Erstmals seit November haben die Basketballerinnen der DJK Brose Bamberg den letzten Tabellenplatz der Bundesliga verlassen. Getragen von einer herausragenden Alina Hartmann, die mit 21 Punkten ihre persönliche Bestmarke in der 1. Liga erreichte, rang die DJK am Samstag vor 400 Zuschauern in der Graf-Stauffenberg-Halle die SV Halle Lions mit 73:72 (46:42) nieder. Als doppelt wertvoll erwies sich der zweite Heimerfolg in Folge, weil auch der Zehnte aus Oberhausen am Abend Punkte einfuhr.
Der Freude über den zweiten Erfolg gegen Halle in der laufenden Runde, der nahezu eine Analogie zum ersten darstellte, tat dies keinen Abbruch. Wie im Hinspiel zeigten die Bambergerinnen eine ihrer stärksten Leistungen in dieser Saison. Wie im Hinspiel führten sie in der zweiten Hälfte bereits mit elf Zählern. Wie im Hinspiel bot sich den Saalestädterinnen mit dem letzten Angriff die Chance zum Sieg. Acht Sekunden standen noch auf der Uhr, als DJK-Spielmacherin Taleya Mayberry beim Stand von 73:72 zwei Freiwürfe vergab und der Ball über Ebony Ellis in die Hände von Amanda Rego gelangte. Die Denkerin und Lenkerin der Lions sprintete nach vorne, versäumte es - von ihrer Gegenspielerin eng bewacht - aber, vor Ertönen der Schlusssirene einen Wurversuch zu unternehmen. Auf den Rängen verwandelte sich die Anspannung in Begeisterung, auf dem Feld lagen sich die Brose-Damen jubelnd in den Armen. Trainer Ulf Schabacker war derweil damit beschäftigt, die Komplimente an seine Spielerinnen weiterzugeben: "Das war ein überzeugender Sieg. Halle hat zuletzt sehr stark gespielt und war uns körperlich überlegen. Umso mehr Respekt verdient die Leistung des Teams, die man so nicht erwarten konnte."
Ein Teil des Geheimnisses dieser Vorstellung lag dabei offenbar in der Spielvorbereitung. "Die Mannschaft hat unter der Woche zusammengesessen und ihre Ziele schwarz auf weiß in der Kabine an die Wand gepinnt. Und das, was sie sich vorgenommen hat, hat sie auch geschlossen umgesetzt", plauderte Schabacker aus dem Nähkästchen. Die in den letzten Wochen aufgrund leichter Knieprobleme etwas gehandicapte Alina Hartmann erhielt unterdessen zusätzliche Motivation - von ihrer Gegenspielerin. "Sie hat mir vor dem Spiel scherzhaft einen kleinen Spruch reingedrückt, das hat mich erst recht angestachelt", berichtete die 18-Jährige vom Wiedersehen mit ihrer Nationalmannschaftskollegin Katharina Fikiel. Mit neun Zählern im ersten Viertel verhalf Hartmann ihrem Team zu einem nahezu optimalen Start: Nach zehn Minuten wies die Statistik keinen Ballverlust, dafür sieben Assists und eine 24:20-Führung aus.
Wichtige Impulse von der Bank in Person von Kapitänin Jessica Miller, Liisi Sokman oder Johanna Beck sorgten dafür, dass die Gastgeberinnen auch im zweiten Abschnitt stets präsent waren. Zwar zeigte man sich gegen die Hallenser Dreier-Expertinnen Abelova und Hebecker anfällig, unter dem Korb ließen die DJK-Damen aber so gut wie nichts zu. Der verdiente Lohn war ein Vier-Punkte-Vorsprung (46:42) zum Ende einer ersten Hälfte, in der die Führung insgesamt 19 Mal wechselte. Anders nach dem Seitenwechsel: Mit einer Ausnahme (48:49) lagen die Bambergerinnen durchgehend in Front und erarbeiteten sich fünf Minuten vor dem Ende durch starke Arbeit am offensiven Brett mit dem 69:58 das höchste Polster der Partie. Die Vorentscheidung bedeutete dies nicht, denn die Lions verkürzten den Rückstand Punkt um Punkt. 14 Sekunden vor Schluss war der Tabellenvierte bis auf einen Zähler dran, ehe Mayberry an der Linie zweimal verzog und die zuvor nervenstarke Rego in der Dramatik der letzten Sekunden zum Jubel der DJK und ihrer Fans den Überblick verlor.
Nach drei Siegen in den letzten vier Partien herrscht im Kampf um den Klassenerhalt wieder Zuversicht im Bamberger Lager, wenngleich Coach Schabacker warnt: "Es hat sich nichts geändert, außer dass wir den Abstand auf Platz 8 und 9 ein bisschen verringert haben. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Konkurrenten verlieren. Wir müssen auf uns schauen. Das gegenseitige Vertrauen ist gewachsen, die Mannschaft hat verstanden, worauf es ankommt. Nichtsdestotrotz denken wir weiter nur von Spiel zu Spiel."
DJK Brose Bamberg: Hartmann (21), Mayberry (12), Bachvarova (12), Sokman (12), Benzio (5), Vogel (4), Miller (3), Münder (2), Beck / SV Halle Lions: Hebecker (17), Abelova (16), Ellis (13), Porter-Talbert (10), Fikiel (8), Rego (6), Schnorr (2), Gaudermann / SR: Bohn, Harth / Zuschauer: 400