Gesundschrumpfen bei Brose Bamberg: Nach einer wirtschaftlich wie sportlich nicht zufriedenstellenden Spielzeit 2017/18 stellt sich der entthronte deutsche Basketball-Meister für die kommende Saison neu auf.

Erster Einschnitt: Die Bamberger verlassen die Euroleague und verzichten auf einen Startplatz in dem von ihr organisierten untergeordneten Wettbewerb, den Eurocup. Stattdessen treten sie in der Champions League des europäischen Basketballverbandes Fiba Europe an.

Zweiter Einschnitt: Die personellen Fehlentscheidungen der vergangenen Saison haben ein Loch in die Vereinskasse gerissen. "Wir sind zur Sparsamkeit gezwungen", sagt Rolf Beyer. Daher wird der Etat für die kommende Saison nach Angaben des Geschäftsführers signifikant zurückgefahren. Er rechnet mit einem Budget von sechs bis acht Millionen Euro weniger als in der Vorsaison. In dieser soll der Etat mehr als 20 Millionen Euro betragen haben.
Dritter Einschnitt: Die Mannschaft wird umgebaut. Junge, hungrige Spieler sollen wieder für attraktiven Basketball sorgen. "Wir werden keine großen Namen mehr verpflichten. Das war einer der Kardinalfehler in der abgelaufenen Saison", meint Beyer. Er spielt damit auf die Fehleinkäufe Quincy Miller und Ricky Hickman an.


Trainer soll bald feststehen

Wie das Gesicht der neuen Mannschaft aussehen wird, soll sich laut Beyer in den nächsten zwei Wochen herauskristallisieren. Zunächst soll bis Ende der Woche eine Entscheidung in der Trainerfrage herbeigeführt werden, danach das neue Team zusammengestellt werden. " Zwei, drei Ausländerstellen werden wir wohl neu besetzen", sagt Beyer, der einen Abschied von Daniel Hackett befürchtet und den Kontrakt mit Hickman beenden möchte. Ungewiss ist die Zukunft von Luka Mitrovic, der sich in der vergangenen Woche am Knie operieren ließ und ein halbes Jahr auszufallen droht.


Kulboka und Kratzer vor Rückkehr

Deutlich verjüngen werden die Mannschaft die zuletzt ausgeliehenen Arnoldas Kulboka (20) und Leon Kratzer (21) sowie William McDowell-White. Der 20 Jahre alte Australier, der im Baunacher Farmteam eine starke ProA-Saison hinter sich hat, wird mit einer Doppellizenz ausgestattet. "Wir wollen auch in Zukunft erster Herausforderer von Bayern München sein. Mit intelligentem Scouting werden wir versuchen, eine Mannschaft aufzubauen, die diesem Anspruch gerecht wird", kündigt Beyer an.


Hoher Anspruch

Das neu formierte Team soll in der Champions League dafür sorgen, dass Brose Bamberg seinem in den vergangenen Jahren erworbenen guten Ruf in Europa gerecht wird. "Unser Anspruch muss es schon sein, in diesem Wettbewerb unter die Top 8 oder Top 4 zu kommen", sagt der Geschäftsführer. Für fünf Jahre haben sich die Bamberger bereit erklärt, in der Champions League an den Start zu gehen - selbst für den Fall, sie würden sich sportlich für die Euroleague qualifizieren.


Bayreuth in der Qualifikation?

Aus der Bundesliga haben in der kommenden Saison auch Ludwigsburg und Bonn einen festen Startplatz in der Champions League, Bayreuth wird wohl in der Qualifikation sein Glück versuchen. "Die Champions League entwickelt sich wirtschaftlich, sportlich und medial immer besser. Wir sind uns sicher, dass sie in den nächsten Jahren im europäischen Wettbewerb weiter an Bedeutung gewinnen wird", meint Beyer, dem es auch wichtig war, "Planungssicherheit für die kommenden Jahre zu haben".


Maximal 20 Spiele

In der Champions League sind bis zum Finale maximal 20 Spiele zu bestreiten. Zudem werden die Nationalmannschaftsfenster berücksichtigt, so dass die Doppelbelastung mit der Bundesliga wesentlich weniger gravierend ist als mit Euroleague, in der alleine in der Hauptrunde 30 Spiele zu absolvieren waren. "Der entzerrte Spielplan erlaubt es uns, im nationalen wie internationalen Wettbewerb stabiler anzutreten als in der vergangenen Saison", erklärt Beyer, dessen Verein sich mit dem Wechsel in die Champions League auch im Streit zwischen Euroleague und Fiba Europe um die Hoheit im europäischen Vereinsbasketball nun klar positioniert hat.