Ulf Schabacker ist Familienmensch. Der 58-Jährige ist aber auch Basketballer durch und durch, seit ihn der unvergessene Bert Peßler 1970 am Dientzenhofer-Gymnasium in Bamberg mit dem entsprechenden Virus infiziert hat. Damals war Schabacker 13 Jahre alt. Es folgten aufregende Basketballzeiten, die ihn - lange an der Seite Wolfgang Heyders - als Spieler und Trainer bis in die 2. Liga führten mit Vereinen wie FC Baunach, TSV Tröster Breitengüßbach, BG Bamberg oder Kickers Würzburg. Den Güßbacher NBBL-Nachwuchs machte er zum deutschen Meister. Nun wirkt er beim Damen-Zweitligisten DJK Brose Bamberg. Vor der neuen Saison, die am Sonntag (16 Uhr) mit der Partie in Weiterstadt beginnt, beantwortete Schabacker unsere Fragen.

Nicht nur Jessie Miller, das Herz der Mannschaft, ist nicht mehr mit von der Partie. Insgesamt hat es einen großen Umbruch gegeben im Team, es ist viel jünger geworden. Was ist von der DJK Brose Bamberg in der kommenden Saison zu erwarten?
Ulf Schabacker: Es hat sich schon im Februar, März abgezeichnet, dass es einige Veränderungen geben würde. Darauf, eine nahezu komplett neue Mannschaft zusammenstellen zu müssen, waren wir aber nicht eingestellt. Am Ende sind mit Sandra Schrüfer, Toni Gut und Liisi Sokman nur drei der 14 Spielerinnen, mit denen wir in die letzte Saison gestartet sind, übrig geblieben. Von daher war der Sommer schon eine gewaltige Herausforderung, zumal einige personelle Entscheidungen aus verschiedenen Gründen erst spät gefallen sind. Persönlich erwarte ich mir von der Mannschaft einen engagierten und couragierten Auftritt; wie sich das im Resultat widerspiegelt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall haben wir mit Ieva Jansone, der Freundin des Brose-Baskets-Profis Janis Strelnieks, Rückkehrerin Dani Vogel vom deutschen Meister aus Wasserburg, Tanja Lehnert von OSB München und der Amerikanerin Miranda Cantrell vier Spielerinnen neu dazu bekommen, die in der 2. Liga eine gute Rolle spielen werden. Dies wird auch den Nachwuchskräften Laura Nadolski, Magda Landwehr, Julia Förner und Anika Hartmann helfen, den Einstieg in die Bundesliga zu schaffen.

Wie sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?
Aufgrund einiger Entscheidungsprozesse war die Vorbereitung nicht einfach. Wir hatten den Kader in seiner endgültigen Besetzung ohnehin erst spät zusammen und mussten dann wegen Verletzungen, Nationalmannschaftseinsätzen oder Auswahllehrgängen immer wieder improvisieren. Rückblickend denke ich, dass wir das Beste aus den Gegebenheiten gemacht haben und mit dem bisherigen Verlauf zufrieden sein können.

Welche Vereine kämpfen aus Ihrer Sicht um den Titel und den Bundesliga-Aufstieg?
Bad Aibling nimmt als Erstliga-Absteiger automatisch eine Favoritenrolle ein, die durch die Zusammenstellung des Kaders untermauert wird. Heidelberg wird nahezu unverändert an den Start gehen und sicher wieder zur Spitzengruppe gehören. Dazu gibt es Teams wie Mainz, die Rhein-Main Baskets oder Würzburg, über die sich noch wenig sagen lässt, mit denen aber gerechnet werden muss. München mit seinen ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielerinnen wie Anne Breitreiner ist immer ein gefährlicher Gegner, für mich ein Geheimfavorit aufgrund ihrer Erfahrungen. Und auch die Aufsteiger werden heuer höher gehandelt als im Vorjahr. Die ersten Spiele werden zeigen, wie sich das Feld sortiert und wo wir stehen. Unser Ziel und unser Anspruch lautet, um die Play-offs mitzuspielen, sprich: unter die ersten Vier zu kommen.

