Der Verein liegt auf dem Sterbebett, aber die trotz des personellen Aderlasses stark veränderte Mannschaft präsentierte sich quicklebendig: Im ersten Spiel nach dem in der vergangenen Woche gestellten Insolvenzantrag zeigte der Fußball-Bayernligist FC Eintracht Bamberg am Samstagnachmittag gegen den Spitzenreiter TSV Großbardorf eine couragierte Leistung. Beim 3:3 (1:1) war die Heimelf dem Sieg näher und musste erst in der Schlussminute den Ausgleich hinnehmen.

148 Zuschauer sahen im Fuchs-Park-Stadion ein Gastgeber-Team, das in dieser Besetzung noch nie auf dem Platz stand. Denn nach dem Insolvenzantrag muss der FCE künftig auf die Dienste von Sebastian Schäferlein, Maximilian Göbhardt, Nikolai Altwasser, Thomas Kamm, Oliver Seybold, Nico Haas, Dominik Zametzer und Petrit Djonbalic verzichten. Zudem fehlten am Samstag noch Torwart Matthias Kühhorn (mit der Bamberger Uniauswahl in Südkorea), Uli Spieß (familiäre Gründe) und Andre Jerundow, dessen Zukunft noch ungewiss ist. Mit Tobias Linz und Jonas Schauer standen zwei Akteure aus der zweiten Mannschaft in der Startelf. Die Ersatzbank (Max Auer, Simon Bube, Mirco Schmitt und Marcel Rauscher) war komplett mit Talenten aus dem Kreisklassen-Team bestückt.

Das neuformierte Bamberger Team zog sich gegen den völlig enttäuschenden Bayernliga-Tabellenführer erstaunlich gut aus der Affäre. Zwar gingen die Gäste bereits nach acht Minuten durch einen Kopfballtreffer von Joe Etzel in Führung, aber die "Violetten" zeigten sich davon nicht beeindruckt und suchten ihr Heil in der Offensive. Nach einem Fehlpass der Großbardorfer in der eigenen Hälfte fand sich Johannes Trautmann nach schönem Doppelpass mit Nicolas Görtler plötzlich in aussichtsreicher Schussposition wieder. Doch wurde er von Stefan Piecha im Strafraum von den Beinen geholt. Der Großbardorfer sah für sein Foul die Rote Karte, mit dem Elfmeter scheiterte Görtler aber an Torwart Marcel Wehr.

In Überzahl wurden die Bamberger mutiger und erarbeiteten sich weitere Möglichkeiten. Belohnt wurden sie in der 45. Min. mit dem Ausgleich, den Pascal Niersberger per Kopf erzielte. Auch nach dem Seitenwechsel waren die Gastgeber torgefährlicher. Tobias Linz zwang Wehr mit seinem Schuss von der Strafraumkante zu einer Glanzparade (55.). Fünf Minuten später erzielte Calvin Sengül nach einem Konter die verdiente Führung für die Bamberger. Während einer kurzen Drangperiode kamen die Großbardorfer durch den eingewechselten Simon Snaschel zum Ausgleich (71.), doch dann übernahmen die FCEler wieder das Kommando. Görtler und Sengül verfehlten mit Fernschüssen ihr Ziel nur um Zentimeter, doch in der 81. Min. schoss Luca Ljevsic die Heimelf nach schöner Vorarbeit von Daniel Schäffler erneut in Front. Sengül vergab in der 89. Min. die große Chance zum 4:2. Dies rächte sich in der Schlussminute, als die Unterfranken durch Benjamin Freund noch zum schmeichelhaften 3:3 kamen.

Nach der unterhaltsamen Partie erklärte mit FCE-Kapitän Mirza Mekic ein weiterer Leistungsträger, dass er nicht mehr für die Bamberger auflaufen wird. Trainer Petr Skarabela hatte bereits am Freitag seinen Rücktritt angedeutet, hat seine Entscheidung aber noch nicht definitiv gefällt. "Ich muss noch ein paar Nächte darüber schlafen", meinte der Tscheche. Ein Umdenken scheint bei ihm aber unwahrscheinlich zu sein.

FC Eintracht Bamberg 2010: Nawrat - Friedlander (75. Auer), Niersberger, Schauer, Linz (81. Bube) - Trautmann (81. Schmitt), Mekic, Ljevsic, Sengül, Schäffler - Görtler / TSV Großbardorf: Wehr - Freund, Zang (46. Kornagel), Piecha, Schönwiesner, Kirchner, Rieß, Rugovaj (70. Katzenberger), Etzel (55. Snaschel), Leicht, Zehe / SR: Laumer (Schwabach) / Zuschauer: 148 / Tore: 0:1 Etzel (8.), 1:1 Niersberger (45.), 2:1 Sengül (61.), 2:2 Snaschel (73.), 3:2 Ljevsic (81.), 3:3 Freund (90.) / Gelbe Karten: Schäffler - Freund, Katzenberger / Rote Karte: - / Piecha (24.)