Fabien Causeur ist Nordfranzose. Zwei Hafenstädte, die der von Hitler-Deutschland angezettelte Krieg fast ausgelöscht hat, kennt er wohl wie seine Westentasche: Brest, seine Geburtsstadt, und Le Havre, die erste Station seiner erfolgreichen Karriere als Basketballer, die ihn über die Vereine Cholet Basket und Laboral Kutxa Vitoria zum deutschen Meister Brose Bamberg geführt hat. Es wäre ein Leichtes für den 29-Jährigen, Ressentiments gegenüber dem Nachbarn östlich des Rheins zu hegen. Nichts davon.
Den Deutsch-Französischen Tag alljährlich am 22. Januar hat das Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg (KHG) zum Anlass genommen, den Profi einzuladen - zur Fragerunde in der Mensa, zum Dreier-Shootout mit Schülern und zum Autogramme Schreiben. Causeur hat sofort zugesagt. Ob er sich als Bürger eines geeinten Europas fühle? "Natürlich!"


Olympia 2012 größtes Erlebnis

Die mehr als 80 Neunt- und Zehntklässler, nicht nur die "Franzosen", auch die "Altgriechen" der humanistischen Bildungsanstalt am Fuße der Altenburg, sind gut vorbereitet, haben sich Fragen ausgedacht, die sie Causeur in seiner Muttersprache vortragen. Von Berührungsängsten beiderseits keine Spur nach der Begrüßung durch den Chef der Schule, Michael Strehler. Ob er sich in Bamberg willkommen fühle? "Ja, sehr", erklärt der Brose-Spielmacher. "Bamberg ist eine kleinere Stadt, genau wie die Städte, in denen ich seit meiner Kindheit gelebt habe. Es ist sehr schön hier, vor allem die Architektur. Ich wohne mit meiner Freundin und unserem Hund am Fluss."
Gibt es einen Lieblingsplatz in Bamberg? "Für Vergnügen", so Causeur, "lässt meine Arbeit als Profi wenig Zeit. Aber tatsächlich ist einer meiner Lieblingsplätze die Trainingshalle, weil ich nun einmal gerne Basketball spiele. Ansonsten macht es uns Spaß, gute Restaurants zu besuchen und das Bier zu probieren."
Der Basketballsport war Causeur in die Wiege gelegt: Die beiden Schwestern spielen, der Großvater hat den Vater und den Onkel trainiert... Diese Begeisterung in der Familie hat Causeur bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London geführt. "Mein größtes sportliches Erlebnis bisher", erzählt er den Gymnasiasten. "Es ist einmalig, wenn man Stars wie Usain Bolt oder Muhammad Ali trifft."
Ehrlich reagiert der junge Franzose auf die zentrale Frage: Sei es wichtig, den Deutsch-Französischen Vertrag zu feiern, eine der Grundlagen der Einheit des freizügigen Europas? Den habe er gar nicht auf dem Plan gehabt, gibt Causeur zu, "aber es ist ein historischer Tag, der gefeiert werden muss." Er möge die größten Unterschiede nennen zwischen Frankreich und Deutschland, was fehle ihm in Bamberg aus seinem Heimatland? "Es herrscht hier eine große Disziplin bei der Arbeit", hat Causeur erkannt. "Zuletzt in Spanien ging es relaxter zu, da lassen sich die Leute auch mal treiben. Was fehlt, ist natürlich das Essen von zu Hause. Meine Mutter macht mir als erstes immer einen Berg Crêpes, wenn sie nach Bamberg kommt."
Die außergewöhnliche Schulstunde gestern Vormittag am KHG hat gezeigt: Europa ist einfach, wenn das richtige Bewusstsein vermittelt wird. Das schaffen die Schüler mit ihrem Engagement, das schafft ein Fabien Causeur mit seinem beispielhaften Werdegang, und das schafft ein Studienrat Christian Winkler, dem die Idee zu diesem Treffen zu verdanken ist.