War Alina Hartmann nach ihrer Rückkehr aus den USA ein Thema für die DJK Brose?
Eine Spielerin, die im Verein zur Erstliga-Spielerin gereift ist, sollte immer ein Thema sein. In unseren Augen wäre ein Wechsel in die 2. Liga für ihre sportliche Entwicklung allerdings nicht sinnvoll gewesen, von daher haben wir uns damit nicht ernsthaft beschäftigt. Sie hat im Sommer ein paar Mal bei uns mittrainiert, hatte aber auch selbst den Anspruch, zu einem Erstligisten zu wechseln, nachdem ihre Entscheidung gegen eine Rückkehr ans College in den USA gefallen war.

Sehen Sie die Damen des Zweitligisten DJK Brose in der Basketballstadt Bamberg als gut angenommen an?
Die Konkurrenz ist in Bamberg natürlich riesig, aber ich denke, der Damen-Basketball hat seine Nische gefunden und erfreut sich trotz aller Klischees immer größerer Beliebtheit. Wir sind sehr froh, alle 14 Tage unsere Fangemeinde und zahlreiche Zuschauer in der Graf-Stauffenberg-Halle im Rücken zu haben. Das wird der jungen Mannschaft auch in der kommenden Saison sehr viel Energie geben. Und sie wird alles dafür tun, noch mehr Leute für ihren Sport zu begeistern. Auf Nachwuchsebene streben wir ähnlich wie im Männerbereich Erfolge an. So ist die U15 mit den Trainern Kai Tzschentke und Katl Gut dieses Jahr sicherlich in der Lage, sehr weit zu kommen, aber auch die U13 mit Trainer Jimmy Hummel hat wie schon im letzten Jahr einiges vor. Der älteste Jahrgang, das WNBL-Team, möchte heuer unbedingt die Abstiegsrunde in der U17-Bundesliga vermeiden.

Die DJK ist Teil des Brose-Basketballprogramms. Fühlt sie sich da gut aufgehoben?
Wir schätzen uns sehr glücklich, dass die Firma Brose wie auch die Brose Baskets das Thema Damen-Basketball weiterhin engagiert unterstützen. Im Übrigen nicht nur, was die Zweitliga-Mannschaft angeht, sondern auch im leistungsbezogenen Jugendbereich mit der U13, der U15, der WNBL sowie den Kooperationspartnern Regnitztal Baskets in der Bezirksoberliga und SC Kemmern in der Regionalliga. Ich denke, wir haben im Sommer sehr gute Grundlagen für eine nachhaltige Nachwuchsarbeit geschaffen, auf die es jetzt aufzubauen gilt.

Mitte Januar letzten Jahres waren Sie plötzlich Damentrainer, kümmern sich mittlerweile auch um den Nachwuchs. Haben Sie den Schritt jemals bereut, zumal Sie zuvor viele Jahre lang Herren- und Jungenteams erfolgreich bis hin zu deutschen Meisterschaften betreut haben?
Für mich bleibt Basketball Basketball! Egal, ob Damen oder Herren, das Spiel an sich ändert sich nicht. Technik oder Taktik, Defense oder Offense, Mann/Mann oder Zone, Teambuilding und Teamführung etc. - das ist alles identisch. Der harte Wettkampfgedanke ist vielleicht der einzige größere Unterschied neben, ja, dem Körperlichen. Insofern gibt's überhaupt nichts zu bereuen.

Zugänge Svea Wagner, Ramona Hesselbarth (beide SC Kemmern), Laura Nadolski (Post-SV Nürnberg), Tanja Lehnert (BC Hellenen/OSB München), Daniela Vogel (TSV 1880 Wasserburg), Ieva Jansone (SK Cesis/Lettland, zuletzt pausiert), Miranda Cantrell (Jacksonville State University/USA), Magdalena Landwehr, Anika Hartmann, Julia Förner (alle Regnitztal Baskets)

Abgänge Nadjeschda Ilmberger (Eisvögel USC Freiburg), Johanna Beck (BVUK Würzburg), Nora Duckarm (BG Litzendorf), Mara Münder, Tonia Lohneiß, Sina Dorberth (alle Auslandssemester), Jessica Miller (Karriereende), Lyndi Thorman (unbekannt), Svenja Zeis, Katharina Gröger (beide pausieren)

Es blieben Antonia Gut, Sandra Schrüfer, Liisi Sokman, Kathrin Gut