Als der Ball nach dem Dreipunktewurf von Robin Christen 3:04 Minuten vor dem vermeintlichen Spielende auf dem Ring tanzte und dann zur 83:75-Führung für Rasta Vechta durch das Netz fiel, schien das Schicksal von Brose Bamberg besiegelt. Doch es war nur der Auftakt zu einem irren Schlagabtausch mit spektakulären Würfen und Korbaktionen, der erst nach 45 Minuten in der Verlängerung sein Ende fand und in dem der Pokalsieger den Kopf noch aus der Schlinge zog. Mit dem 102:98-Heimerfolg erzwang er in der Viertelfinalserie um die deutsche Basketball-Meisterschaft ein zweites Heimspiel, das am Dienstag über die Bühne gehen wird. Doch zunächst einmal ermitteln beide Teams am Samstag (20.30 Uhr) in Vechta, wer in der vierten Partie die best-of-five-Serie für sich entscheiden kann.

"Wir sind froh, dass wir jetzt in diese Serie eingestiegen sind, denn das haben wir im ersten Spiel nicht geschafft", meinte Brose-Coach Federico Perego, dessen Team nach der 85:96-Auftaktniederlage den Kampfgeist zeigte, den es in Vechta noch vermissen hatte lassen. "Dieses Spiel war eine reine Willenssache. Wir haben zu keiner Zeit aufgegeben", meinte Center Elias Harris. Nach Christens Dreier rissen die Bamberger mit einem 9:0-Lauf die Führung an sich (84:83), standen nach zwei Dreiern von Vechtas Aufbauspieler T .J.Bray sechs Sekunden vor der Schlusssirene aber wieder vor dem Abgrund. Tyrese Rice rettete die Bamberger mit einem Floater jedoch in die Verlängerung.

Keine Pause für Hollins

In dieser rangen die Gastgeber den personell gebeutelten Aufsteiger, bei dem wieder nur sieben Akteure zum Einsatz kamen und bei denen Austin Hollins durchspielte, mit 13:9 nieder. "Wir haben die Intensität auf den Platz gebracht, die wir von der Mannschaft eingefordert haben und die man sich wünscht. Es war sicherlich nicht alles schön, aber mir hat gefallen, wie wir um die Bälle gekämpft haben", meinte Brose-Geschäftsführer Arne Dirks nach dem packenden Play-off-Fight, in dem die Bamberger kämpferisch, aber nicht spielerisch überzeugten. 19 Ballverluste leisteten sie sich und waren defensiv erneut nicht eng genug dran an ihren Gegenspielern.

Beide Teams boten den 5803 Zuschauern in der nicht ausverkauften Brose-Arena ein Offensivspektakel. Nach verhaltenem Start (Halbzeitstand 35:31) fielen alleine im dritten Viertel (30:31) fast so viele Punkte wie in der ersten Halbzeit.

Aus beiden Teams ragten jeweils zwei Spieler heraus. Der angeblich von einigen Euroleagueteams, darunter Bayern München, umworbene Bray führte Vechta mit 29 Punkten und zwölf Assists an. Bambergs Pendant auf der Aufbauposition, Rice (26/10), zeigte ebenfalls seine Qualitäten als Anführer. Zudem glänzten beiderseits zwei Spieler, die im ersten Duell kein Faktor waren. Augustine Rubit war mit 31 Punkten Topscorer und schaffte mit 14 Rebounds ebenfalls ein "Double-Double". "Wir waren heute als Mannschaft besser. Das hat es auch mir leichter gemacht", meinte der Bamberger Power Forward, der in der ersten Begegnung nur auf zwei Zähler gekommen war.

Vechtas zweiter Aufbauspieler Josh Young drehte ebenso wie Rubit nach der Pause auf. 21 seiner 28 Punkte erzielte er in der zweiten Halbzeit. In dieser kühlte Hollins merklich ab. Von Bryce Taylor gut verteidigt, erzielte Rastas Scharfschütze im letzten Viertel nur noch fünf seiner insgesamt 18 Punkte und blieb in der Verlängerung ohne Korberfolg.

Dass die fünf Extra-Minuten Rastas Rumpfteam am Samstag in Spiel 3 in den Knochen stecken werden, darauf dürfen die Oberfranken nicht hoffen. "Das Spiel hat heute viel Kraft gekostet, vor allem in der Verlängerung. Das ändert aber nichts daran, dass wir in der nächsten Partie mit der selben Energie auf den Platz gehen werden", kündigte Vechtas Center Philipp Herkenhoff an.