Die Brose Baskets waren am Ende der letzten Bundesliga-Saison die Nummer 1 - und sie sind es vor dem Start in die neue Serie schon wieder: Als erste der 18 Erstliga-Mannschaften hatte der deutsche Meister aus Bamberg seinen Kader komplett. Der siebenfache Titelgewinner hat sich weiter verstärkt und im Wettrüsten mit Vize Bayern München eine auf dem Papier zumindest ebenbürtige Truppe zusammengestellt. Hier ein Interview mit Geschäftsführer Rolf Beyer.

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch - so früh war der Kader der Brose Baskets noch nie komplett. Haben Sie alle Wunschspieler verpflichten beziehungsweise die Leistungsträger halten können?
Rolf Beyer: Wir haben schon im Januar angefangen, uns Gedanken zu machen, wie es weitergehen kann. Das war die letzten sechs, sieben Monate ziemlich harte Arbeit. Es gab viele Überlegungen, wie ergänzt man das Team, was macht der Markt mit uns? Wir können sehr froh sein, dass Brad Wanamaker und Janis Strelnieks, die sich bei uns toll entwickelt haben, hier bleiben. Das war eine große Anstrengung - aber wir haben es nicht bei jedem geschafft: Stichwort Trevor Mbakwe. Man muss sagen, da sind wirtschaftliche Aufwändungen versus Leistungsfähigkeit einfach in Frage zu stellen. Macht es Sinn, da noch so einen Schluck oben draufzulegen oder lässt man ihn lieber ziehen?

Die Besetzung der Center-Position dauerte ziemlich lange.
Auf der Position 5 haben wir länger diskutiert, wie wir vorgehen. Man muss klar sagen, dass Andrea Trinchieri eine ziemlich Guard-orientierte Struktur vorgibt. Deshalb war für uns sehr wichtig, dass die Verpflichtung von Nikos Zisis geklappt hat. In der Konstellation mit Janis und Brad haben wir jetzt alle möglichen Optionen. Wir hatten auch mit Darius Miller Glück. Meine Erwartung war eigentlich nicht, dass er noch mal zurückkommt. Ich hätte schon vermutet, dass er in der NBA unterkommt. Die Summer League ist aber nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat, deshalb war er für uns wieder eine Option. Über seine Verpflichtung sind wir sehr glücklich, weil wir dadurch eine große Flexibilität kriegen. Am längsten hat es auf der Center-Position gedauert. Da hatten wir drei, vier Optionen angedacht. Nicht jede hat sofort funktioniert. Mit Gabriel Olaseni haben wir jetzt ein Projekt, auf das viele von außen draufschauen und sagen, das ist ein Experiment. Ich bin überzeugt, dass es funktionieren wird. Das ist ein Typ, der ähnlich ist wie Trevor, noch ein bisschen mehr Länge mitbringt, echte 2,08 Meter, und hervorragende Defensiv-Qualitäten besitzt. Das ist ein Rohdiamant, den man schleifen muss. Aber die Zeit nehmen wir uns. Und ich glaube, es werden einige sehr positiv überrascht sein von der Verpflichtung. Wir hatten einen guten Grundstock mit Wanamaker, Strelnieks und unseren Deutschen Harris und Theis. Deshalb wollten wir unsere deutschen Positionen mit Patrick Heckmann, der eine Investition in die Zukunft ist, erweitern. Aber auch mit Yassin Idbihi und Lucca Staiger haben wir sehr, sehr wertige Ergänzungen bekommen. Sicher wird es Wettbewerbe auf Positionen geben. Gerade auf der Zwei, wenn wir Karsten Tadda und Staiger nehmen. Ich glaube, wir besitzen einen Fundus, aus dem wir schöpfen können.

Michael Stoschek hat gleich am Tage der Meisterschaft verkündet, die Mannschaft für die neue Saison werde noch besser werden. Es sieht so aus, als wurde dieses Versprechen in die Tat umgesetzt.
Auf dem Papier ist das sicher eine Weiterentwicklung der Mannschaft. Ob die jetzt besser performen wird, ist eine Frage von so vielen Parametern, die beim Sport nicht immer berechenbar sind. Wir müssen jetzt erst mal auf Holz klopfen und hoffen, dass unsere Rekonvaleszenten Elias Harris und Daniel Theis rechtzeitig zurückkommen. Wir haben derzeit mit Zisis, Melli, Strelnieks und Tadda vier Nationalspieler, die die Vorbereitung nicht mitmachen könen. Das sind Dinge, die nicht hilfreich sind für die Entwicklung des Teams.

