Titel-Hattrick, viertes Double und die insgesamt neunte deutsche Meisterschaft sind unter Dach und Fach: Nach einer Mammutsaison haben die Basketballer von Brose Bamberg nach dem 75. Pflichtspiel dieser Spielzeit alle Ziele erreicht. Wie im Vorjahr beendeten sie die Finalserie im Schnelldurchgang. Der Titelverteidiger ließ nach dem 96:60 im ersten und 88:76 im zweiten Duell gegen die abermals überforderten EWE Baskets Oldenburg am Sonntag mit 76:58 (39:34) in der heimischen Brose Arena den entscheidenden dritten Sieg in der "best-of-five"-Serie folgen. Damit konnte der Feiermarathon beginnen.

Die Oldenburger machten von Anfang an deutlich, dass sie nicht nach Bamberg gekommen waren, um bei der Meisterehrung Spalier zu stehen. Sie ließen sich diesmal nicht überrumpeln, sondern boten dem Trinchieri-Team erstmals in dieser Finalserie ein Duell auf Augenhöhe. In die Karten spielte den Gästen dabei die Tatsache, dass die Bamberger aus der Distanz ihr Visier nicht sonderlich gut eingestellt hatten. Zwar traf Darius Miller im ersten Viertel zwei Dreier, doch die folgenden sechs Würfe aus der Distanz gingen daneben. Erst zwei Minuten vor der Pause brachten Maodo Lo und Patrick Heckmann mit ihren Dreiern den stotternden Brose-Motor wieder zum Laufen. Zu Beginn des zweiten Viertels und zwischen der 15. und 17. Min. mussten die heimischen Fans zweimal zwei Minuten auf einen Korberfolg ihres Teams warten. Bei den Gastgebern war eine gewisse Nervosität nicht zu übersehen, sie suchten nicht immer konsequent den Abschluss und leisteten sich zudem zwei Ballverluste in Folge. Weil sich aber auch die Oldenburger, bei denen lediglich Brian Qvale und Chris Kramer Akzente setzten, viele Fehlwürfe leisteten, konnte sich kein Team absetzen. Neunmal wechselte die Führung vor der Pause, in die die Bamberger dank ihres kleinen Schlussspurts mit dem bis dahin höchsten Vorsprung von fünf Punkten gingen.

Im dritten Viertel sorgte Rickey Paulding, der bis dahin noch ohne Punkt gewesen war, zusammen mit Qvale dafür, dass sich der Hauptrunden-Fünfte aus dem Norden nicht abschütteln ließ. Für die Hausherren blieb die Partie daher eine zähe Angelegenheit. Nachdem Nicolo Melli und Janis Strelnieks zweimal frei unter dem gegnerischen Korb verlegt und anschließend Daniel Theis an der Freiwurflinie zweimal daneben geworfen hatte, merkten die Bamberger Fans, dass sie gebraucht wurden - zumal Paulding für den Ausgleich gesorgt hatte (49:49, 27. Min.). Mit den Freaks im Rücken schaffte das Brose-Team bis zum Viertelende einen 8:0-Lauf, zu dem Elias Harris sechs Zähler beisteuerte.

Mit einem Korbleger von Fabien Causeur, der nicht an seine Glanzleistungen in den bisherigen beiden Finalspielen anknüpfen konnte, und einem Dreier von Strelnieks verschafften sich die Bamberger zu Beginn des Schlussdurchgangs erstmals Luft (62:49). Jetzt nahm die Partie den erwarteten Lauf, zumal die Oldenburger nun müde zu werden schienen. Erst nach knapp vier gespielten Minuten beendete Chris Kramer an der Freiwurflinie die Korbflaute der EWE Baskets im letzten Abschnitt (64:50). Mit einem Dunking ließ es aber Daniel Theis auf der Gegenseite ordentlich krachen. Der Brose-Center, der mit 13 Rebounds am Ende der Turm in der Schlacht war, setzte damit das Zeichen, dass der Titelverteidiger die Finalserie unbedingt zu Ende bringen wollte.

Die lange tapfer kämpfenden Oldenburger fügten sich in ihr Schicksal, wurden am Ende von den befreit aufspielenden Bambergern unter Wert geschlagen - und mussten bei der Meisterehrung dann doch Spalier stehen.


Trainierstimmen

Andrea Trinchieri (Brose Bamberg): "Oldenburg war ein großartiger Gegner mit großartigen Spielern. Sie haben sich das Finale verdient. Heute bin ich extrem glücklich, dieser Titel war der, der mir wirklich viel bedeutet. Wir beenden die Saison mit beiden Titeln im deutschen Basketball: Pokal und Meisterschaft. Wir haben unsere Säfte für das Ende der Saison gespart. Jetzt sind wir wieder Titelträger mit einer anderen Mannschaft und in einer ganz anderen Situation wie im Vorjahr. Ich muss meinem Staff danken, den Trainer, Ärzten, einfach allen, die dazu beigetragen haben, dass wir diese Saison mit den vielen Reisen und Verletzungen durchgestanden haben. Am Ende der Saison waren wir dann bereit. Der März war ein sehr schwieriger Monat für uns, wir haben viele Spiele verloren. Genau in dieser Phase haben wir aber immer an uns geglaubt, dass wir erneut Meister werden können, auch unsere Fans. Ich hab in dieser Zeit viele Abgesänge auf Brose Bamberg gelesen, wir sind aber eine Gewinner-Organisation. Wir hatten keinen MVP, keinen Trainer des Jahres, keinen Manager des Jahres, aber haben beide Titel gewonnen, das macht den Unterschied."

Mladen Drijencic (EWE Baskets Oldenburg): "Herzlichen Glückwunsch an Andrea Trinchieri und den Club. Es war ein verdienter Sieg heute und auch eine verdiente Meisterschaft. Meine Jungs werden die Vizemeisterschaft feiern wie Bamberg den Titel. Das haben sie sich verdient. Vor acht Wochen hätte keiner daran geglaubt, dass wir im Finale spielen werden. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Nach der deutlichen Niederlage in Spiel eins haben wir in Oldenburg sehr ordentlich gespielt und auch heute 30 Minuten unter extremen Bedingungen, der Hitze und der Atmosphäre, mitgehalten. Ich bin extrem glücklich, dass ich in der letzten Pressekonferenz der Saison neben Andrea Trinchieri sitzen darf."