Vor ziemlich genau einem Jahr schloss Bambergs Erfolgstrainer Andrea Trinchieri nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft mit dem legendären Trapattoni-Zitat: "Ich habe fertig." Doch genau das Gegenteil war der Fall: Der italienische "Maestro" an der Seitenlinie - auf Grund seines Einfallsreichtums in den Spielsystemen auch schon als "Trickieri" geadelt - lebte seinen Perfektionismus und entwickelte ein Brose-Team, dem in der nationalen Liga keiner das Wasser reichen konnte. Nicht die Würzburger und auch nicht der Erzrivale Bayern München - am ehesten noch die Ulmer, doch das Überraschungsteam dieser Play-offs musste sich am Ende auch der Übermacht aus Bamberg beugen. Aus "Freak City" wurde im Rennen um den achten Titel seit 2005 kurzer Hand "Sweep City", weil die Bamberger alles, was versuchte, sich ihnen in den Weg zu stellen, wegfegten.

So war der italienische Meistermacher denn auch voll des Lobes über seine Jungs: "Wir bewegen den Ball wunderbar, wir haben eine klare Rollenverteilung, eine einmalige Teamchemie, und verschiedene Spieler können uns zum Sieg führen." Neun verschiedene Topwerfer trugen sich in die Korbjägerliste des Bundesliga-Dominators ein. Und in der Finalserie lief dann Darius "Killer" Miller sogar dem wertvollsten Spieler der Hauptrunde, Brad Wanamaker, den Rang ab. 16 Dreier verwandelte der ehemalige NBA-Profi in den drei Finalspielen und leistete sich dabei ganze drei Fehlversuche.

Selbst Ulms Trainer Thorsten Leibenath kam angesichts der Bamberger Leistungen ins Schwärmen: "Ihre Ballbewegung ist traumhaft, das macht Spaß zuzuschauen. Nur wenn man der gegnerische Trainer ist, nicht immer." Und Trinchieri gab das Lob seines Gegenübers postwendend zurück: "Die Ulmer haben einen bewundernswerten Job gemacht."

"Wir haben einen würdigen Finalgegner gehabt, der uns psychologisch an den Rand einer Niederlage gebracht hat", analysierte Bambergs Geschäftsführer Rolf Beyer und bezog sich auf Spiel 2, in dem der alte und neue deutsche Meister erst nach Verlängerung hauchdünn mit 92:90 die Oberhand behalten hatte.
"Wenn Spieler wie Nikos Zisis und Nicolo Melli zu Dir kommen und sagen: Danke für die Möglichkeit, hier sein zu können, dann ist das Wahnsinn und heißt, dass wir alles richtig gemacht haben", freut sich Beyer über die Worte zweier international erfahrener Haudegen.


Zisis "stolz auf jeden hier"

"Ich bin stolz auf jeden hier. Wir hatten eine begeisternde Saison. Wir dominierten diese deutsche Liga mit unserem Team-Basketball. Der Lohn am Ende einer langen Saison dafür ist, dass wir jetzt diesen Moment genießen dürfen", resümierte der Grieche Nikos Zisis, der sich aufgrund seiner zahlreichen Titel im europäischen Basketball den Beinamen "Herr der Ringe" verdient hat.

"Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben, es ist wunderbar. Wir haben uns das verdient. Ich bin glücklich für alle hier, für die Organisation, für die Fans, für die Stadt. Mehr gibt es nicht zu sagen", zeigte sich Nicolo Melli, der sich die italienische Flagge um die Schultern gelegt hatte, überwältigt von seiner ersten Meisterschaft in "Freak City".

Allerdings war die Dominanz dieser Brose-Mannschaft für die Liga fast schon langweilig. Deshalb betont Rolf Beyer: "Wettbewerb ist für uns wichtig und auch notwendig. Ulm hat uns Paroli geboten. Ulm, Oldenburg und Frankfurt sind in der Lage, auch den nächsten Schritt zu machen. Und ich hoffe, dass die Bayern gestärkt zurückkommen. Das ist jetzt keine Floskel. Sie sind das Salz in der Suppe. Wir brauchen Klubs, die uns
pushen."

Aber es wird nicht einfacher für die Konkurrenz, denn die Bamberger Meistermannschaft wird weitestgehend zusammenbleiben. Und der Geschäftsführer betont hinsichtlich der Planungen für die neue Saison: "Es wird schwer, diese außergewöhnliche Teamchemie noch einmal herzustellen. Aber wir arbeiten daran. Wir müssen den Kader so aufbauen, dass wir den neuen Rhythmus in der Euroleague auch leisten können. Wir werden jeden Monat mindestens eine Woche mit drei Spielen und die übrigen mit zwei Partien haben. Daher wird der Kader mindestens eine Zwölfer-Rotation sein müssen."

Und Beyer ergänzt: "Zehn von diesen zwölf Spots sind fest, mit den anderen beiden verhandeln wir intensiv. Bei einem wird es in dieser Woche noch eine Entscheidung geben, beim anderen wird es wohl noch etwas länger dauern." Das könnte heißen, dass mit der Entscheidung von Janis Strelnieks zeitnah zu rechnen ist. Brad Wanamaker, der von zahlungskräftigen europäischen Klubs umworben wird und dessen Ziel weiter die NBA ist, hat eine Ausstiegsklausel im Vertrag. Ob er davon Gebrauch machen wird, weiß er noch nicht: "Mein Herz ist hier. Falls ich gehen sollte, wird mir das nicht leicht fallen."

"Vielleicht brauchen wir auch eine 13er-Rotation. Wir arbeiten daran, uns wertig zu ergänzen. Vielleicht wird es noch die eine oder andere Überraschung geben", verspricht Beyer, dass es in Freak City auch in der anstehenden Sommerpause nicht langweilig wird.


Kommt Nationalspieler Maodo Lo?

Ein Neuzugang könnte Aufbauspieler Maodo Lo sein. Der deutsche Nationalspieler hat seine College-Karriere bei den Columbia Lions beendet und wird bei sportando.com als künftiger Bamberger gehandelt.Bevor die Spieler in den wohl verdienten Urlaub gehen, gibt es am heutigen Dienstag in der "Frankenhölle" ab 17 Uhr noch die große Fan-Party. Das Training nehmen Miller & Co. am 15. August wieder auf. Die neue Saison beginnt - nachdem es den Champions Cup nicht mehr gibt - voraussichtlich am Freitag, 23. September, mit einem Heimspiel gegen die Skyliners Frankfurt.