Siege über den Erzrivalen Bayern München sind für die Fans in Freak City immer etwas ganz Besonderes. So ist es kein Wunder, dass die Begeisterung in der Frankenhölle am Sonntagabend keine Grenzen kannte - zumal die Brose Baskets den vermeintlich schärfsten Konkurrenten mit 96:65 vom Parkett gefegt und damit den Halbfinal-Sweep perfekt gemacht hatten. "Seht ihr Bayern, so wird das gemacht", skandierten die Fans auf der Süd-Tribüne, während die Spieler auf dem Feld Freudentänze vollführten.

"Wir sind im Finale, das haben wir uns gewünscht. Dass es so schnell geht und gegen Bayern so mühelos, das hat mich überrascht. Vor allem das heutige Spiel war unglaublich. Dass Bayern so einbricht und wir diese Serie so clever und konzentriert zu Ende bringen, das war schon eine tolle Leistung sowohl vom Trainerstab als auch von der Mannschaft", freute sich Mäzen und Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek.

Aber nicht nur der deutliche Sieg beeindruckte den Boss: "Wir haben tolle Kombinationen gesehen, das war Basketball vom Allerfeinsten. Das ist eine Freude, so etwas anzuschauen. Das Ergebnis ist natürlich toll, aber was mir eigentlich noch mehr Spaß macht, ist, wenn man auf so einem hohen Niveau Basketball spielt."

Ganz anders war die Gefühlslage bei Anton Gavel, der in Bamberg viermal den Titel gefeiert hatte und als einziger Münchner bis zum Schluss alles versuchte, das Ergebnis in erträglichem Rahmen zu halten. Auf die Frage, ob das die schmerzlichste Niederlage seiner Karriere gewesen sei, überlegte Gavel lange und meinte dann: "Ja sicher. So wie wir uns präsentiert haben, sollte sich ein Halbfinalist nicht präsentieren. Vor allem in der ersten Halbzeit war es echt gar nichts. Wir lagen nach 15 Minuten mit 30 Punkten hinten. Das Spiel war gegessen. Wir wurden überrollt von Anfang an. Und alle unsere Versuche wurden im zweiten Viertel direkt gelöscht."

Und wie lange wird es dauern, bis so eine Niederlage verdaut ist? "Das dauert sicher, bis so etwas an einem vorbeigeht. In den drei Spielen war Bamberg auf jeden Fall besser", betonte Gavel, dem nach der Partie von vielen Bamberger Weggefährten Trost zugesprochen wurde. Zu seiner Zukunft wollte sich der 31-Jährige, dessen Vertrag in München ausläuft, nicht äußern.


Pesic mit Rücktritt vom Rücktritt

Gesprächsbedarf sah dagegen Bayern-Trainer Svetislav Pesic: Vor ein paar Wochen hatte er noch gesagt, er werde trotz laufendem Vertrag am Saisonende zu 99 Prozent aufhören. Am Sonntag verkündete er trotzig: "Ich werde zu 99 Prozent weitermachen." Bambergs Erfolgscoach Andrea Trinchieri war bei der Pressekonferenz sichtlich genervt, weil aufgrund der Personalie Pesic die Topleistung seiner Mannschaft plötzlich nebensächlich geworden war. "Ich denke, wir haben es verdient, im Finale zu stehen. Wir haben eine große Organisation, einen starken Gegner bezwungen", betonte der Italiener, der seine Jungs einmal mehr hervorragend auf den Rivalen eingestellt hatte - und das auch in der Endspielserie tun wird.

"Heute sind wir glücklich, ab morgen müssen wir zurück an die Arbeit. Denn egal, ob Ulm oder Frankfurt, unser Gegner wird vor Selbstvertrauen strotzen, weil er es ins Finale geschafft hat." Der Hauptrunden-Siebte Ulm will am Dienstag (19.30 Uhr) den Heimvorteil nutzen und gegen die Frankfurter, die sich zuletzt mit einem 85:54-Kantersieg zurückgemeldet hatten, die zweite Überraschung perfekt machen.

Vor dem Spiel erhielten Brad Wanamaker und Daniel Theis die Trophäen für ihre herausragenden Leistungen in der Hauptrunde: Wanamaker war zum besten Offensiv- und zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt worden. Theis erhielt die Auszeichnung für den effektivsten deutschen Spieler. Nach der Partie war aber einmal mehr klar, dass die beiden nur zwei - wenn auch wichtige - Räder in einer perfekt funktionierenden Mannschaft sind. Mit 29 Assists und einer Team-Verteidigung allererster Güte wurde der FC Bayern in seine Einzelteile zerlegt.
"Auch wenn das Ergebnis auf der Anzeigetafel etwas anderes sagt, es war nicht so einfach. Wir mussten alle zusammen hart arbeiten. Wir wollten unbedingt die Serie daheim beenden, ihnen jede Hoffnung nehmen, noch einmal ein Spiel in München zu erreichen", betonte Kapitän Wanamaker den Plan, der wieder einmal perfekt in die Tat umgesetzt worden ist.