Vor fast genau einem Jahr übernahm Ivan Pavic das Traineramt bei den Basketballern von Bike-Cafe Messingschlager Baunach, die damals am Tabellenende der 2. Liga ProB standen. Was 2014 folgte, war eine Erfolgsgeschichte. Das Team schaffte noch den Sprung in die Play-offs und stieg als Vizemeister in die ProA auf. Auch in der zweithöchsten deutschen Spielklasse mischen die Baunacher munter mit und haben die Vorrunde auf dem neunten Platz beendet. Nachfolgend ein Interview mit Pavic und Jochen Hirmke, Geschäftsführer der Baunacher Sport und Event GmbH, zum bisherigen Saisonverlauf.

Platz 9 zur Saison-Halbzeit mit sieben Siegen und acht Niederlagen: Sind Sie mit dem Abschneiden zufrieden?
Jochen Hirmke: Wenn mich vor der Saison jemand gefragt hätte, ob ich zur Saisonhälfte den neunten Platz nehmen würde, hätte ich sofort dreimal unterschrieben. Wir haben uns ausgerechnet, dass man mit zehn Siegen den Klassenerhalt schaffen könnte. Da wir jetzt schon sieben Siege haben, müssten wir unser Ziel eigentlich erreichen. Aber man hat bei unserer Niederlagenserie gesehen, dass es auch schnell wieder nach unten gehen kann. Bei einer jungen Mannschaft sind halt die Schwankungen noch extrem groß. Deshalb müssen wir weiter hart arbeiten.
Ivan Pavic: Wir haben vor der Saison zwei Ziele formuliert. Das eine war der Klassenerhalt, und das andere war, junge Spieler zu fördern, und ihnen Spielzeit zu geben. Ich denke, bei beidem sind wir auf einem richtig guten Weg. Als Trainer bin ich nicht ganz so zufrieden, weil wir einige Spiele abgegeben haben, in denen wir mit Sicherheit nicht die schlechtere Mannschaft waren. Was mich positiv stimmt, ist, dass die Mannschaft aus den Niederlagen gelernt hat. Vor allem in den letzten beiden Spielen in Leverkusen und daheim gegen Nürnberg haben wir sehr ansehnlichen Basketball gezeigt, an dem die jungen Spieler großen Anteil hatten. Darauf kann man aufbauen.

Die Mannschaft ist mit vier Siegen aus den ersten fünf Spielen sehr gut in die Saison gestartet, hat anschließend sieben Niederlagen in Folge einstecken müssen, dann aber wieder drei Partien hintereinander gewonnen. Welche Erklärung gibt es für diese Achterbahnfahrt?
Pavic: Die Liga war für uns alle Neuland. Das einzige, was wir wussten, war, dass es in dieser Saison die stärkste zweite Liga aller Zeiten ist. Das hat sich bewahrheitet. Der Unterschied zwischen ProB und ProA ist immens, der Sprung zwischen ProA und Bundesliga aus meiner Sicht dagegen nicht mehr so groß. Natürlich gibt es Erklärungen für die Niederlagenserie. Wir schauen auf die Sachen, die schief gelaufen und für die wir verantwortlich sind. Wir hatten es in unserer Hand, diese Spiele zu gewinnen, haben dies aber nicht getan haben. Alles andere sind Entschuldigungen und Ausreden, und die werde ich in der Öffentlichkeit sicher nicht diskutieren.

Mit Marcos Knight, Anthony Lee und Logan Stutz sind die drei US-Amerikaner die besten Korbjäger. Sind Sie zu sehr auf die ausländischen Spieler angewiesen?
Pavic: Wir sind die einzige Mannschaft, die nur mit drei Amerikanern in die Saison gegangen sind. Von den möglichen 120 Minuten Spielzeit spielen unsere Amerikaner nur 80, wenn's hoch kommt. Das ist bei keiner anderen Mannschaft der ersten und zweiten Liga der Fall. Wenn man sieht, wie sich unsere jungen Spieler präsentieren und mitverantwortlich sind für die Siege, kann man durchaus zufrieden sein. Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass unsere Amerikaner gut spielen, aber wir sind genauso darauf angewiesen, dass unsere jungen Spieler gut spielen und möglichst viel Spielzeit erhalten.

Hat Ex-Nationalspieler und Heimkehrer Steffen Hamann die ihm angedachte Rolle als Rudelführer erfüllt?
Pavic: Wir wussten alle, was wir von Steffen bekommen würden. Er kann der Mannschaft immens viel beibringen und geben, was nicht auf dem Statistikbogen auftaucht. Man muss berücksichtigen, dass Steffen ohne Saisonvorbereitung in die Spielzeit gegangen ist und dann durch vier kleinere Verletzungen aus dem Tritt gekommen ist. Jetzt zum Schluss hin hat er wieder Fahrt aufgenommen. Alles in allem war Steffens Leistung aus unserer Sicht sehr gut. Es besteht auch kein Grund, seine Spielzeit auszureizen. Alex Engel entwickelt sich seit einem Jahr stetig bergauf. Von daher ist es ein super Tandem, das wir da haben, mit einem erfahrenen und einem jungen Aufbauspieler. Dazu kommt noch Tibor Taras, den wir auch schon mehrmals haben spielen lassen.

