Andrea Trinchieri war am Mittwochabend nach dem nervenaufreibenden Krimi in Ulm, der mit einem hauchdünnen 81:80-Erfolg ein versöhnliches Ende fand, mächtig stolz auf seine Jungs: "Es ist sehr wichtig, die Fähigkeit zu besitzen, trotz eines schlechten Spiels zu gewinnen. Das ist ein Markenzeichen von guten Mannschaften. Wir waren schwach, ohne Energie, über 30 Minuten - in allen Belangen, in der Offensive, in der Verteidigung. Es sah so aus, als würden wir verlieren. Aber ich rechne meinen Spielern hoch an, dass sie exzellente Arbeit abgeliefert haben, um zurückzukommen. Sie wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen."

Trinchieri zollt Team Respekt

Und der Stratege an der Seitenlinie erklärte: "Wenn es auf dem normalen Weg nicht funktioniert, musst du einen anderen finden - und die Jungs waren gut dabei. Deshalb gilt ihnen mein Respekt, sie haben alles, was sie vorher falsch gemacht haben, hinter sich gelassen und großen Siegeswillen bewiesen."

Zu Beginn des zweiten Viertels führten die Brose Baskets letztmals mit 20:19, danach zogen die Ulmer immer wieder davon (36:26, 52:41, 66:54), dominierten die Partie und sahen vor dem Schlussviertel (66:56) wie der sichere Sieger aus.

Was war für Dawan Robinson, der unermüdlich rackerte und mit seinem Dreier 52 Sekunden vor dem Ende die Aufholjagd der Gäste mit der 77:76-Führung krönte, der Schlüssel zum Erfolg? "Die Verteidigung, es ging nur über die Verteidigung - uns sind endlich die nötigen Stopps gelungen. Sicher haben wir auch im Angriff besser gespielt, aber hauptsächlich war es die Defensive, die uns geholfen hat, die Partie zu drehen. Das war eines der aufregendsten Spiele in meiner Karriere", so der bullige Aufbauspieler, für den 14 Punkte und vier Assists zu Buche standen.

Wanamaker behält Durchblick

Effektiver waren nur Brad Wanamaker (19 Punkte, 4 Rebounds, 5 Assists, 3 Ballgewinne, kein Ballverlust) und Trevor Mbakwe (18 Punkte/13 Rebounds/2 Blocks). Wanamaker, dessen Cut an der Augenbraue Ende des dritten Viertels nach einem Zusammenprall mit Ulms Center Ian Vougioukas (19 Punkte) von Teamarzt Dr. An-dreas Först mit vier Klammern versorgt worden war, verlor aber nicht den Durchblick. Zwei Mal bestrafte er die Ulmer Fehler in der Verteidigung eiskalt und vollendete blitzfrei per Dunking bzw. Korbleger. So hatten die 150 Fans aus Freak City am Ende in der aufgeheizten Atmosphäre der ratiopharm Arena doch noch etwas zu feiern.

"Die Niederlage war schon tragisch für uns. In den letzten ein, zwei Minuten hat uns einfach die Cleverness gefehlt. Da gab es ein, zwei Missverständnisse in der Verteidigung, die zu einfachen Punkten geführt haben, die so nicht passieren dürfen. Am Ende des Tages ist es einfach eine Qualität, knappe Spiele zu gewinnen", stellte Ulms Spielmacher Per Günther nüchtern fest.

"Wir hatten einen schwierigen Start. Ulm ist mit viel Energie rausgekommen. So wie wir das erwartet hatten. Unser Offensiv-Motor stand im Prinzip still. Ulm dagegen hat einige starke Würfe versenkt, war in der ersten Halbzeit verdient mit zehn Punkten vorn. Nach der Pause haben wir uns dann zusammengerissen, das Spiel mit viel Kampf und Ehrgeiz gedreht und am Ende glücklich gewonnen", fasste Bambergs Co-Kapitän Karsten Tadda die Partie zusammen und stellte klar: "Ich will nicht noch mal nach Ulm fahren. Die Atmosphäre ist zwar schön, aber für den Gast unangenehm. Wir werden deshalb alles daran setzen, um am Samstag den Sack zuzumachen."