Eine Ära ist am Wochenende bei der SpVgg Ebing zu Ende gegangen. Nicht nur Trainer Klaus Gunreben und Routinier Reimund Helmreich verlassen den Verein nach zehn bzw. 14 erfolgreichen Jahren. Auch Urgestein Christian Stößel beendet nach 838 Spielen und 367 Toren seine Karriere, in der er sich viel Respekt bei Freund und Feind erarbeitet hat. Wir sprachen mit dem 38-Jährigen nach dem Abschied dreier Stützen der SpVgg, die die erfolgreichste Phase des Vereins entscheidend geprägt haben.

Er war ein emotionaler Abend im Ebinger Sportheim nach der Partie gegen den SV Memmelsdorf II. Der 3:2-Heimsieg und Platz 4 in der Bezirksliga West waren nicht der Grund für die Gefühle und die eine oder andere Träne, die verdrückt wurde. Sowohl für Klaus Gunreben, der Trainer in Ebensfeld wird, als auch für den künftigen Scheßlitzer Spielertrainer Reimund Helmreich und erst recht für Urgestein Christian Stößel, der seine Karriere beendet, gab es jeweils minutenlang stehende Ovationen. Wenn die Art und Weise, wie ein Verein verdiente Kämpen verabschiedet, ein Gradmesser ist, dann dürfen sowohl der Verein als auch die drei Protagonisten stolz auf sich sein.

Abteilungsleiter Bernhard Landgraf bedankte sich zunächst bei Gunreben, der in 314 Pflichtspielen an der Seitenlinie stand. Bereits in seinem ersten Jahr gelang der Aufstieg in die Bezirksliga, in den folgenden Jahren belegte man stets einstellige Tabellenplätze, bevor es 2011 hoch in die Bezirksoberliga ging. Helmreich kam als 32-Jähriger im Jahre 2000 "zur geilsten Truppe der Welt", wie er sich unter Tränen bedankte. Insgesamt lief der heute 46-Jährige 508 Mal für die SpVgg Ebing auf und ließ sich auch von diversen Wehwehchen nie aufhalten.

Muster an Treue und Einsatz

"Das war schon eine super Sache!", blickt auch Stößel auf die Verabschiedung zurück, bei der er unter anderem sagte: "Danke, dass ich euer Kapitän sein durfte!" Typisch für den zurückhaltenden und bescheidenen offensiven Mittelfeldspieler. 838 Mal trug der langjährige Kapitän in 20 Jahren erster Mannschaft das Trikot der SpVgg Ebing und war dabei immer ein Vorbild an Einsatzbereitschaft. An einen Wechsel hat der mittlerweile zweifache Familienvater nie ernsthaft gedacht: "Kurz überlegt hat man zwar immer mal", denkt er an das eine oder andere Angebot anderer Vereine zurück. "Aber ich hatte in Ebing alles, was man als Fußballer braucht: eine überragende Kameradschaft bei einem eingeschworenen Haufen und meistens auch Erfolg", bereut er seine Vereinstreue nicht. Im Gegenteil. Vom scheidenden Trainer Klaus Gunreben gab es am Abend der Verabschiedung gar den Ritterschlag: "Ich habe sicher schon einige hundert Spieler trainiert - aber wenn man alle Kriterien zusammennimmt, die bei einem Fußballer wichtig sind, ist meine Nr. 1 Christian Stößel!"

Glanzlichter gab es freilich viele, bei der hohen Anzahl von Spielen. "Aber in besonderer Erinnerung bleiben mir zum einen der erste Aufstieg 2001/02, als wir uns in Lichtenfels im Elfmeterschießen durchsetzten, und natürlich das Aufstiegsspiel in Hallstadt vor Tausenden von Zuschauern gegen Oberhaid", blickt er zurück. Der letzte seiner insgesamt 368 Treffer gelang ihm in seinem Abschiedsspiel gegen die Memmelsdorfer Reserve, als er kurz vor der Pause per Foulelfmeter die 2:1-Führung erzielte. "Natürlich schwang bereits vor der Partie ein wenig Wehmut mit, ich habe auch darauf gehofft, mich noch einmal mit einem Sieg und einem Tor verabschieden zu können. Aber im Großen und Ganzen bin ich froh, dass ich nun aufgehört habe. Ich habe ja schon ein paar Jahre darüber nachgedacht, diesmal ist es endgültig, und das habe ich mir natürlich gründlich überlegt."

Fit halten will sich der bis zum Schluss für seine Ausdauer bekannte Stößel mit seinem Hobby Tennis, aber er plant auch, zumindest einmal pro Woche beim Training mitzumachen. Auch das Trikot der SpVgg Ebing wird er weiter tragen, dann allerdings lehrt er die Gegner in der Altliga das Fürchten.

Legendäre Eckball-Variante

Das Fürchten lehrte Stößel die Gegner bis zuletzt zusammen mit seinem kongenialen Partner Reimund Helmreich bei Eckbällen. "Helmi brachte den Ball scharf aufs kurze Fünfereck, ich bin in den Ball gelaufen und habe ihn aus kurzer Distanz ins Tor verlängert. Ich weiß gar nicht, wie oft genau wir damit Erfolg hatten, aber es klappte regelmäßig." Obwohl besonders diese Variante mittlerweile jedem Gegner in der Bezirksliga bekannt sein musste, funktionierte sie immer wieder. "Ja, das hat mich auch immer ein wenig verwundert. Groß geübt, außer im Abschlussspiel im Training, haben wir das nicht. Von allen Toren, die ich geschossen habe, waren das eigentlich diejenigen, die mich am meisten gefreut haben, wenn es wieder einmal geklappt hat." Somit verliert die SpVgg Ebing nicht nur einen erfolgreichen Trainer und zwei erfahrene Kicker, sondern auch eine äußerst zuverlässige Eckball-Combo.

Nach einer relativ kurzen Sommerpause wird dann der Satz Realität, den man von den nun ehemaligen Mitspielern, von Verantwortlichen und Vereinsmitgliedern am Abend der Verabschiedung immer wieder hörte: "Die SpVgg Ebing ohne Christian Stößel - das kann man sich gar nicht vorstellen!"