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Testspiel vorzeitig abgepfiffen: "So ein Spiel habe ich noch nie erlebt"

Dem Schiedsrichter Markus Pflaum reichte es. Er pfiff das Testspiel zwischen Hof und Bayreuth aufgrund mehrerer Vorfälle vorzeitig ab. Im Interview spricht er über die Hintergründe.
Schiedsrichter Markus Pflaum aus Hallstadt hatte im Testspiel zwischen Bayern Hof (in Gelb) und der SpVgg Bayreuth nach 82 Minuten beim Stand von 2:3 die Nase von den ständigen Diskussionen und Disziplinlosigkeiten beider Teams voll - und pfiff die Partie einfach ab.Peter Mularczyk

Dass sich die oberfränkischen Traditionsvereine SpVgg Bayern Hof und SpVgg Bayreuth nicht besonders grün sind, ist ein alter Hut. Doch dass in einem "Freundschaftsspiel" zwischen den beiden Erzrivalen die Emotionen auf dem Platz derart hochkochen, dass der Schiedsrichter in der 82. Minute die Nase voll hat und vorzeitig abpfeift, ist ein Novum in der Geschichte dieses Derbys.

Leiter der Partie war der Hallstadter Markus Pflaum vom SV Dörfleins. Der 43-Jährige ist einer der besten Schiedsrichter Frankens, pfeift seit fast 30 Jahren, stand in rund 180 Partien in der 2. Bundesliga an der Seitenlinie und war auch schon in der 3. Liga im Einsatz. Auch für ihn war der Samstagnachmittag auf dem Hofer Kunstrasenplatz eine neue Erfahrung. "So ein aggressiv geführtes Freundschaftsspiel habe ich noch nicht erlebt", sagt er im Interview.

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Herr Pflaum, gab es im Spiel eine Schlüsselszene, die die Gemüter erhitzt hat?

Markus Pflaum: Das Spiel war von Anfang an sehr hart geführt, ich habe deswegen auch vier Gelbe Karten wegen überharten Einsteigens verteilt. Dann hat sich das Spiel wieder beruhigt. Bis zur 70. Minute. Als ein Hofer in einem Zweikampf seinen Ellbogen eingesetzt hat und der Bayreuther zu Boden ging, ist es zu einer Rudelbildung gekommen. Wir Schiedsrichter unterscheiden in unserer Sprache, ob er den Ellbogen als Werkzeug oder Waffe einsetzt. Für die Waffe gibt es Rot. In diesem Fall war es aber nur ein Foul, für das ich Gelb gegeben habe.

Auf einem Foto sieht man im Rudel auch Bayreuths Trainer Timo Rost, der mit Ihnen diskutiert. Durfte er das ungestraft?

Timo Rost ist von mir nur ermahnt worden. Er ist mit dem Physiotherapeuten aufs Spielfeld gelaufen, weil er sich um seinen am Boden liegenden Spieler kümmern wollte. Wäre er einfach so aufs Spielfeld gelaufen, hätte er eine Karte bekommen.

Schiri pfeift ab: Gelbe Karten und Rudelbildungen

Haben Sie sich etwas vorzuwerfen? Etwa, nicht früher durchgegriffen zu haben? Hätte eventuell ein Platzverweis geholfen, die Gemüter zu beruhigen?

Nein, ich habe bis zu diesem Zeitpunkt schon fünf Gelbe Karten verteilt. In der Pause habe ich den Spielern gesagt, dass ich auf so ein Freundschaftsspiel keine Lust habe und dass sie anständig Fußball spielen sollen. Die Emotionen sind dann ab der 80. Minute richtig hochgekocht, es gab Schubsereien und immer wieder Rudelbildungen. Das hat in einem Freundschaftsspiel nichts zu suchen. In einem normalen Spiel hätte ich das vielleicht mit Rot sanktioniert.

Schiedsrichter auf Ihrem Niveau bereiten sich auf jedes Spiel vor. Hatten Sie mit solchen Vorfällen bereits gerechnet?

Es war schon klar, dass es kein normales Vorbereitungsspiel sein wird, zumal es das Duell schon lange nicht mehr gegeben hat. Deshalb wurde auch kein ganz junger Schiedsrichter hingeschickt. Ich habe die Hofer in dieser Saison schon in der Bayernliga in Würzburg gepfiffen. Da gab es keine Probleme. Ich kenne auch einige Bayreuther Spieler. Deswegen hat mich das Ganze auch selbst überrascht.

Noch ein Testspiel-Derby wird es wohl nicht geben

Geht das Testspiel nun vor dem Sportgericht in die Verlängerung?

Nein, ich habe das Spiel ja nicht abgebrochen, sondern nur etwas früher abgepfiffen. Deshalb musste ich auch keine Meldung schreiben. Mir ging es nur darum, die Spieler vor sich selber zu schützen, Ruhe reinzukriegen, damit nicht noch einer Rot sieht und dann im ersten Punktspiel gesperrt ist. Aus meiner Erfahrung heraus wäre es sicher noch so weit gekommen.

Haben sich die Gemüter nach dem Abpfiff wieder beruhigt?

Ja, es war alles ruhig. Die Verantwortlichen beider Vereine waren sich aber einig, dass es so schnell kein Testspiel-Derby mehr geben wird.

Schiedsrichter-Obmann Walter Moritz hat kürzlich beklagt, dass es Schiris ähnlich ginge wie Polizisten, dass sie zunehmend ihren Status als Respektsperson verlieren. Sehen Sie das auch so?

Ich denke, es ist eher in den unteren Ligen der Fall, dass Entscheidungen nicht mehr so akzeptiert werden. Was die Jungs am Samstag in der Sportschau oder bei Sky sehen, wiederholt sich eben am Sonntag im Amateurbereich. Deshalb hat man auch in der Bundesliga reagiert und greift strenger durch. Grundsätzlich ist der Respekt in der Gesellschaft untereinander nicht mehr so vorhanden.

Ständig motzende Profis sind auch schlechte Vorbilder für die Jugend.

Wenn mal bei meinem Sohn in der D-Jugend kein Schiedsrichter ist, pfeife ich auch da. Aber da lassen vor allem die Eltern den Respekt vermissen.