Unerwartet schnell haben die Basketballerinnen der DJK Brose Bamberg nach ihrem Abstieg aus der Bundesliga die Kurve gekriegt. Die Hauptrunde der 2. Liga Süd schloss die Mannschaft der Coaches Ulf Schabacker und Walter Tadda auf Platz 1 ab. Die Halbfinalserie um die Meisterschaft ("best-of-three") gegen den Vierten Take-Off Würzburg beginnt am Samstag (15 Uhr) mit einem Heimspiel in der Graf-Stauffenberg-Halle. Wir unterhielten uns mit Cheftrainer Schabacker und dem Sportlichen Leiter Sebastian Hader.

Platz 1 nach der Hauptrunde: Haben Sie diese eindrucksvolle Entwicklung nach dem Abstieg aus der Bundesliga sowie dem Umbruch in Mannschaft und Verein erwartet?
Ulf Schabacker: Von einem Komplett-Umbruch möchte ich nicht unbedingt sprechen. Aber klar, wir haben unsere beiden besten deutschen Spielerinnen, Dani Vogel - zum deutschen Meister nach Wasserburg - und Alina Hartmann, die jetzt für ein Spitzen-College in Colorado aufläuft, verloren. Und auch die drei letztjährigen ausländischen Damen, Mayberry, Benzio und Bacharova, mussten ersetzt werden. Nichtsdestotrotz nutzten die übrigen Spielerinnen dann ihre Chance und verbesserten sich durch konsequentes Training zu einer Spitzenmannschaft in der 2. Bundesliga. Es ist natürlich für einen Trainer schön zu sehen, wenn sich das gesamte Team individuell und auch mannschaftlich enorm steigert. Das betrifft sowohl die Routiniers wie Jessie Miller, die für mich die beste Spielmacherin der Liga ist, Liisi Sokman und Svenni Zeis als auch die Youngsters Nani Ilmberger oder Sandra Schrüfer. Wir hatten uns im Sommer die Play-offs als Ziel gesetzt, dass wir jetzt sogar Hauptrundenerster sind, verdient Respekt.
Sebastian Hader: Als Absteiger wird einem ja oft die Bürde des Favoriten auf den sofortigen Wiederaufstieg auferlegt. Bei Damenbasketball in der 2. Liga sprechen wir aber nicht von bezahltem Profisport, umso mehr Anerkennung verdient die Leistung der Spielerinnen und der Trainer, durch die wir in der komfortablen Situation sind, dass die Saison schon vor Beginn der Play-offs in jedem Fall als Erfolg zu werten ist.

Blicken Sie auf die Halbfinalspiele gegen Würzburg, wen erwarten Sie möglicherweise als Gegner in den Endspielen um die Meisterschaft der 2. Liga Süd?
Schabacker: In der Frage steckt schon eine Vermutung, die man als Coach nicht gerne hört. Wir sind uns bewusst, dass uns nach Platz 1 und zwei Siegen gegen Würzburg in der Hauptrunde die Favoritenrolle zugeschrieben wird. Würzburg verteidigt ähnlich aggressiv wie wir, und wir werden an unsere Leistungsgrenze gehen müssen, um gegen die Unterfränkinnen eine Runde weiterzukommen. Unsere gesamte Truppe würde sich gerne in den Endspielen mit Keltern messen, da wäre noch eine Revanche fällig.

Ist die DJK Brose bereits wieder reif für die Bundesliga, ist sportlich gesehen der Sprung von der 2. in die 1. Liga nicht ein allzu großer, vor allem, wenn Sie an die letzten Bamberger Spielzeiten in der Bundesliga und das glatte Pokal-Aus im Achtelfinale mit 41:87 gegen den Erstligisten Halle in dieser Saison denken?
Schabacker: Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, dass, wenn sich eine Mannschaft über eine gesamte Saison für einen möglichen Aufstieg qualifiziert, sie auch sportlich reif für den nächsten Schritt ist. Wann sonst? Die Frage im Damenbasketball ist nur, ob die Spielerinnen den dann immens hohen zeitlichen Aufwand mitgehen können und wollen. Der Pokal-K.o. gegen Halle ist kein Maßstab, vielmehr hat sich bei unserem letztjährigen Abstieg aus der Bundesliga gezeigt, dass mit ein bisschen Glück und der einen oder anderen personellen Umbesetzung ein Verbleib in der Erstklassigkeit keine Illusion ist.

Es waren einige Scherben zusammenzukehren nach dem Bundesliga-Abstieg. Wie weit ist die DJK Brose auf ihrem Weg, gefestigte Strukturen zu schaffen, die dauerhaft deutsches Spitzenbasketball der Damen in Bamberg ermöglichen?
Hader: Wie vielschichtig das Thema deutscher Damenbasketball ist, zeigen aktuell die Debatten in den Gremien über die ,Deutschenregelung‘ und Maßnahmen zur Nachwuchsförderung. In der 1. Liga hat sich der Markt mit der Reduzierung auf eine deutsche Spielerin, die zu jeder Zeit auf dem Feld stehen muss, etwas geöffnet. Die Zweitliga-Vertreter treffen sich nun in Frankfurt, um einen Beschluss zu fassen. Die eigene Jugend und deren Ausbildung und Förderung muss dabei der zentrale Punkt sein und bleiben. Das war und ist auch unser Ansatz und Anspruch nach dem Bundesliga-Abstieg. Unser Jugendkoordinator Patrick Seidel hat bereits sehr viel Zeit und Arbeit investiert, was Früchte tragen wird. Überhaupt wird im weiblichen Bereich mit sehr viel Hingabe gearbeitet. Die Aufgabe für die Zukunft besteht darin, die vorhandenen Strukturen zu stärken und zu optimieren. Wir wollen das Programm dahingehend weiterentwickeln, dass Spielerinnen eine Perspektive und optimale Entfaltungsmöglichkeiten haben.

Ob die Bundesliga ein ernsthaft verfolgtes Thema ist oder sein wird, hängt zuvorderst auch von den Brose Baskets ab, die die DJK-Damen etwa genauso fördern wie die Herren von Bike Cafe Messingschlager Baunach in der ProA. Wie sehen hier die Planungen aus?
Hader: Zunächst einmal sind wir nach wie vor sehr froh und dankbar, dass sich die Firma Brose und die Brose Baskets auch in der Phase der Ungewissheit nach dem Bundesliga-Abstieg voll zum Damen-Thema bekannt haben. Umso schöner ist es, dass wir das Vertrauen unserer Partner mit einer tollen sportlichen Entwicklung ein Stück weit zurückzahlen konnten. Wir haben seit Anfang des Jahres mehrere konstruktive Gespräche miteinander geführt und absolut positive Signale bekommen, was die Unterstützung auch in Zukunft angeht. Das Konzept hängt logischerweise an vielen Faktoren, in einem Punkt sind sich aber alle einig: Wir werden nichts machen, was nicht Hand und Fuß hat. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass wir uns in einem Übergangsjahr befinden und gesund wachsen wollen; gerade auch im Hinblick auf unseren Nachwuchs, aus dem in den nächsten zwei, drei Jahren einige vielversprechende Talente den Sprung schaffen können. Wir werden nun weiter sprechen und die verschiedenen Möglichkeiten ausloten.