Der "Fall RT Bamberg" erhitzt die Gemüter im Fußballkreis Bamberg. Die Mannschaft in der untersten Ligasetzt sich zum Großteil aus Asylbewerbern zusammen, die der Residenzpflicht unterliegen und außerhalb der Stadtgrenzen Bambergs nicht bei Auswärtsspielen auflaufen dürfen.

Insgesamt vier Auswärtsspiele musste der B-Klassist bereits absagen. Bei drei schuldhaften Absagen wird eine Mannschaft normalerweise aus der Wertung genommen. Der Bayerische Fußball-Verband hat keine Entscheidung getroffen, wie mit RT Bamberg künftig verfahren wird. Ein geregelter Spielbetrieb ist in der Liga so nicht möglich - zum Unmut der gegnerischen Vereine. Viele fordern eine Gleichbehandlung, stehen dem Projekt aber auch positiv gegenüber und haben sogar Vorschläge für die Lösung der Probleme.

Wir haben uns bei den Vereinen, die von einer RT-Absage in dieser Saison betroffen waren, umgehört. Außerdem äußert sich der SV Wernsdorf, in dessen Reservemannschaft viele Flüchtlinge spielen.

SPVGG TRUNSTADT II

Mario Zweier, Abteilungsleiter der SpVgg Trunstadt, vertritt eine klare Meinung: "Alle Mannschaften sollten gleiche Bedingungen haben. Eine Sonderregelung ist unfair gegenüber den anderen Vereinen." Sollte das Nachholspiel der SpVgg II gegen RT Bamberg auf einen Tag unter der Woche fallen, wären einige Trunstadter berufsbedingt nicht dabei.

Zweier weiß aber auch, wie knifflig der Fall RT Bamberg ist: "Wie man's macht, macht man's falsch. Wird RT abgemeldet, zerschlägt man die Bemühungen der Verantwortlichen, die Integration durch Sport zu verwirklichen. Andererseits kannst du den anderen Vereinen auch nicht ins Kreuz treten."

FSV UNTERLEITERBACH II

Wer drei Mal nicht zu einem Spiel antritt, wird aus dem Spielbetrieb genommen: Diese Erfahrung musste im Vorjahr die zweite Mannschaft des FSV Unterleiterbach machen. Deswegen tritt die FSV-Reserve in dieser Runde nicht in der A-, sondern in der B-Klasse 1 an.

Dass über die Zukunft von RT Bamberg auch nach vier Absagen noch nicht entschieden wurde, empfindet Fußball-Abteilungsleiter Gerald Eberlein aber nicht als ungerecht: "Es gibt diese Regularien vom Verband und eine Umsetzung wäre konsequent. Ich finde aber, dass man in diesem Fall ein Auge zudrücken und RT einen Sonderstatus erlauben sollte." Der FSV, zur Winterpause auf Rang 4 notiert, war ebenfalls von einer Absage betroffen. "Eine Wiederholung nach der Winterpause sollte zeitlich machbar sein", sagt Eberlein.

Er steht dem Projekt RT positiv gegenüber. "Wir haben selbst Flüchtlinge in der Mannschaft gehabt und es gab nie Probleme. Ich finde es gut, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, Sport zu treiben und so für Abwechslung zu sorgen."

FC RENTWEINSDORF II

"Der Verband sollte konsequent sein und keinen Sonderstatus zulassen. Alles andere ist Wettbewerbsverzerrung, alle Vereine müssen gleich behandelt werden", spricht sich Roman Günther, Vorsitzender des FC Rentweinsdorf, für einen Ausschluss des Ligakollegen RT Bamberg aus dem regulären Spielbetrieb aus. "Die Jungs sollen Fußball spielen, aber meiner Meinung nach außer Wertung", sagt Günther. "Wenn ich mich für eine Teilnahme am Spielbetrieb entscheide, dann muss ich auch die Voraussetzungen erfüllen."

