Die Freude über den ersten Sieg in der Basketball-Champions-League fiel bei den Bambergern verhalten aus. Kapitän Elias Harris klopfte Tré McLean anerkennend auf die Schulter, und mit einem Lächeln im Gesicht verließen sie zusammen mit ihren Teamkameraden die spärlich besuchte Karatas-Sporthalle. Nach zwei deutlichen Niederlagen ist der Bundesliga-Vierte mit dem 76:66-Erfolg bei Gaziantep Basketbol nun auch im internationalen Wettbewerb angekommen.

Überraschend souverän setzten sich die Brose-Basketballer am Mittwochabend durch. Selbst als die biederen Türken, die insgesamt über 38 Minuten lang einem meist zweistelligem Rückstand hinterherliefen, zu Beginn des letzten Viertels noch einmal auf acht Punkte herangekommen waren (47:55), machte sich bei den Gästen keine Nervosität breit. Sechs Minuten später lagen sie wieder mit 18 Zählern vorne. "Die Bamberger waren sehr gut. Immer, wenn sie einen Dreier gebraucht haben, haben sie ihn getroffen", meinte Gazianteps Trainer Nenad Markovic, dessen Team weiter sieglos ist. In dieser Phase waren es gleich drei Distanzwürfe von Paris Lee, mit 13 Punkten bester Werfer der Bamberger, McLean und Bryce Taylor, mit denen die Oberfranken schnell wieder für klare Verhältnisse sorgte. Es war aber nicht die Dreierquote, die in diesem Spiel den Unterschied ausmachte. Während die türkischen Spieler, die von der Bank gekommen waren, 20 Punkte beisteuerten, waren es auf Seiten der Bamberger 40. Harris und der formverbesserte Kameron Taylor punkteten neben Lee ebenfalls zweistellig (jeweils 11). "Wir haben als Team agiert und gewonnen. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, auf beiden Seiten des Parketts. Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben", freute sich Brose-Trainer Roel Moors.

Während seine Mannschaft gegen Nymburk und Nowgorod zu Beginn keinen Rhythmus fand, gab sie diesmal selbst den Takt vor. Dank fünf Offensivrebounds im ersten Viertel, die sie allesamt in Punkte ummünzten, führten die Bamberger bereits nach dem ersten Abschnitt zweistellig (25:14) und ließen danach nichts mehr anbrennen. "Wir sind viel besser rausgekommen als zuletzt, von daher war das ein Schritt nach vorne", meinte Aufbauspieler Lee.

Zwei Heimspiele in Folge

Am Dienstag wollen die Bamberger zu Hause gegen das noch sieglose montenegrinische Team aus Bar den zweiten Sieg in der Champions League nachlegen. Zuvor wartet auf sie in der Bundesliga eine ebenfalls lösbare Aufgabe. Am Sonntag um 15 Uhr ist die BG Göttingen zu Gast in der Brose-Arena. Die Niedersachsen haben bislang alle ihre fünf Partien verloren und zieren das Tabellenende. Zuletzt unterlagen sie den MHP Riesen Ludwigsburg mit 77:83, zeigten in dieser Partie nach Ansicht von Trainer Johan Roijakkers aber im Vergleich zu den Partien zuvor eine deutliche Leistungssteigerung.

Auffallendste Akteure der "Veilchen", die im Sommer den Weggang ihrer Leistungsträger Michael Stockton und Derek Willis verkraften mussten, sind die Neuzugänge Bennet Hundt (15,6 Punkte im Schnitt) und Terry Allen (13,8). Nicht die Erwartungen erfüllt haben dagegen bislang der Aufbauspieler und Ex-Bayreuther Kyan Anderson und Zane Waterman. Für den US-Center haben die Göttinger mit dessen Landsmann Dylan Osetkowski bereits nach dem zweiten Spieltag einen Ersatz verpflichtet.

Gäste-Check: BG Göttingen

Die Überraschung Bennet Hundt hat sich innerhalb von wenigen Wochen zum Göttinger Führungsspieler gemausert. Der 21-jährige Point Guard, in der vergangenen Saison Leistungsträger beim Berliner Farmteam Lok Bernau in der ProB, zeigt Woche für Woche starke Leistungen und hat Kyan Anderson aus der Startformation verdrängt. Mit 15,6 Punkten im Schnitt ist Hundt bester Werfer seines Teams und mit 7,0 Assists fünftbester Vorlagengeber der Liga. Groß geworden im Berliner Nachwuchsprogramm, hat Hundt in der vergangenen Saison zwei Bundesliga- und drei Eurocup-Partien für die "Albatrosse" bestritten. Mit dem Wechsel nach Göttingen hoffte er auf mehr Einsätze. Bei den "Veilchen" steht er mit 30:39 Minuten pro Partie länger als jeder seiner Mitspieler auf dem Feld. Die Bilanz Von 27 Bundesligaduellen mit den Bambergern haben die Göttinger nur fünf für sich entschieden. In der Brose-Arena konnten sie noch nie gewinnen und kassierten 14 Niederlagen. In der vergangenen Saison verloren die "Veilchen" beide Bundesligapartien sowie das Pokalspiel in eigener Halle. Der Teamvergleich In allen relevanten Statistiken weisen die Göttinger schlechtere Werte auf. Ausnahme ist die Freiwurfquote (BG 72,6 Prozent/Brose 72,3)