Neuer Trainer, neuer Geschäftsführer, neue Ausrichtung. "Wir wollen gezielt zurück zu unserer Identität, zum Bamberger Weg, in dessen Zentrum die Entwicklung junger Spieler steht", sagt Arne Dirks. Im Interview mit unserer Zeitung konkretisiert der Geschäftsführer den Plan des neunfachen deutschen Basketball-Meisters Brose Bamberg.

Welcher Grundgedanke verbirgt sich hinter dem Begriff Bamberger Weg?

Arne Dirks: Für uns gibt es zwei Stränge. Zwar haben wir ein extrem gutes Nachwuchsprogramm, aber wir müssen uns auch wieder trauen, unsere Talente ins kalte Wasser zu werfen und sie an die eigene erste Mannschaft heranführen. Wir haben viele gute junge Spieler hervorgebracht, die aber jetzt bei anderen Klubs spielen. Darüber hinaus wollen wir auch Spieler weiterentwickeln, die vielleicht schon 25, 26 oder 27 Jahre alt sind, für die es aber eine Ehre ist, hier zu spielen und die bei uns den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen wollen. Es geht uns aber, und das ist der zweite Strang, auch um die Art und Weise, wie wir Basketball spielen. Ich glaube, dass hier niemand böse ist, wenn Brose Bamberg einmal nicht die Meisterschaft gewinnt, aber die Mannschaft das zeigt, was ich als Fan erwarte: Kampf, dem Ball hinterher hechten, das Herz auf dem Feld lassen. In den Heimspielen gegen Bayreuth und Vechta haben wir beispielsweise dem Gegner nichts entgegengesetzt. Das war enttäuschend. Und daher war der Trainerwechsel hin zu Federico Perego richtig. Er hat das verinnerlicht, was Bamberg in den letzten Jahren ausgemacht hat, und treibt es wieder voran.

Woher wollen Sie die Talente, die künftig gefördert werden sollen, anlocken: aus der Region, aus dem Rest von Deutschland oder - wie bislang - aus ganz Europa?

Es ist schon wichtig, dass wir darauf schauen, welches Potenzial in der Region vorhanden ist. Wir haben ein beispielloses Nachwuchsprogramm mit einer gesellschaftspolitischen Aufgabe. Wir gehen in Kindergärten, in Schulen und wollen Kinder an den Sport heranführen. Das machen wir sehr gut. Vielleicht haben wir in den letzten Jahren vermissen lassen, frühzeitig gezielt nach Talenten zu suchen, mit dem Leistungssport im Gedanken. Natürlich geht es auch darum, deutschlandweit gut zu sichten, beispielsweise schon in der JBBL oder noch früher. Ich will aber auch nicht ausschließen, dass wir außergewöhnliche Talente wie Henri Drell aus dem Ausland hierher holen. Aber wenn es um Bamberger Identität geht, gilt es tatsächlich genau hinzuschauen, wer aus der Region in die Fußstapfen von Spielern treten kann, die hier groß geworden sind und jetzt etablierte Bundesligaspieler sind.

Wer soll das Projekt Bamberger Weg umsetzen? Der Vertrag des Trainers läuft zum Saisonende aus, der Sportdirektorposten ist vakant.

Federico Perego steht sicherlich für vieles, was den Bamberger Weg ausmacht. Wir haben ihm das Vertrauen geschenkt, und er zahlt das Spieltag für Spieltag zurück. Aber ich kann jetzt noch keine Aussage treffen, wie es mit ihm weitergeht. Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit, und er sammelt sicherlich Argumente für sich. Grundsätzlich geht es um Personal, das diesen Weg mitgeht und sich damit identifizieren kann. Dazu gehören nicht nur Trainer, Sportdirektor und Nachwuchskoordinator. Der Bamberger Weg ist im Grunde eine Markenbildung, die sich durch die ganze sportliche Abteilung und auch das Office von Brose Bamberg zieht. In diesem Punkt müssen und wollen sich alle wiederfinden.

Das Farmteam Baunach Young Pikes war bislang vorrangig der Tummelplatz für die Talente. Wie sehr schmerzt der wohl nicht mehr zu vermeidende Abstieg aus der 2. Liga ProA?

Theoretisch haben wir noch die Chance auf den Klassenerhalt, und so lange diese vorhanden ist, werden wir auch darum kämpfen. Bamberg ist der einzige Bundesligist, der auch eine ProA-Mannschaft stellt. Aber alle anderen großen Klubs spielen mit ihren Farmteams in der ProB. Klar ist das eine Klasse tiefer, aber ich würde das nicht als Weltuntergang sehen.

Inwieweit ist die Neuausrichtung auch finanziellen Zwängen geschuldet, nachdem Brose sein Sponsoring ja gedeckelt hat?

Wir sind wirtschaftlich immer noch das zweitstärkste Team in der Bundesliga. Insofern müssen wir nicht viel kleinere Brötchen backen. Nur müssen wir so verpflichten, dass es Sinn ergibt. Am Ende des Tages ist es nicht immer eine Frage des Etats. Vechta ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch mit einem kleinen Budget funktionieren kann, wenn die Spieler passen, eine Einheit bilden und Lust haben, für den Verein alles zu geben.

Einerseits will Brose Bamberg junge Spieler entwickeln, gleichzeitig aber in Zukunft weiterhin um die Meisterschaft mitspielen. Muten Sie sich da nicht zu viel zu?

Ich habe ja nicht gesagt, dass wir nur noch mit 20-Jährigen auf dem Feld stehen werden. Ein reiner Ausbildungsklub werden wir nicht sein. Natürlich bleibt es der Anspruch von Brose Bamberg, ein starkes Play-off-Team zu sein und um die Meisterschaft mitzuspielen. Dementsprechend werden wir auch die Spieler verpflichten.

Die Fragen stellte

Peter Seidel