Bereits im zweiten Viertel platzte Doug Spradley der Kragen. "Wovor habt ihr Angst? Macht endlich eueren Job!", schnauzte der Trainer der s.Oliver Baskets Würzburg seine Spieler in einer Auszeit an. 15 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt erst gespielt, doch sein Team lag im zweiten Viertelfinalspiel in eigener Halle gegen abermals bärenstarke Brose Baskets bereits mit 20 Punkten im Rückstand. Am Ende der zweiten Partie der "best-of-five"-Serie waren es gar 37 - der Meister feierte mit dem 108:71 den höchsten Play-off-Auswärtssieg der Bundesliga-Geschichte und kann am Pfingstsonntag (17 Uhr) in der heimischen Brose Arena den Halbfinal-Einzug bereits perfekt machen.

0:13 (4. Minute), 23:43 (15.), 34:65 (24.) und 55:96 (größter Rückstand/34.) lauteten die aus Sicht der Unterfranken frustrierenden Zwischenstände. "Wenn die Bamberger so spielen wie heute, kann sie keiner schlagen", stöhnte Würzburgs A2-Nationalspieler Max Ugrai nach der abermals einseitigen Partie, in der die Bamberger in allen statistischen Werten klar besser waren. Das Mannschaftsspiel der Brose Baskets funktionierte ein weiteres Mal wie am Schnürchen. 22 Assists sind dafür ebenso Beleg wie die Tatsache, dass fünf Spieler zweistellig punkteten.

Auf eine fehlerlose Wurfquote brachte es Nicolo Melli mit sechs Treffern bei sechs Versuchen, davon drei von der Dreierlinie. "Unser Start war der Schlüssel zum Sieg. Wir waren von Beginn an fokussiert und haben einen soliden Job gemacht", sagte der Italiener, der mit 15 Punkten zweitbester Werfer seines Teams nach Janis Strelnieks (19) war.

Dem Letten, der im ersten Viertelfinal-Duell nach einem Schlag auf die Wade vorzeitig vom Feld musste, war die Blessur nicht anzumerken. "Janis war ein bisschen angeschlagen. Ich habe seine Minuten etwas beschnitten. Er spielt ein bisschen weniger, dafür spielt er - so war die Übereinkunft. Unsere Physios um Heiko Pfister haben einen höllisch guten Job gemacht. Wir sind hier sehr gut organisiert, das sieht man an den kleinen Sachen", sagte Trainer Andrea Trinchieri.

Der Italiener war nicht nur mit der Arbeit seiner medizinischen Abteilung, sondern auch mit der seiner Protagonisten hochzufrieden: "Alle haben ihre Leistung abgerufen, alle haben dem Team geholfen. Wir haben auf die paar Sachen aufgepasst, auf die wir aufpassen mussten." Im Gegensatz zu den Münchner Bayern, die für ihr überhebliches Auftreten in Ludwigsburg bestraft wurden und mindestens ein viertes Duell aufgezwungen bekamen, gingen die Bamberger die Aufgabe in Würzburg mit voller Konzentration an - und können die Serie nun am Sonntag mit einem sogenannten "sweep" (Gewinn der Serie ohne Niederlage) auf schnellstem Weg beenden.

Trinchieri ist zuversichtlich, dass dies der Fall sein wird. "Wir dürfen nicht schlampig werden. Aber ich habe ein Team, das die Aufgabe ernsthaft angehen wird", sagt der Coach. Kapitän Brad Wanamaker hofft gar auf einen weiteren klaren Sieg. Und zwar nicht, weil er dann bis zum Start der Halbfinalserie eine Woche Zeit zum Erholen hätte, sondern: "Am Sonntag wollen wir die Partie schnell beenden. Ich will das Euroleague-Finale sehen. Hoffentlich gibt es keine Verlängerung." Es ist aber davon auszugehen, dass der Kapitän pünktlich zum Beginn des Endspiels in Berlin (20 Uhr) daheim auf der Couch sitzt.


Play-off-Viertelfinale

Brose Baskets -
s.Oliver Baskets Würzburg

Spiel 1: Bamberg - Würzburg 95:54
Spiel 2: Würzburg - Bamberg 71:108
Spiel 3 in Bamberg: Sonntag, 15. Mai, 17 Uhr
falls erforderlich - Spiel 4 in Würzburg: Dienstag, 17. Mai, 20.30 Uhr
Spiel 5 in Bamberg: Donnerstag, 19. Mai, 18.30 Uhr