Unterschiedlicher hätten die Beurteilungen der Trainer nicht sein können. Ulms Coach Thorsten Leibenath sprach am Sonntag von "einer eindrucksvollen Vorstellung" der Bamberger - sein Gegenüber Andrea Trinchieri dagegen zeigte sich vom Auftritt seiner Mannschaft gar nicht begeistert: "Unsere erste Halbzeit war nicht gut, überhaupt war es kein gutes Spiel von uns. Wir haben Fehler gemacht und waren nicht konzentriert." Diese unterschiedlichen Aussagen sind aber der Erwartungshaltung geschuldet.


Die Fehler angesprochen

Trotz des klaren 101:82-Erfolges fand der italienische Perfektionist Haare in der Suppe. 16 Offensiv-Rebounds und 82 Punkte des Überraschungs-Finalisten passten gar nicht in das Rezept des Bamberger Erfolgstrainers. Deshalb wurden vor Spiel 2 am Mittwoch (20.30 Uhr/Sport1 live) in Ulm die Mängel auch klar angesprochen.
"Am Montag haben wir uns ein Video angeschaut, in dem unsere Fehler deutlich wurden. Im Training werden wir an verschiedenen Dingen arbeiten, damit wir ein bisschen besser sind als das am Sonntag in der ersten Halbzeit der Fall war", erläuterte Bambergs Power Forward Nicolo Melli.
Der trotz seiner erst 25 Jahre sehr erfahrene italienische Na-tionalspieler weiß genau, was auf seine Mitstreiter und ihn in der Neu-Ulmer Arena zukommt: "Die Ulmer werden alles geben, was sie haben. Denn sie wissen genau, dass es sehr schwer wird, wenn sie mit einer 0:2-Bilanz nach Bamberg kommen. Wir müssen präsenter sein, das ist ganz klar. Aber es wird nicht einfach. Aber das war es auch im ersten Spiel nicht."
Am Sonntag machte in Bamberg Darius Miller, der am Dienstag seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat (siehe Bericht rechts), den Unterschied. Der NBA-erfahrene US-Amerikaner versenkte acht Dreier (bei nur einem Fehlwurf). "Ich bin so stolz auf Darius. Er war großartig. Er hat es verdient, in dieser Partie unser Anführer zu sein. Aber unsere Stärke in dieser Saison ist, dass wir in jedem Spiel einen anderen Star haben", betonte Melli am Dienstag.
Mit Selbstvertrauen geht aber auch Leibenath in das Heimspiel in der ausverkauften Arena, in der die Ulmer bisher noch kein Play-off-Spiel verloren haben: "Wir nehmen jede Menge Positives aus Bamberg mit - und das ist kein Zweckoptimismus. Im ersten Viertel waren wir stärker als der Gegner und in den letzten beiden auf einem ähnlichen Niveau - das auswärts, und obwohl Bamberg eine hervorragende Dreier-Quote hatte."


Leibenath: Wir haben eine Chance

Und was muss passieren, um die Serie auszugleichen? "Wenn es uns gelingt, über vier Viertel konsequent zu verteidigen und besser zu treffen, dann haben wir das Spiel, das wir uns wünschen. Wir brauchen aber vier gute Viertel. Dass wir eine Chance haben gegen Bamberg, haben wir am Sonntag eindrucksvoll gezeigt", betont der Ulmer Trainer.
Der am Knie verletzte Ex-Bamberger Philipp Neumann, der zum Zuschauen verdammt ist ("Das tut verdammt weh."), stellte klar: "Wir haben bewiesen, dass man uns nicht unterschätzen darf. Wir sind auch eine sehr heimstarke Mannschaft. Natürlich wird's extrem schwierig, aber ich glaube an die Jungs."