Lange hat's gedauert, bis der neue Cheftrainer gefunden war - doch seit Samstagabend steht fest: Der Lette Ainars Bagatskis soll den neunmaligen deutschen Basketball-Meister Brose Bamberg wieder auf Vordermann bringen und mit einer Mischung aus hungrigen jungen und erfahrenen Spielern zurück an die Spitze führen. Der Lette, der zuletzt Maccabi Tel Aviv und die lettische Nationalmannschaft trainierte, erhielt in Bamberg einen Zwei-Jahres-Vertrag.
"Ich kenne Ainars seit über 15 Jahren. Wir haben bereits sehr erfolgreich in Kaunas zusammengearbeitet. Er hat bewiesen, dass er Spieler entwickeln kann. Nicht zuletzt als lettischer Nationaltrainer", freut sich Brose-Sportdirektor Ginas Rutkauskas auf das Wiedersehen mit dem 51-Jährigen und erläutert: "Wir haben bei uns im Kader und der ProA unglaublich talentierte Spieler. Wir wollen, dass die Kooperation und Vernetzung zwischen Brose und den Young Pikes noch intensiver wird. Wir werden den Nachwuchskräften Spielzeit auf höchstem nationalen und europäischen Niveau geben. Ainars ist dafür genau der richtige Mann."
Brose-Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek hatte nach dem Halbfinal-Aus gegen die Bayern verkündet, den Resetknopf zu drücken und sich vom Wettrüsten mit den Münchnern zu verabschieden. Die Bamberger werden mit einem deutlich niedrigeren Etat dennoch versuchen, national und international in der drittklassigen Champions League vorne mitzumischen.
Es wird einen Umbruch im Team geben, obwohl bis auf Dorell Wright, Lucca Staiger und Dejan Musli alle Spieler der letzten Saison noch ein oder zwei Jahre Vertrag in Bamberg haben. Einige Spieler, die den Erwartungen nicht gerecht wurden, werden den Verein voraussichtlich verlassen.


"Wir müssen hart arbeiten"

"Ich freue mich auf die Herausforderung. Es waren sehr angenehme Gespräche und für mich war schnell klar: Hier will ich arbeiten. Natürlich ist es momentan keine einfache Zeit. Brose war jahrelang das deutsche Aushängeschild. Um dort wieder hinzukommen, müssen wir von Tag 1 an hart arbeiten. Das wird unsere Medizin sein", betont Bagatskis. Der Lette bezeichnet sich selbst als einen "modernen Trainer, der Wert auf schnellen, aggressiven, aber trotzdem sehr smarten Basketball legt. Ich mag den europäischen Style in Kombination mit amerikanischen Elementen. Mein Ziel ist es, dass die Brose-Fans diese Art von Basketball zu sehen bekommen. Wir wollen eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, um das zu ermöglichen."
Als Spieler gewann der gefährliche Dreierschütze neun nationale Titel in Norwegen, seiner Heimat (6) und in Litauen (2). 2005 startete er seine Trainerkarriere in Riga, stand in den Jahren danach bei Zalgiris Kaunas, in Krasnojarsk, Kiew, Nowgorod und bei Darussafaka Istanbul (Co-Trainer) sowie zuletzt 2017 bei Maccabi Tel Aviv an der Seitenlinie. Von 2011 bis 2017 coachte er zudem die lettische Nationalmannschaft.


Trennung von Kantzouris

Die Verpflichtung des Letten, der auch als Assistenztrainer in der NBA im Gespräch war, bedeutet, dass Luca Banchi nicht mehr nach Bamberg zurückkehrt. Der Champions-League-Sieger der letzten Saison, AEK Athen, soll starkes Interesse an einem Engagement des Italieners haben, so dass es schon bald ein Wiedersehen in Freak City geben könnte. Zudem endet nach vier Jahren auch die Zeit von Assistenztrainer Ilias Kantzouris in Bamberg, der nach der Trennung von Andrea Trinchieri einige Male als Chef an der Seitenlinie stand. Nicht zurückkehren wird auch Assistenztrainer Vlado Scepanovic. "Wir danken Luca für alles, was er in den letzten Monaten für den Verein getan hat. Er kam als ,Feuerwehrmann' und hat es geschafft, dass das Team und die Fans wieder Spaß am Basketball bekamen. Viele vergessen: Im April waren wir weit von einer Play-off-Teilnahme entfernt; die Saison abgeschlossen haben wir auf Platz 3. Das alles haben wir Luca zu verdanken", würdigt Geschäftsführer Rolf Beyer die Verdienste von Luca Banchi und bedankte sich auch bei Kantzouris: "Er hat sich in den letzten vier Jahren immer in den Dienst des Vereins gestellt. Auch Ilias wünschen wir nur das Beste für die weitere Zeit."
Am Sonntagabend vermeldeten die Bamberger, dass Dorell Wright, Ali Nikolic, Leon Radosevic und Dejan Musli nicht mehr das Brose-Trikot tragen werden. Die Verträge von Wright und Musli liefen aus, bei Nikolic und Radosevic greifen im Kontrakt verankerte Optionen. Die Bamberger erhalten demnach für Radosevic eine Ablösesumme. Der Kroate mit deutschem Pass wird mit den Bayern in Verbindung gebracht.