Brose Bamberg kassierte am Donnerstagabend nach einem weiteren Drama die dritte Niederlage in der Basketball-Euroleague in Folge und verliert allmählich den Anschluss ans breite Mittelfeld. Zwei Tage nach der bitteren 78:79-Heimpleite gegen Roter Stern Belgrad unterlag der deutsche Meister beim spanischen Vertreter Baskonia Vitoria mit 74:81 (47:32). Das Team von Trainer Andrea Trinchieri, das bereits am Sonntag in der Bundesliga in Berlin abermals auswärts gefordert ist, verspielte eine 15-Punkte-Führung und kassierte die sechste Niederlage in der Königsklasse.

Schnell wurde klar, dass die Bamberger die knappe Belgrad-Pleite gut weggesteckt hatten. Sie übernahmen die Initiative und stellten mit ihrem mannschaftsdienlichen Angriffsspiel ihren Gegner vor unlösbare Aufgaben. Sieben der neun Korberfolge der Gäste im ersten Viertel ging ein Assist voraus. Herausragende Akteure waren Nicolo Melli und Darius Miller, die immer wieder erfolgreich abschlossen. Zu diesem korbgefährlichen Duo gesellte sich im zweiten Abschnitt noch Maodo Lo. Der Nationalspieler (10 Zähler) hatte wie Melli (11) und Miller (10) schon zur Pause eine zweistellige Punkteausbeute zu Buche stehen.

Den Weg zur überraschend deutlichen 47:32-Halbzeitführung ebneten sich die bärenstarken Bamberger mit einem 12:3-Lauf zu Beginn und einem 9:0-Lauf zum Ende des zweiten Viertels. Natürlich spielten ihnen auch die zehn Ballverluste und die durchschnittliche Dreierbilanz (vier Treffer bei 14 Versuchen) der Basken in die Karten. Das Brose-Team legte dagegen wesentlich bessere Quoten sowohl aus dem Zweier- (57 Prozent) als auch aus dem Dreierberich (55 Prozent) auf. "Wir waren sehr fokussiert. Aber wir haben erst 20 Minuten hinter uns. Wir müssen mit der gleichen Intensität weiterspielen und dürfen nicht ständig auf die Anzeigetafel schauen", forderte Trinchieri für die zweite Hälfte.

Seine Schützlinge hielten sich zunächst daran und ließen sich auch von sechs schnellen Punkten in Folge von Vitoria zu Beginn des dritten Abschnitts nicht aus der Ruhe bringen. Als die Gastgeber dann aber merklich intensiver verteidigten, kamen die Bamberger aus dem Rhythmus. Aus 15 Punkten Rückstand machten die Basken innerhalb von drei Minuten fünf, ehe Zisis kurz vor Viertelende noch ein Dreier zum 55:63 gelang.

Doch Vitoria hatte nun Oberwasser. Johannes Voigtmann, der deutsche Nationalspieler in Diensten der Spanier, glich per Dreier zum 70:70 aus (37. Min.). Die Bamberger verloren nun gänzlich den Faden. Sie ließen die Kaltschnäuzigkeit, die sie bis dahin ausgezeichnet hatte, vermissen, verzettelten sich in Einzelaktionen und leisteten sich dabei fatale Ballverluste. Vitoria nahm die Einladung an und freute sich am Ende über einen unerwarteten Sieg.
Baskonia Vitoria -
Brose Bamberg 81:74

(16:23, 16:24, 23:16, 26:11)

Vitoria Voigtmann (20 Punkte/2 Dreier), Beaubois (20/3), Hanga (16), Larkin (15/1), Bargnani (3), Tillie (5/1), Diop (2), Blazic, Budinger, Luz
Bamberg Miller (16/3), Lo (15/3), Melli (12/1), Strelnieks (11/2), Zisis (5/1), Theis (5), Heckmann (4), Causeur (4), Radosevic (2), Staiger
SR Radovic (Kroatien), Javor (Slowenien), Halliko (Estland)
Zuschauer 9437
Gesamtwurfquote Vitoria 53 Prozent (28 Treffer/65 Versuche), Bamberg 44 (26/58)
Dreierquote Vitoria 25 Prozent (7/28), Bamberg 46 (10/22)
Freiwurfquote Vitoria 90 Prozent (18/20), Bamberg 71 (12/17)
Rebounds Vitoria 39 (28 defensiv/11 offensiv), Bamberg 31 (25/6)
Ballgewinne/-verluste Vitoria 5/13, Bamberg 6/17
Assists Vitoria 13 /Bamberg 17
Fouls Vitoria 19 /Bamberg 23