Raubkatzen gelten als gefährliche Tiere - die Basketballer von Brose Bamberg sind deshalb am Freitag (19 Uhr) bei den Basketball Löwen in Braunschweig und am Montag (18 Uhr) in der heimischen Brose Arena gegen die Walter Tigers aus Tübingen gefordert, ihrerseits Zähne zu zeigen. In beiden Partien sollte das Team von "Dompteur" Andrea Trinchieri aber in der Lage sein, den Raubtierkäfig ohne Blessuren zu verlassen.


Janis Strelnieks warnt

"Es ist unser erstes Auswärtsspiel der Saison, da weiß man natürlich nie wirklich, wo man steht. Wir fahren aber nach Braunschweig, um dort zu gewinnen", betont Aufbauspieler Janis Strelnieks. Der lettische Stratege erinnert sich nur ungern an sein erstes Bundesliga-Auswärtsspiel vor zwei Jahren bei den Niedersachsen und ergänzt: "Dass es schwer wird, zeigt die Vergangenheit. Vor zwei Jahren hatten wir auch unser erstes Spiel auf fremdem Parkett dort und haben gleich einmal verloren. Wir müssen daher konzentriert zu Werke gehen und die Fehler, die wir noch im Spiel gegen Frankfurt gemacht haben, auf ein Minimum reduzieren."
Während Trinchieri mit der Verteidigungsleistung vor einer Woche beim 84:55-Erfolg gegen die Skyliners zum Auftakt zufrieden war, sieht er in der Offensive Steigerungsbedarf. Erst im dritten Viertel (33:15) agierte die Meistermannschaft so, wie sich der Italiener das vorstellt. Die Raumaufteilung und die Vielzahl von Einzelaktionen vor allem in der ersten Hälfte bemängelte der 48-Jährige. Am Ende belegen aber 21 Assists, dass der achtmalige Titelträger über die Sommerpause sein Passspiel nicht verlernt hat, wobei Neuzugang Fabien Causeur nicht nur in der Kategorie Punkte (18), sondern auch bei den Vorlagen (6) zeigte, dass er den abgewanderten Kapitän Brad Wanamaker ersetzen kann.
Die völlig umgekrempelte Braunschweiger Mannschaft hat es ihren Kritikern zum Auftakt mit dem 72:59-Sieg in Vechta gleich gezeigt. In der Fachzeitschrift Big wurde die Mannschaft aus der Löwenstadt als Abstiegskandidat gehandelt: "Der Klassenerhalt wäre eine Überraschung, wenn nicht gar eine Sensation", war in der Saisonvorschau zu lesen. Die Mannschaft bestehe aufgrund von finanziellen Zwängen aus BBL-Rollenspielern, guten Zweitliga-Akteuren und einer Handvoll deutschen Talenten, ätzte der Experte.
"Wir haben uns selbst überrascht, indem wir heute so stark waren", betonte Matchwinner Carlos Medlock (11 Punkte, 5 Assists), der in der letzten Saison noch in Vechta für Furore gesorgt hatte. Topscorer war sein Landsmann Dyshawn Pierre mit 16 Punkten.
Der ehemalige Bundestrainer Frank Menz konstatierte: "Es hatte eh keiner was von uns erwartet. Aber die Mannschaft trainiert sehr fleißig und hat heute gut gespielt." Die Bamberger dürfen also nicht in den Fehler verfallen, die Raubkatzen zu unterschätzen. Aber dafür wird Chef Trinchieri schon sorgen, zumal er eine Woche Zeit hatte, an der Abstimmung in seiner Mannschaft zu arbeiten.


Neuzugang Lo fällt wohl aus

Verzichten musste er wohl weiter auf Neuzugang Maodo Lo, der aufgrund seiner Knöchelverletzung nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Leon Radosevic (Knöchel-OP) und Aleksej Nikolic (Sprunggelenksverletzung) erweitern das Lazarett des deutschen Meisters. Allerdings sind die Bamberger in dieser Saison wegen der Doppelbelastung in der Bundesliga und der Euroleague so breit aufgestellt, dass diese Ausfälle derzeit noch problemlos zu kompensieren sind.


Jared Jordan will in die Play-offs

Am Montag kommt mit den Walter Tigers Tübingen eine Mannschaft in die "Frankenhölle", die seit 13 Jahren ununterbrochen im Oberhaus spielt und immer für eine Überraschung gut ist, obwohl meist der Kampf gegen den Abstieg Priorität hatte. Anführer Jared Jordan, der es versteht, seine Nebenleute perfekt in Szene zu setzen, nennt das Erreichen der Play-offs als "unser großes Ziel".
Mit 15 Punkten und neun Assists konnten er und das Sprungwunder Garlon Green (20) aber die 84:92-Niederlage in Bremerhaven vor einer Woche nicht verhindern. Im Heimspiel am Freitag gegen Gießen hoffen die Tigers auf den ersten Sieg, um in Bamberg unbeschwert aufspielen zu können.