Der Spielplan im Januar kennt keine Gnade mit den derzeit wankenden Bamberger Basketballern: Die Auswärtsaufgabe in der Champions League am Mittwoch um 18 Uhr (live bei DAZN) beim litauischen Vertreter BC Lietkabelis Panevzys ist bereits das fünfte Spiel in diesem Kalenderjahr für Brose Bamberg, vier weitere folgen noch bis zum Monatsende. Für den neuen Coach Federico Perego, der am Sonntag die Aufgaben des freigestellten Ainars Bagatskis übernahm, stehen gleich zwei richtungsweisende Partien an.

Mit einem Sieg im Norden Litauens würden die drittplatzierten Bamberger (sieben Siege, drei Niederlagen) den Einzug in das Achtelfinale bereits drei Spieltage vor Vorrundenabschluss perfekt machen. Am Sonntag (18 Uhr) haben die Brose-Basketballer dann zu Hause die Chance, mit einem Heimsieg gegen die Telekom Baskets Bonn das Finale des BBL-Pokals zu erreichen.

Viel Zeit, seine eigenen Ideen im Training einzubringen, steht Perego in seiner ersten Woche als Cheftrainer also nicht zur Verfügung. "Unsere Probleme werden sich nicht in einer Partie lösen lassen, das ist mir und dem Team bewusst. Aber ich erwarte, dass die Spieler kämpfen und zusammenhalten", sagt der 34-jährige Italiener, der seinen Spielern für das Spiel in Litauen zwei Dinge auf den Weg gibt. "In der Offensive den Ball laufen lassen, in der Verteidigung hilft jeder jedem. Wir hatten am Montagabend eine gute Trainingseinheit, alle sind fokussiert bei der Sache. Darauf wird es auch bei Lietkabelis ankommen."

Sieben Pleiten in Serie für Litauer

Fokussiert sein, kämpfen und zusammenhalten sind auch die Schlagwörter für den Tabellensechsten der Gruppe C, BC Lietkabelis (drei Siege, sieben Niederlagen), der unbedingt gewinnen muss, um sich die Chance auf Platz 4 und somit das Weiterkommen zu wahren. Den Schritt mit einem neuen Trainer für frische Impulse zu sorgen, sind die Litauer bereits Anfang November gegangen. Nach der 77:82-Niederlage in Bamberg musste Gintaras Kadziulis seinen Hut nehmen.

Der Serbe Nenad Canak, der von 2005 bis 2007 bei Alba Berlin als Spieler aktiv gewesen war, übernahm und hatte wettbewerbsübergreifend mit acht Siegen aus zehn Spielen einen vielversprechenden Start. Zuletzt setzte es für Lietkabelis allerdings vier Niederlagen in der heimischen Liga LKL und drei in der Champions League. Insbesondere die 71:78-Pleite in der vergangenen Woche beim Tabellenletzten CEZ Nymburk warf die Litauer im Rennen um Platz 4 zurück. Canak haderte dabei mit dem Reboundverhalten seiner Mannschaft, denn die Tschechen sicherten sich 19 offensive Abpraller.

Das größte Problem der Balten im Saisonverlauf ist aber die harmlose Ausbeute in der Offensive (74,8 Punkte pro Spiel) - nur zwei Teams in der Champions League sind schlechter. Effektivster Spieler ist bislang der 36-jährige Scharfschütze Simas Jasaitis (52 Prozent Dreierquote), der es auf 9,6 Punkte und 4,6 Rebounds pro Spiel bringt. Weitere Aktivposten sind die litauischen Guards Vaidas Kariniauskas (10/3,5 Assists), Paulius Valinskas (9,5) und Forward Saulius Kulvietis (10,4) sowie der erfahrene finnische Aufbauspieler Jamar Wilson (9,3/ 3 Assists).

Das im November nachverpflichtete Balkan-Trio Stefan Sinovec, Marko Cakarevic und Ziga Dimec konnte bisher kaum Impulse setzen. Der slowenische Europameister Dimec begann die Saison bei Medi Bayreuth und löste den Ex-Frankfurter Mike Morrison auf der Centerposition ab, den es wiederum nach Würzburg zog. Noch mit Morrison im Kader verlangte Lietkabelis den damals ersatzgeschwächten Bambergern im Hinspiel alles ab. Kein Team konnte sich im Spielverlauf auf mehr als fünf Punkte absetzen. Stolze 30 Mal wechselte die Führung, ehe Tyrese Rice im letzten Viertel aufdrehte und den 82:77-Heimsieg sicherte.

"Keine Schwächephase leisten"

Mit Rice, der gegen Vechta nach einen Schlag auf den Ellbogen behandelt werden musste, und den zuletzt fehlenden Patrick Heckmann und Cliff Alexander landete der Brose-Tross am Dienstag in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Von dort aus ging es mit dem Bus in das etwa 150 Kilometer nördlich gelegene Panevzys (rund 90 000 Einwohner). Seine Heimspiele trägt der BC Lietkabelis in der weitläufigen, knapp 6000 Zuschauer fassenden Cido-Arena aus. Die Mehrzweckhalle, die eine 250 Meter lange Radrennbahn beinhaltet, war 2011 auch Austragungsort der Basketball-Europameisterschaft.

Dass es in dieser Halle für die Gegner ungemütlich werden kann, bekam in der Vorsaison der FC Bayern im Eurocup zu spüren, als er beim 88:87-Erfolg lange um die Punkte zittern musste. "Für uns wird es darauf ankommen, dass wir von der ersten Sekunde an hellwach sind und den Kampf annehmen. Wir dürfen uns keine Schwächephase leisten", so Bambergs Elias Harris.