Spieler wie Nikos Zisis und Nicolo Melli waren sicher nicht billig. Aber auch die Vertragsverlängerungen von Brad Wanamaker, Janis Strelnieks und Darius Miller waren mit Gehaltserhöhungen verbunden. Wie viel kostet die neue Mannschaft mehr als die bisherige?
Wenn wir jetzt die ganzen Bewegungen anschauen, die wir letzte Saison lei-der drin hatten - ich nehme jetzt mal das Beispiel Carlon Brown, der als einer der Stars in der BBL lanciert wurde -, dann hat uns das viel Geld gekostet, Ersatz zu beschaffen. Es gibt keine Versicherung der Welt, zumindest keine bezahlbare, die solche Ausfälle kompensiert. Insofern haben wir jetzt einen Etat, der ziemlich auf einem ähnlichen Niveau ist wie letztes Jahr. Wenn man diese ganzen Nebenthemen, die da aufgelaufen sind, bereinigt, hat sich gar nicht so viel getan. Natürlich hatte die Weiterverpflichtung von Wanamaker und Strelnieks schon einen Effekt. Der europäische Markt hatte sich für die Herren geöffnet. Ich glaube, wir konnten da mit verschiedenen Parametern punkten - vor allem auch bei Zisis. Erstens, weil er Andrea Trinchieri aus Kasan kennt. Zweitens, weil er von unserem Konzept überzeugt ist. Er würde sicherlich in anderen Klubs mehr Geld verdienen als bei uns - was nicht heißt, dass das nur Schnäppchen waren. Das will ich nicht verhehlen. Aber ich denke, im Verhältnis zu den europäischen Spitzenmannschaften sind wir noch weit hinten dran. Und wir sind auch hinter unseren, nennen wir es einmal Marktbegleitern, einen Schritt zurück - vor allem dem aus dem Süden.

Bayern-Spieler Nihad Djedovic tönte kürzlich, die Münchner Mannschaft sei besser als die der Bamberger. Wo sehen Sie die Brose Baskets nach dem Aufrüsten im Vergleich der großen Drei?
Bei Bayern ist es so, dass sie einen Großteil ihrer Spieler halten konnten, und sie haben das Team mit Thompson und Renfroe sehr konsistent ergänzt. Da fühle ich mich jetzt nicht unwohl, wenn ich hinter den Bayern stehe. In der Rolle stelle ich mich gern in den Schatten und lass' mich dann eines Besseren belehren. Wir tun gut daran, die Entwicklung unserer Mannschaft in den nächsten acht Wochen sehr intensiv zu beobachten. Mit der kurzen Vorbereitungszeit wird man sehen, wo man steht. Es wird ein harter Kampf. Ich lasse Djedovic jetzt mal in der Überzeugung, dass sie besser sind. Die Bayern sind die Mannschaft, die man schlagen muss. Ich sehe sie schon leicht in der Favoritenrolle. Mal sehen, ob sie in der Chemie zusammenkommt - hoffentlich nicht so gut, dass wir sie nicht schlagen können (grinst).

Sehen Sie derzeit eine Mannschaft, die Bamberg, München oder Berlin gefährlich werden kann?
Ich finde die Liga ziemlich spannend, weil die Nummern 4, 5 und 6 der letzten Saison intelligent aufgerüstet haben. Nehmen wir mal Ulm. Das ist für mich schon eine ganz schöne Gewalt, die da mit reingekommen ist. Natürlich sind das auch sehr riskante Projekte. Es bleibt abzuwarten, wie Carlon Brown nach seiner Knie-Reha einschlagen wird. Raymar Morgan ist ein Superspieler, er hat letzte Saison die Liga gerockt. Also Ulm ist für mich definitiv ein Parameter, den man beachten muss. Frankfurt entwickelt sich weiter. Sie halten ihre wesentlichen Deutschen. Auch das ist ein Gegner, den man nicht unterschätzen sollte.

