Wenn Walter Burger an der Tischtennis-Platte steht und auf die gegenüberliegende Seite blickt, sieht er in der Regel jüngere, meist sogar deutlich jüngere Gegner. Und diese sehen sich einem 75-jährigen Ballvirtuosen gegenüber, der mittlerweile an die tausend Spiele bestritten hat. Von 1962 bis 2006 für den TSV Eintracht Bamberg, ab 2006 für den Fusionsverein FC Eintracht Bamberg, seit einigen Jahren für den Nachfolgeverein. In der weit überwiegenden Zahl seiner Matches ging der Lehrer im Ruhestand, der von 1978 bis 2002 Rektor in Litzendorf war, als Sieger von der Platte.

Begonnen mit dem Sport um den kleinen Zelluloidball hat der junge Walter Burger bei Don Bosco Bamberg. Aus dieser Zeit stammt auch noch sein Schläger aus Barna-Holz, mit dem er heute noch spielt. "11,25 Mark hat der damals gekostet. Das war viel Geld für mich", erinnert sich der Rechtshänder. Geld, dass er in den Nachkriegsjahren als junger Kerl nicht hatte. Den Barna-Schläger konnte sich Walter Burger damals nur deshalb leisten, weil Don Bosco die Investition vorfinanzierte - und er das Geld abstotterte. Eine Investition, die sich lohnte. Denn früh feierte Walter Burger Erfolge: 1956 wurde er bayerischer Jugend-Mannschafts-Meister mit Don Bosco. Darüber hinaus spielte er in der Jugend-Sonderklasse 1, der die 16 besten Akteure Bayerns angehörten. Zum TSV Eintracht in die Gartenstadt verschlug es Walter Burger dann der Liebe wegen: Er heiratete quasi in die Gartenstädter Bäckerei Peter Loskarn ein. Seine Frau Anneliese war selbst eine talentierte Tischtennisspielerin, die in der zweithöchsten Liga Bayerns spielte.

Von da an war der TSV Eintracht Bamberg sein Verein. Mit seinem Eintritt ging es mit der TT-Abteilung aufwärts, es gelang sofort der Aufstieg von der 1. Kreisliga in die Bezirksklasse Oberfranken. Einer der Höhepunkte seiner noch immer andauernden Karriere war sicher die Saison 71/72 in der Bezirksliga II/Süd, die Walter Burger ohne Einzelniederlage und einer Bilanz von 35:0-Siegen abschloss. Aber auch der dritte Platz 1967 im oberfränkischen Pokal der Dreier-Mannschaften in der Besetzung Burger/Braun/Weber ist dem vierfachen Familienvater noch in bester Erinnerung.

In der 53. Saison

Mittlerweile spielt Walter Burger in seiner 53. Saison in Folge in der ersten Mannschaft, bis Mitte der Neunziger davon am Einser-Brett. Eine ganz sicher nicht alltägliche, sportliche Leistung des 75-Jährigen, der sich aber nicht nur dem Tischtennis, sondern auch dem Fußball verschrieb. Auch hier kämpfte er für seine Eintracht um Punkte - und auch mit dem viel größeren Ball aus Leder wusste er umzugehen. Mit den "Gartenstadt-Buben" gelang in der Spielzeit 1964/65 die Meisterschaft in der damaligen B-Klasse, nur zwei Jahre später als Meister der A-Klasse gar der Aufstieg in die Bezirksliga.

Landesliga-Aufstieg verpasst

Beinahe wäre die Eintracht sogar in die Landesliga hoch, als sie nach Abschluss der Spielzeit 1968/69 punktgleich mit dem ASV Gaustadt auf Rang 1 der Bezirksliga lag. Das Ausscheidungsspiel allerdings ging dann - vor über 4000 Zuschauern im Stadion - mit 2:4 verloren.

Beide Sportarten betrieben Walter Burger - und zwei, drei Eintrachtler - parallel im Verein. Oft an einem Tage. So passierte es, dass früh ein TT-Pokalspiel im Coburger Land gewonnen wurde, mit dem Auto ging es weiter zu einem Fußball-Bezirksligaspiel in der Kronacher Gegend, und dieses wurde verloren. Im Vereinsheft beschwerte sich die Fußball- bei der Tischtennis-Abteilung und sah den Grund in der Doppelbelastung der Akteure. Schorsch Weber, lange Jahre sowohl im Tischtennis, als auch im Fußball an der Seite von Walter Burger, beschreibt die jeweiligen Stärken seines Kameraden so: "Im Tischtennis ist Walter ein Ästhet. Er bringt einen unheimlichen Schnitt in seine Bälle, kann den Gegner lesen und ihm sein eigenes Spiel aufdrängen. Beim Fußball war er als defensiver Mittelfeldspieler mit einer Pferdelunge ausgestattet und einer unserer zweikampfstärksten Spieler!" Walter Burger lacht und gibt zu: "Ja, ich bin manchmal ganz schön eingestiegen. Nicht selten bekam ich von den Gegenspielern zu hören, ich sei ein alter Klopfer."

"Ich mache weiter"

Aufgrund der Körperlichkeit des Fußballsports war nach einigen Jahren in den Alten Herren Schluss. An der Tischtennis-Platte steht Walter Burger noch immer. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: "Ich mache weiter, warum auch nicht?", stellt er die rhetorische Frage. Und so werden sich wohl weiterhin Gegenspieler an Walter Burger die Zähne ausbeißen. An seiner Routine, aber auch an seinem Schnitt, der heute noch seine schärfste Waffe ist: "Ich lebe immer noch von meinem Schnitt. Früher schon war das Defensivspiel meine Stärke, die Rückhand mit Schnitt flach übers Netz. Aber wenn ich angegriffen habe, hat es meist gesessen", charakterisiert er sein Spiel. "Heute", erklärt Walter Burger, "spiele ich vorwiegend aus der Abwehr heraus und konzentriere mich darauf, dem Gegner das Leben schwer zu machen."

Mit Routine und Geduld

Und das gelingt dem sympathischen und zurückhaltenden Sportsmann mit schöner Regelmäßigkeit. Mit Hilfe seiner Routine, seiner Geduld - und eines Schlägers, der ihn seit über 50 Jahren begleitet - und sicher auch noch in den nächsten Tischtennis-Spielzeiten begleiten wird.