Best of the Rest": Den Sprung in die Play-offs haben die Zweitliga-Basketballer von Bike-Cafe Messingschlager zwar knapp verpasst. Aber der Aufsteiger schloss seine furiose Premiere in der eingleisigen zweithöchsten deutschen Spielklasse immerhin als "Spitzenreiter" der zweiten Tabellenhälfte ab. Mit 14 Siegen aus 30 Saisonspielen und Platz 9 hat das mit einem Durchschnittsalter von 21,7 Jahren jüngste Team der Liga das Saisonziel Klassenerhalt weit übertroffen.

Doch nicht nur deshalb haben die Verantwortlichen Grund zur Freude. "Dass das kleine Baunach nach den Brose Baskets die meisten Zuschauer in der Umgebung anlockt, hätten wir nicht für möglich gehalten", sagt Geschäftsführer Jochen Hirmke. Im Schnitt 1189 Besucher, weitaus mehr als der Fußball-Regionalligst FC Eintracht Bamberg hat, sahen die 15 Heimspiele des Neulings.

In der nach einhelliger Meinung stärksten ProA aller Zeiten schlugen sich die "jungen Wilden" sehr achtbar, was sich nicht nur am Tabellenstand festmachen lässt. Mit Johannes Thiemann (6.), Andi Obst (7.) , Alex Engel (9.) und Leon Kratzer (10.) rangieren gleich vier Baunacher in den Top Ten der besten U22-Spieler der Liga. "Unser Konzept ist voll aufgegangen", freut sich Hirmke. Dieses sieht vor, in Zusammenarbeit mit den Brose Baskets mittelfristig Nachwuchsspieler an den Bundesliga-Kader des sechsfachen deutschen Meisters heranzuführen.
Während die Doppellizenz-spieler Thiemann und Obst schon mehrfach für das Team von Trainer Andrea Trinchieri aufliefen, könnte bald auch Leon Kratzer, der kürzlich einen Vier-Jahres-Vertrag bei den Brose Baskets unterschrieben hat, erstmals Bundesliga-Luft schnuppern. Der 18 Jahre alte Center ist in der abgelaufenen Saison immer mehr zu einem Leistungsträger im Baunacher Team gereift. "Dass Spannendste und Erfüllendste meiner Arbeit ist für mich zu sehen, wie sich die jungen Spieler entwickeln", meint Coach Ivan Pavic.

Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. "Daniel Keppeler hat einen unglaublichen Sprung nach vorne gemacht, und auch Tibor Taras beißt sich langsam durch", sagt Pavic über zwei weitere Talente, die in der letzten Saisonphase verstärkt Einsatzzeit erhielten, nachdem der Klassenerhalt unter Dach und Fach war.
Für Hirmke ist dies auch ein Verdienst des Trainers, der die Baunacher vor eineinhalb Jahren als Tabellenletzter der ProB übernommen hatte: "Ivan hat hervorragende Arbeit geleistet. Unser Ziel in der Rückrunde war es, die Einsatzzeit der drei Amerikaner zu reduzieren und noch mehr auf die jungen Spieler zu setzen. Sie haben dieses Vertrauen des Trainers gespürt und es mit Leistung zurückgezahlt."

Bleibt Marcos Knight?

Ihr Jugendkonzept wollen die Baunacher in Zukunft sogar intensivieren und in die neue Saison mit nur noch einem US-Amerikaner starten. Während Anthony Lee und Samuel Muldrow, der im Januar Logan Stutz ersetzt hatte, wahrscheinlich nicht zurückkehren werden, hofft das Messingschlager-Team, Marcos Knight halten zu können. "Marcos schätze ich als Spieler und Person sehr. Er ist immer mit großem Einsatz bei der Sache und zieht alle mit, ohne Ansprüche zu stellen", sagt Pavic über den quirligen Flügelspieler, der mit 15,6 Punkten im Schnitt bester Werfer seiner Mannschaft und in der Liga damit an achter Stelle notiert ist. Der 25-Jährige hat mit seinen konstant starken Leistungen aber auch andere Vereine auf sich aufmerksam gemacht. "Wir werden ihm auf jeden Fall ein Angebot machen. Ob er es annimmt, muss man abwarten", so Hirmke. Weiter an sich binden wollen die Baunacher auch viele ihrer jungen Spieler. Die Doppellizenz-Spieler Taras, Obst und Kratzer, die langjährige Verträge bei den Brose Baskets besitzen, bleiben Pavic auf alle Fälle erhalten.

Ob "Rudelführer" Steffen Hamann, der in den letzten Saisonspielen wegen Knieproblemen ausfiel, noch ein Jahr dranhängt, ist derzeit offen. "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Für mich steht erst einmal mein Sportmanagement-Studium im Vordergrund. Das schließe ich im Mai ab. Und dann muss ich auch noch die Knieprobleme in den Griff bekommen", sagt der 131-fache Nationalspieler.

Die Rückkehr in seine Heimat hat der 33-jährige dreifache deutsche Meister nicht bereut. "Nach meiner Zeit beim FC Bayern München war es nicht einfach, zu einem so kleinen Projekt zu wechseln. Aber ich konnte mich darauf einstellen. Und ich habe hier den Respekt bekommen, den ich als Führungsspieler auch brauche. Ich war mit totaler Freude dabei", resümiert Hamann und stellt klar: "Wenn ich weiterspiele, dann nur noch für Baunach."