Wie lauten die Ziele der Brose Baskets für die neue Saison?
Natürlich haben wir Ambitionen, wenigstens unter die Top 4, wenn nicht einen Schritt weiterzukommen. Die Bayern haben das Ziel Meisterschaft formuliert. Wir hängen uns da mal hinten an und gucken, wie weit wir kommen. Europäisch ist das eine knifflige Situation. Aus meiner Sicht spielen wir in einer sehr attraktiven Gruppe mit zwei großen Namen. Ich freue mich einfach auf die Spiele gegen ZSKA Moskau und Maccabi Tel Aviv - unabhängig davon, wie sie ausgehen. Wir haben mit Darussafaka Istanbul einen Klub, der extrem aufstrebt. Das wird wahrscheinlich in den nächsten zwei, drei Jahren der finanzstärkste Klub in der Türkei werden. Man sieht jetzt schon, wie der Kader sich dort entwickelt. Das ist eine ziemlich große Hausnummer, auch wenn sie noch nicht den großen Namen hat. Das heißt, wir werden uns mit Sassari und mit Malaga um den vierten Platz schlagen. Das wird sehr schwer, aber nichtsdestotrotz gucken wir schon darauf, dass wir diesen Schritt machen.


Und was macht die fränkische Konkurrenz? Aufsteiger Würzburg will sich im Oberhaus etablieren

Die Siegeshymnen waren schnell verklungen, nachdem die Mission Wiederaufstieg im Frühjahr bei den s.Oliver Baskets Würzburg erfüllt war. Das erfolgreiche Zweitliga-Team hat sich in viele Richtungen zerstreut. Trainer Doug Spradley machte sich auf die Suche nach acht Neuzugängen. "Wir wollen uns langfristig in der ersten Bundesliga etablieren", gab Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler bei der Teamvorstellung als oberstes Ziel aus.

Die Baskets geben sich bescheiden. Rein wirtschaftlich gehören sie zum "unteren Mittelfeld der Liga", sagt Liebler. Genaue Zahlen zum Etat will er nicht nennen. Er dürfte aber bei rund vier Millionen Euro liegen.

Nach den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die Baskets in der vorletzten Saison plagten und die letztlich in einen Punktabzug und somit in den sportlichen Abstieg in die ProA mündeten, haben sich die Baskets, laut Liebler, auch in diesem Bereich konsolidiert: "Wir sind noch dabei, Altlasten abzutragen. Aber auf diesem Weg sind wir gemeinsam mit der Liga bereits ein gutes Stück weitergekommen."

Trainer Spradley verspricht, dass sein Team alles geben und die Fans begeistern wird: "Wir wollen jedes Spiel gewinnen können." Dafür habe er einen Kader zusammengestellt, der variabel sei: "Wir haben sehr athletische Spieler in unseren Reihen. Wir wollen einen modernen Basketball spielen, der den Zuschauern Spaß macht."


Travis Leslie ist der Star in Bayreuths umgekrempeltem Team

Die Mannschaft von Medi Bayreuth hat nach einer enttäuschenden Saison, in der der Abstieg nur knapp vermieden werden konnte, ein völlig neues Gesicht bekommen. Phillipp Heyden ist der einzig verbliebene Spieler aus der letzten Serie - allerdings wird der 26-jährige Center auf Grund eines Eingriffs am Knie in der Vorbereitung nicht zur Verfügung stehen. Im Training fehlt zudem Jeffrey Xavier, der für die kapverdische Nationalmannschaft im Einsatz ist. Aber der deutsche Nationalspieler Bastian Doreth, Kenneth Horton, Kendall Gray, Daniel Mullings und der zuletzt verpflichtete Travis Leslie begeisterten die Fans bei einer öffentlichen Trainingseinheit.

Von Leslie ist Trainer Mike Koch angetan: "Dieser Mann kann im Angriff explodieren. Travis ist ein sehr guter Ballhandler, der aus dem Dribbling heraus den Korb attackieren und auch richtig stark scoren kann."

Mit dem 25-Jährigen schließen die Bayreuther die Lücke im Kader, die durch den Wechsel von Melvin Ejim in die NBA entstanden war. Der 1,93 Meter große, NBA-erfahrene Flügelspieler Leslie stand schon länger auf Kochs Liste. "Travis ist unheimlich athletisch und körperlich sehr stark. Durch seine Zeit in Frankreich und Litauen bringt er enorm viel Erfahrung mit nach Bayreuth", freut sich der Trainer über den mehr als adäquaten Ersatz. Schon jetzt ist festzustellen, dass die neu zusammengestellte Truppe in den wenigen gemeinsamen Tagen zu einer Einheit geworden ist.