Der deutsche Meister setzt zum Finalauftakt gleich einmal ein dickes Ausrufezeichen: Mit 96:60 (43:22) fertigte Brose Bamberg die EWE Baskets Oldenburg am Sonntag ab. Dem Überraschungs-Finalisten war nach dem Husarenstreich am Donnerstag in Ulm die Müdigkeit deutlich anzumerken. Sollte die Trinchieri-Truppe auch am Mittwoch (20.30 Uhr) in Oldenburg ihrer Favoritenrolle gerecht werden, könnte schon am nächsten Sonntag (17.15 Uhr) in Freak City der neunte Meistertitel gefeiert werden.
Von der ersten Sekunde an machten die Bamberger mit einer aggressiven Verteidigung deutlich, dass sie den Oldenburgern nicht weiteres Selbstvertrauen geben wollten. Nach gut fünf Minuten führte der Favorit, bei dem offensiv allerdings auch nicht alles nach Wunsch lief, mit 11:0. Nach 6:12 Minuten gelangen den sichtlich müden Gästen dann durch Frantz Massenat die ersten Punkte. Doch davon ließen sich die Hausherren nicht beeindrucken und zogen durch zwei Lo-Dreier weiter davon - kurz vor Ende des ersten Viertels wurde erstmals die 20-Punkte-Marke geknackt (24:4). Die Oldenburger hatten in diesen ersten zehn Minuten nur 13 Prozent ihrer Würfe getroffen.
Prompt kam die Warnung von den Rängen: Auf einem Transparent machten die Fans deutlich, dass auch die Ulmer gegen Oldenburg mit 27 Punkten Unterschied vorne gelegen und noch verloren hatten. Obwohl jetzt Dirk Mädrich und vor allem der in der Halbfinalserie überragende Rickey Paulding für die EWE Baskets punkteten, ließen die Hausherren nichts anbrennen und gingen mit einer 43:22-Führung in die Kabine. Die Tatsache, dass die fünf Brose-Spieler, die von der Bank gekommen waren, mit 23 Zählern einen Punkt mehr erzielten als die gesamte Gästemannschaft - und die Statistik von 13:0-Fastbreak-Punkten sprechen Bände.
In den ersten 150 Sekunden der zweiten Hälfte feierte Freak City dann die Darius-Miller-Show: Bambergs Scharfschütze versenkte drei Dreier aus der rechten Spielfeld-Ecke und schraubte mit elf Punkten den Vorsprung auf 54:27 in die Höhe. Würden die Oldenburger noch einmal ein solch sensationelles Comeback wie gegen Ulm hinlegen? Sie versuchten jedenfalls alles (62:41), doch mit einem 7:2-Zwischenspurt rückte der Meister bis zum Viertelende die Verhältnisse schnell wieder zurecht.
Spätestens nach gut 33 Minuten war die Frage über den Sieger in dieser einseitigen Partie vollends geklärt: Lucca Staiger hatte den elften und zwölften Brose-Dreier zum 82:49 versenkt. Die Triumph-Gesänge setzten so früh wie noch nie in dieser Saison ein. Obwohl Andrea Trinchieri seine Leistungsträger auf die Bank beordert hatte, war kaum ein Qualitätsunterschied zu erkennen.


Stimmen zum Spiel

Andrea Trinchieri (Headcoach Brose Bamberg): "Die fünf Spiele gegen Ulm haben Oldenburg viel Energie geraubt, deshalb bin ich heute nicht beeindruckt vom Vorsprung am Spielende. In den Play-offs ist es egal, ob man mit einem Punkt oder sehr hoch gewinnt. Wir waren fokussiert, haben gut als Team harmoniert und eine gute Verteidigung gespielt. Heute haben wir von der langen Serie unseres Gegners profitiert, am Mittwoch werden wir uns einer ganz anderen Mannschaft gegenüber sehen. Sie wird mit sehr viel Energie auf dem Platz stehen und Würfe von der Umkleidekabine aus treffen. Ich habe ganz großen Respekt vor Coach Drijencic und seiner Mannschaft. Wir haben heute nur das erste Spiel gewonnen und müssen uns auf einen harten Kampf am Mittwoch einstellen."

Mladen Drijencic (Headcoach EWE Baskets Oldenburg): "Gratulation an Bamberg zum ersten Sieg in der Finalserie. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, wir haben auch heute alles gegeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir erst am Freitag früh um 6.15 Uhr nach Oldenburg zurück gekommen sind. So war natürlich keine komplexe Vorbereitung auf Bamberg möglich. Uns hat die Frische gefehlt, und Bamberg hat uns mit seiner physischen Verteidigung nicht ins Spiel kommen lassen. Wir haben in den Play-offs bisher mehr als 40 Prozent Dreierquote, heute in der ersten Halbzeit nur 8 Prozent. Wir haben gekämpft, jetzt steht es 1:0 für Bamberg. Wir fahren nach Hause und werden Kräfte tanken."


Die Statistik

Brose Bamberg - EWE Baskets Oldenburg 96:60
(24:6, 19:16, 26:21, 27:17)
Bamberg Lo (17 Punkte/3 Dreier), Miller (14/4), Radosevic (10), Zisis (10/2), Causeur (10), Staiger (9/3), Melli (7/1), Theis (7), Strelnieks (6), Harris (5), Olinde (1), Heckmann
Oldenburg Massenat (13/1), Qvale (12), Paulding (10/1), C. Kramer (8), Wimberg (5/1), D. Kramer (4), Mädrich (4), Schwethelm (2), de Zeeuw (2), Lockhart, Mihailovic, Freese
SR Rodriguez, M. Reiter, Bittner
Zuschauer 6150 ausverk.
Gesamtwurfquote Bamberg 64 Prozent (32 Treffer/50 Versuche), Oldenburg 39 (25/64)
Dreier Bamberg 52 Prozent (13/25), Oldenburg 12 (3/26)
Freiwurfquote Bamberg 83 Prozent (19/23), Oldenburg 100 (7/7),
Rebounds Bamberg 37 (34 defensiv/3 offensiv), Oldenburg 20 (15/5)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 2/10, Oldenburg 6/6
Assists Bamberg 24 / Oldenburg 12
Fouls Bamberg 15 / Oldenburg 23