Mittlerweile sind es mehr als Gerüchte - die Spielführer von Roter Stern Belgrad und Bayern München tragen in der nächsten Saison das Trikot des neunfachen deutschen Meisters Brose Bamberg. Vom Verein gibt es zwar (noch) keine offizielle Stellungnahme, trotzdem deutet vieles darauf hin, dass Luka Mitrovic und Bryce Taylor ab Ende September in Freak City auf Korbjagd gehen. Bei beiden Spielern steht aber der obligatorische Medizincheck noch aus - und ohne diesen gibt es keine Unterschriften unter die Verträge, die bei Taylor bis 2020 und bei Mitrovic bis 2019 laufen sollen.

Der 24-jährige Serbe soll beim deutschen Liga-Dominator Nicolo Melli ersetzen, der wohl den nächsten Schritt bei Euroleague-Champion Fenerbahce Istanbul oder in der NBA gehen wird. Die Entscheidung darüber fällt aber nicht vor dem 1. Juli, denn an diesem Tag öffnet sich der Markt in der nordamerikanischen Profiliga für Spieler, die nicht vertraglich gebunden sind. Melli, der sich in den nächsten Tagen von den Strapazen der langen Saison im Urlaub auf Sardinien erholen will, aber auch Daniel Theis werden vor diesem Stichtag nichts über ihre Zukunft verlauten lassen.

Mitrovic dagegen hat noch keinen Urlaub. Stattdessen kämpft der Power Forward derzeit mit Roter Stern Belgrad um den Titel in Serbien. Die erste Partie entschied das Euroleague-Team gegen FMP Belgrad deutlich mit 94:66 für sich - Mitrovic kam in 19 Minuten auf jeweils sechs Punkte und Rebounds. Das entspricht in etwa den Zahlen, die er in der Königsklasse auflegt hat: In 15:42 Minuten verbuchte der 2,04-Meter-Mann durchschnittlich 4,1 Punkte, 2,3 Rebounds und 1,4 Assists. Eurohoops.net schätzt das Einkommen von Mitrovic auf 550 000 Euro pro Jahr in Bamberg. Mit dem Wechsel nach Freak City verlässt der Serbe erstmals seine Heimat, wo er mit Roter Stern dreimal in Folge die Adria-Liga gewann.


Deutscher Pass für Taylor

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, dass die Identifikationsfigur des FC Bayern, Bryce Taylor, Ende Juni einen Drei-Jahres-Vertrag in Bamberg unterschreiben wird. Die Tatsache, dass der 30-jährige US-Amerikaner aus Los Angeles, der vier Jahre das Bayern-Trikot trug und 2014 mit den "Roten" die Meisterschaft gewann, im Sommer einen deutschen Pass bekommen wird, macht ihn für die Mannschaft von Erfolgstrainer Andrea Trinchieri noch wertvoller. Bekanntlich dürfen in der Bundesliga nur sechs Ausländer pro Partie eingesetzt werden.

Bambergs Geschäftsführer Rolf Beyer betonte gegenüber der "SZ", dass man sich "intensiv mit Taylor beschäftigen" würde. Um den Vertrag zu finalisieren, fehlt aber noch der bestandene Medizincheck.

Der Abgang von Taylor ist für die Bayern ein schwerer Schlag, zumal der Leitwolf mit deutschem Pass in der nächsten Saison keinen Ausländerplatz mehr belegt hätte. Die Tatsache, dass die Münchner allerdings in den letzten drei Jahren in den Play-offs immer am Dominator aus Bamberg scheiterten und auch im Pokalfinale 2017 gegen Causeur & Co. den Kürzeren zogen, haben den nach Erfolg strebenden Kalifornier wohl dazu bewogen, die Fronten zu wechseln. Der 1,95 m große Athlet, der in der Offensive sowohl durch seine Treffsicherheit aus der Distanz als auch mit seinem Zug zum Korb besticht, passt bestens in das guardlastige Spiel von Andrea Trinchieri und kann auch in der Euroleague Akzente auf den Flügelpositionen setzen.

Die Bamberger sind also auf dem besten Weg, trotz der vorhergesagten Abgänge auch in der neuen Saison wieder ein schlagkräftiges Team ins Rennen zu schicken.