Nach zwei dürftigen Vorstellungen in München und gegen Vitoria bewiesen die Bamberger Brose-Basketballer am Donnerstag in Mailand Moral, fanden ihre verloren geglaubte Spielfreude zurück und tankten mit dem 84:76-Auswärtssieg Selbstvertrauen für den Bundesliga-Schlager am Sonntag (20.15 Uhr/Sport1 live) gegen den seit 26 Spielen ungeschlagenen Spitzenreiter ratiopharm Ulm.
Andrea Trinchieri war in seiner Geburtsstadt Mailand, wo er auch sein erstes Traineramt ausübte, glücklich über die Vorstellung seiner Mannschaft in einer Partie, in der es nur noch um die Ehre ging: "Ich habe eine extrem ernsthaft und professionell agierende Truppe, die immer versucht, gut zu spielen. Nach einem ganz schlimmen Dienstag kamen wir hierher, haben ein sehr solides Spiel abgeliefert und verdient gewonnen."
Den Grundstein für den Erfolg legte der deutsche Meister in der ersten Halbzeit. Bereits nach sieben Minuten war die Führung dank des Topstarts von Fabien Causeur zweistellig (19:9), am Ende des zweiten Viertels lag das Brose-Team aufgrund einer aggressiven Verteidigung und enormer Treffsicherheit bereits mit 49:29 vorn. "Wir haben im letzten Viertel ein paar Fehler gemacht, Mailand kam zurück. Aber das ist menschlich. Wenn du ein Team wie unseres trainieren darfst, dann kannst du nach solch einer Partie nur ,Danke schön' sagen", freute sich Erfolgscoach Trinchieri über seine Jungs.


Jerel McNeal mit viel Energie

Am Ende fand vor allem Jerel McNeal, der immer wertvoller für das Team wird und mit 17 Punkten, fünf Rebounds und drei Assists effektivster Brose-Spieler war, trotz der Strapazen im vierten Spiel innerhalb von acht Tagen noch die Energie, das Aufbäumen von Hickman & Co. (65:73) im Keim zu ersticken. Die 200 mitgereisten Freaks feierten ihre Jungs und sangen: "Olé, olé, super Bamberg!"
Angesichts der Tatsache, dass das Brose-Team am Sonntagabend das fünfte Spiel innerhalb von elf Tagen bestreitet, verteilte Trinchieri die Spielzeit in den letzten Partien geschickt - in Mailand spielte keiner der zwölf eingesetzten Akteure mehr als 26 Minuten. Die Ulmer, die in der Eurocup-Zwischenrunde ohne Sieg ausgeschieden sind, mussten dagegen im gleichen Zeitraum nur einmal ran und hatten nach dem hart erkämpften 82:76-Erfolg gegen Alba Berlin letzten Samstag acht Tage Zeit, sich auf das Gipfeltreffen in Bamberg vorzubereiten.
Will das Brose-Team, das nach der Pleite in München vier Minuspunkte auf dem Konto hat, die ungeschlagene Lei-
benath-Truppe noch von Rang 1 verdrängen, müssen die Bamberger am Sonntag nach der 63:78-Hinspielpleite mindestens mit 16 Punkten Unterschied gewinnen und auf eine zweite Niederlage des Rekordsiegers in den verbleibenden sechs Partien hoffen.


"Ulm steht zurecht auf Platz 1"

"Ulm hat eine gute Mannschaft, einen guten Trainer. Sie stehen zurecht auf Tabellenplatz 1. Wir müssen 40 Minuten konzentriert spielen", fordert Trinchieri eine Energieleistung.
Für die Ulmer geht es um die Frage, ob der Tabellenerste auch dort gewinnen kann, wo seit fast zwei Jahren kein Bundesliga-Team als Sieger das Parkett verließ und die Schwaben seit 2008 immer als Verlierer vom Platz gingen. 37 Heimsiege stehen seit der 73:84-Niederlage am 7. Juni 2015 im ersten Finale gegen die Bayern auf dem Brose-Konto. "Auch wenn uns angesichts der beeindruckenden Heimspielserie der Bamberger niemand den Sieg zutraut, habe ich den Eindruck, dass genau das unsere Spieler motiviert", betonte Leibenath.
Karsten Tadda, der "Bamberger Jung", der jetzt bei den Ulmern die Rolle des "Kettenhundes" übernommen hat, meinte vor der Rückkehr in die Arena, in der er fünf Meisterschaften und drei Pokalsiege feiern durfte: "Natürlich ist es für mich etwas Besonderes, zurück in die Heimat zu kommen und die ganzen Fans wieder zu sehen. Nichtsdestotrotz will ich als Sieger vom Platz gehen."