Es hat sich nichts geändert an den Machtverhältnissen in der Basketball-Bundesliga: Mit 31 Punkten Differenz machten die Bamberger Brose-Basketballer gegen den Erzrivalen Bayern München im dritten Play-off-Halbfinale letzte Saison den Sweep perfekt - und genau mit der gleichen Packung schlichen die "Roten" am Sonntagabend im ersten Gipfeltreffen der neuen Serie aus der Frankenhölle. "Seht ihr Bayern, so wird das gemacht", verhöhnten die Freaks die gehörig umgekrempelte Truppe des neuen Trainers Sasa Djordjevic nach einer sehenswerten Machtdemonstration, bei der am Ende ein 90:59-Erfolg an der Anzeigetafel stand.

"Um hier zu bestehen, hätten wir mit den Messern zwischen den Zähnen auf das Parkett gemusst und zeigen, dass wir für die Aufgabe bereit sind. Ich habe das heute nicht gesehen, wir hatten nicht die richtige Einstellung - ich bin stinksauer. Ich hoffe, meine Spieler ärgern sich noch mehr als ich über die Leistung, sonst haben wir ein Problem", war der ehemalige Weltklassespieler auf der Bayern-Bank "angepisst".


Trinchieri: eine gute Woche

Sein Gegenüber Andrea Trinchieri atmete erst einmal tief durch und freute sich dann über "eine gute Woche". Kein Wunder - nur drei Tage nach der Glanzvorstellung beim 106:102-Sieg nach Verlängerung über Armani Mailand durfte Freak City einen weiteren triumphalen Erfolg feiern.

"Wir haben mit viel Energie und clever agiert, das Spiel gut gelesen und meist richtig und schnell reagiert. Eigentlich haben wir heute so begonnen, wie wir das Spiel gegen Mailand beendet haben", analysierte der italienische Maestro an der Seitenlinie, der mit seiner oftmals kleinen Aufstellung die Bayern vor jede Menge Probleme stellte.

"Ich bin sehr glücklich über Maodo Lo. Er will lernen, sich verbessern. Er war großartig - wie die gesamte Mannschaft", lobte Trinchieri seinen Neuzugang, der im Angriff (16 Punkte) und in der Verteidigung einen tollen Job machte.

"Wir wussten, dass Bayern eine Topmannschaft ist und es schwer werden würde. Aber wir waren defensiv sehr aggressiv - nur so kann ein solches Ergebnis zustande kommen. Das war aber auch ein gutes Spiel für mich. Ich versuche mich anzupassen, um der Mannschaft mit meinen Fähigkeiten zu helfen. Das ist ein Prozess, der lange dauert", freute sich Nationalspieler Lo, der später mit den Fans die "Humba" anstimmte, über seine gute Leistung und den klaren Sieg. Der 24-Jährige sieht sich aber noch keineswegs am Ziel: "Im Basketball gibt es immer Höhen und Tiefen, jetzt gilt es, an der Konstanz zu arbeiten."

Mit einem Strahlen im Gesicht erfüllte Bambergs Topwerfer Fabien Causeur (17 Punkte/3 Dreier) die zahlreichen Interview-Wünsche: "Die Fans haben mir nach dem Sieg über Mailand erklärt, wie wichtig dieses Spiel gegen München ist. Das habe ich mir zu Herzen genommen. Wir wollten den Sieg mehr, das war der Unterschied. Die Atmosphäre war einfach großartig."

Aber auch Patrick Heckmann (11/6 Rebounds/3 Blocks) explodierte regelrecht. Eine Szene steht symbolhaft für seine grandiose Leistung: Nach einem verworfenen Dreier schnappte sich der Franzose gegen Bayerns Riesen den Offensiv-Rebound und versenkte den Ball per Korbleger. Der Schlüssel zum Erfolg war für ihn der Wille, mit der seine Mannschaft aus der Kabine gekommen ist. "Wir haben hinten dicht gemacht und sind vorne zu leichten Punkten gekommen. Wir wollten die Bayern aus dem Rhythmus bringen, ihre Systeme stoppen. Wir haben einfach schlau verteidigt", zog das Energiebündel Bilanz.


Beyer sieht drei X-Faktoren

"Wir haben heute gesehen, was Team-Basketball bedeutet, nachdem wir in den ersten acht Spielen noch darüber diskutiert haben, dass die Mannschaft noch nicht so stabil ist wie in der letzten Saison. Und wir haben drei Jungs gesehen, die so langsam aus ihrem Loch kommen, wenn es denn überhaupt eins war: Ich freue mich für Patrick, Maodo und Fabien, die in dieser Partie die X-Faktoren waren", lobte Geschäftsführer Rolf Beyer die drei Akteure, die neben den etablierten Jungs wie Nicolo Melli (11 Punkte/6 Rebounds/3 Blocks), Janis Strelnieks (10/5/4 Assists) und Daniel Theis (10/5/3 Blocks) aus dem hervorragend funktionierenden Kollektiv herausragten.

Dieser Kantersieg, den sich die Mannschaft trotz der Strapazen mit viel Energie über 40 Minuten erarbeitete, ist zwar nur eine Momentaufnahme, denn die Bayern werden sich im Verlauf der Saison sicher steigern, doch er ist gut für das Selbstvertrauen des Meisters. Und sollten die beiden Teams am Ende der Hauptrunde punktgleich sein, sind 31 Punkte Differenz ein gewaltiges Pfund, mit dem sich im direkten Vergleich gut wuchern lässt.