der fünften Klasse ist es aus meiner Sicht auch zu früh, die jungen Leute leistungsbezogen zu fördern. Eine Prognose ist in diesem Alter nur bedingt möglich. Für mich war es erst einmal wichtig, dass ich mich an der Schule wohlfühle. Als es in der 7., 8. Klasse langsam ernst wurde, stand mir das KHG sofort zur Seite. Richtig eng mit Schule und Sport wurde es erst in der Oberstufe, in den letzten zwei Jahren bis zum Abitur. Ab der 11. Klasse zählt alles für die Abschlussnote. Lernen, Prüfungen, Training, Nationalmannschaft und die langen Auswärtsfahrten zu den Bundesligaspielen waren schwer unter einen Hut zu bringen. Ich fand aber immer Rückhalt und Unterstützung, nicht nur in der Schule und in der Familie, sondern vor allem auch im Team. So hat etwa meine Mannschaftskameradin Svenja Zeis meine Seminararbeit Korrektur gelesen. Der Spaß am Sport, der Erfolg, der mich menschlich weiterbringt und der mir auch Selbstvertrauen gibt, lassen einen leicht die Belastungen meistern. Neben Schule und Sport bleibt mir nicht viel Freizeit. Ich habe zum Beispiel in der 8. Klasse den Skikurs verpasst. Es kommt schon vor, dass mein Freundeskreis ohne mich ausgehen muss.

Frage: Der Durchmarsch der DJK von der Regionalliga in die 1. Liga war eine Erfolgsgeschichte. Vergleichen Sie die Situation des Bamberger Damenbasketballs von vor ein paar Jahren mit der Situation jetzt.
Alina Hartmann: Wie ich über meine 14-jährige Schwester Anika mitbekomme, wird auch jetzt engagierte Aufbau- und Nachwuchsarbeit betrieben. Als Beispiel aus meiner Jugendzeit möchte ich Janet Fowler-Michel nennen, die frühere kanadische Nationalspielerin, die einst für die DJK Bamberg in der Bundesliga aktiv war: Sie ist seit langem in Würzburg zu Hause und hat vor wenigen Jahren das Team Oberfranken in der Mädchen-Bundesliga WNBL betreut. Janet hat es verstanden, ihre große Erfahrung als Spielerin sehr nützlich an uns weiterzugeben. Der damalige Erfolg - wir wurden einmal Dritter und einmal Vierter bei den Finalturnieren um die deutsche Meisterschaft der U17-Basketballerinnen - zeigt, wie gut ihre Arbeit als Trainerin ist. So ein Coach wäre auch der Bamberger Jugend zu wünschen. Es darf nicht vergessen werden, dass unser Weg in die Bundesliga auch eine Glücksgeschichte war, zumal wir seinerzeit als Regionalliga-Dritter in die 2. Liga aufgestiegen sind. Mein Wunsch wäre, das Level 1. oder 2. Liga zu etablieren, um dem Nachwuchs dauerhaft eine Perspektive auf hohem Niveau zu bieten.

Frage: Wo haben Sie mehr Englisch gelernt, in der Schule oder zwischen den Körben?
Alina Hartmann: Die Schule schafft die Grundlagen. Eine Fremdsprache lernt man letztlich immer nur in der Praxis. Und die fand ich im ständigen Austausch mit unseren Mitspielerinnen aus den USA.


Sportförderung am Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg


Ziel Sportlich besonders talentierte Schülerinnen und Schüler finden am Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg (KHG) optimale Förderbedingungen vor, um, in den Schulalltag integriert, zusätzlich trainieren zu können.

Umsetzung Es stehen für eine angemessene Zahl an Schülern mehrmals wöchentlich Trainingszeiten zur Verfügung, vornehmlich vor dem Unterricht oder von 13 bis 14 Uhr. Das Training und die diversen Wahlkurse - nicht nur Basketball und Rudern - erfolgen weitgehend in Absprache mit den Vereinen, sodass eine enge Verzahnung von Schule und (Leistungs-)Sport gegeben ist.