Mit Andi Obst, Alex Engel, Johannes Thiemann und Leon Kratzer stehen vier Baunacher in den Top Ten der sogenannten Top-Performer bei den U22-Spielern. Obst hat bereits den Sprung in den Kader der Brose Baskets geschafft. Sind das Belege für eine funktionierende Talentförderung?
Pavic: Wir sind ja vorrangig der Kooperationspartner der Brose Baskets und haben uns auf die Fahnen geschrieben, junge Spieler zu entwickeln auf höchstmöglichem Niveau. Ich bin von jedem einzelnen unserer jungen Spieler überzeugt und denke, dass noch sehr viel Potenzial in ihnen steckt. Wir werden versuchen, dieses möglichst vollständig auszureizen, damit die Jungs den Schritt in die Bundesliga in naher Zeit schaffen.
Hirmke: Das Thema Kooperation Bundesliga/ProA ist heuer noch gar nicht ausgereizt worden. Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal. In ganz Deutschland gibt keine so enge Zusammenarbeit zwischen einem Bundesligisten und einem ProA-Team wie hier in Bamberg. Man hätte bestimmt noch mehr herausholen können, wenn man hoch talentierte junge deutsche oder auch ausländische Spieler der U17 oder U18 geholt hätte. Das ging in Bamberg im vergangenen Sommer aus den bekannten Gründen nicht, da hatte man ganz andere Dinge im Kopf. Aber wenn man weiß, dass es in der nächsten Saison wieder die gleiche Konstellation gibt, dann sollte man schon jetzt versuchen, das eine oder andere europäische Spitzentalent nach Bamberg zu holen. Ein Mann wie Paul Zipser von Bayern München beispielsweise hätte eigentlich in Bamberg landen müssen. Er könnte hier auf höchstem Niveau trainieren und sowohl Bundesliga als auch ProA spielen. Mit einem solchen Pfund müsste man eigentlich noch mehr wuchern, als man es bislang getan hat.

Die Mannschaft hat nur zwei Punkte Rückstand auf einen Play-off-Platz, aber bereits acht Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Wird das Saisonziel, das bislang Klassenerhalt hieß, nach oben korrigiert?
Pavic: Die Saisonziele - so früh wie möglich den Klassenerhalt zu sichern und junge Spieler zu fördern - bleiben gleich. Falls wir den Klassenerhalt vorzeitig schaffen, gehe ich davon aus, dass wir die jungen Spieler noch mehr spielen lassen und in die Verantwortung nehmen, damit sie sich weiter entwickeln können. Das ist unser Weg, dem wir uns verschrieben haben. Und dann werden wir gucken, wie weit wir damit kommen. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Dafür trainieren wir.
Hirmke: Ivan ist während der Niederlagenserie dafür kritisiert worden, dass er die Amerikaner zu viel spielen lässt. Aber einen jungen Spieler kann man am besten entwickeln, wenn der ganz große Druck weg ist. Das haben wir in den Play-offs der letzten Saison gesehen. Da hatten wir unser Ziel schon erreicht, die Play-offs waren nur die Zugabe, und plötzlich ist die Mannschaft leistungsmäßig explodiert. Ich bin daher überzeugt, dass, wenn der Klassenerhalt geschafft ist, die Mannschaft noch einmal einen Schritt nach vorne macht. Und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt.
Der Zuschauerschnitt in der Vorrunde lag bei 979 Besuchern pro Heimspiel. Sind sie damit zufrieden?
Hirmke: Was wir vorher kalkuliert hatten, ist ungefähr eingetroffen. Wir sind halt die Nummer zwei in Bamberg, und dann gibt es ja auch noch die 2. Liga der Damen. Man kann ja von den Leuten nicht erwarten, dass sie zu jedem Spiel gehen. Insofern sind wir zufrieden, auch wenn der organisatorische Aufwand enorm ist. Aber wir packen das. Es gab bisher noch keine Panne. Doch es ist ein großes Team erforderlich. Unsere 30 bis 40 Helfer müssen bei jedem Heimspiel viel Arbeit leisten.

Am 11. Januar weichen Sie für das Heimspiel gegen den Tabellenführer und Meisterschaftsfavoriten aus Würzburg in die Brose Arena aus. Für die Partie, die auch einem guten Zweck dient, hoffen Sie auf ein volles Haus. Wie ist der Stand der Dinge?
Hirmke: Bei der Aussage volles Haus muss man berücksichtigen, dass es von Anfang an geplant war, die Nordtribüne abzuhängen und sie nicht zu nutzen. Wir wollen schauen, dass wir einen neuen Saisonrekord aufstellen. Der liegt derzeit bei 3284 Zuschauern, erst vor kurzem aufgestellt bei der Partie Gießen gegen Würzburg. Ich denke, wir sind auf einem ganz guten Weg, den zu knacken. Wir werden für die Zuschauer das gleiche Programm bieten wie bei allen Heimspielen und nichts von den Brose Baskets kopieren. Wir wollen auch in der Brose Arena unsere Eigenständigkeit zeigen. Ich will aber auch noch einmal den Benefizgedanken dieses Spiels betonen. 10 000 Euro werden für einen guten Zweck gespendet. Gerade die Aktion "Freund statt fremd" braucht gegenwärtig jeden Euro. Wenn man sich die Situation der Hilfesuchenden in Bamberg betrachtet, hoffen wir, die Halle voll zu kriegen, um die Sache entsprechend zu unterstützen.
Pavic: Für uns alle ist das Highlight, vor allem die jungen Spieler, die zu den Brose Baskets aufschauen. Auch für mich ist es ein ganz besonderes Spiel. Dennoch werden wir es wie jedes andere angehen und wollen am Ende eine Siegchance haben. Man kann sich auf alle Fälle darauf verlassen, dass wir an unserer Leistungsgrenze gehen und alles versuchen werden, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir werden den Würzburgern einen harten Kampf bieten.