Günther sieht hier mit zweierlei Maß gemessen und andere Vereine ungerecht behandelt: "Leidtragende ist immer die gegnerische Mannschaft." Ob das abgesagte Spiel der Rentweinsdorfer Reserve gegen RT neu angesetzt wird, ist offen. "Wenn nachgeholt wird, dann ja meistens unter der Woche. In unserer zweiten Mannschaft spielen Studenten und Schichtarbeiter. Ob die uns dann zur Verfügung stehen, ist fraglich. Wenn wir dann mit Spielern aus der ersten Mannschaft auffüllen sollten, sind wir gleich wieder die Buhmänner." Einer fast ausschließlich aus Asylbewerbern bestehenden Fußballmannschaft steht Günther skeptisch gegenüber. "Ich hätte die Flüchtlinge auf Bamberger Vereine verteilt. Nur so kann Integration stattfinden, anstatt die Spieler in einer eigenen Mannschaft unter sich sein zu lassen."

FC VIERETH II

Matthias Amschler, Vorsitzender des FC Viereth, steht RT Bamberg generell positiv gegenüber. Die Entscheidung, RT nach der Auflösung der Spielgemeinschaft mit dem ASV Viktoria Bamberg im regulären Spielbetrieb der B-Klasse einzugliedern, hält er jedoch für falsch: "Es wäre besser gewesen, RT außer Konkurrenz antreten zu lassen." Dass der B-Klassen-Neuling auch nach vier Absagen noch nicht aus dem Spielbetrieb ausgeschlossen wurde, empfindet Amschler als unfair anderen Vereinen gegenüber. "Es ist nicht zielführend, dass RT auch noch ein weiteres Spiel absagt, ohne aus der Wertung genommen zu werden", spricht sich Amschler für einen Ausschluss aus, würde die Mannschaft aber gerne außer Konkurrenz weiter in der Liga sehen. "Wir hätten kein Problem, zwei Mal in Bamberg zu spielen, wenn RT außer Konkurrenz wäre. Wer aber am regulären Spielbetrieb teilnimmt, der muss die Voraussetzungen erfüllen." Amschler störte vor allem, dass die geplante Partie des FC Viereth II im Oktober sehr kurzfristig vom Gegner abgesagt wurde. "Wir haben am Tag vor dem Spiel auf der Seite von RT kryptische Hinweise gesehen, dass wohl nicht gespielt werden kann. Wir hätten uns eine rechtzeitige Kommunikation gewünscht, zumal wir ja auch zum Beispiel die Bewirtung bereits organisiert hatten." Den Asylbewerbern eine Möglichkeit zu geben, Sport in einem Verein zu betreiben, hält Amschler für richtig. Aber: "Der Integrationsgedanke geht verloren, wenn diese Spieler nur unter sich sind und nicht in einer Mannschaft mit Einheimischen spielen." So spielten auch beim FCV bereits Flüchtlinge. "Es gab nie Probleme und sie waren eine Bereicherung für uns", sagt Amschler.

SV WERNSDORF II

Der SV Wernsdorf II ist zwar kein RT-Ligakollege, kennt aber das Problem der Spielabsagen aus eigener Erfahrung. Die SV-Reserve trat zum Auswärtsspiel der B-Klasse 2 bei der SG Kleukheim/Ebensfeld nicht an. Der Grund: ein gleichzeitig anberaumter Amtstermin in Nürnberg, den die zahlreichen Flüchtlinge des Teams wahrnehmen mussten. Das Spiel wurde mit 2:0 für Kleukheim/ Ebensfeld gewertet - eine Ausnahmeregelung ob der speziellen Situation gab es nicht. SV-Sportleiter Andreas Hettrich sieht den Sonderstatus von RT Bamberg dennoch unproblematisch: "Ich bin der Meinung, dass man da Möglichkeiten schaffen sollte. Es gibt schließlich auch Fußballmannschaften der Justizvollzugsanstalten, die nur Heimspiele bestreiten können und dennoch am Spielbetrieb teilnehmen."

Einzig den Ansatz von RT, mit Hilfe einer nahezu nur aus Asylbewerbern bestehenden Mannschaft Integrationsarbeit zu leisten, sieht er skeptisch. Zielführender sei es, Asylsuchende in eine bestehende Mannschaft einzugliedern. In der zweiten Mannschaft seines Vereins sei das geglückt - wenngleich es auch Einzelfälle gegeben habe, die zu Problemen führten.