Die Brose Baskets sind beim Top Four in München gleich zwei Mal baden gegangen: Am Samstag ging der deutsche Meister im Halbfinale gegen die gastgebenden Münchner in den letzten drei Minuten unter und verpasste mit der 79:86-Niederlage gegen die Bayern die Chance, den fünften Pokalsieg nach Bamberg zu holen. Das Spiel um Platz 3 fiel dann buchstäblich ins Wasser. Nach einem Defekt an einer Heizungspumpe tropfte am Sonntagvormittag kräftig Wasser von der Hallendecke aufs Parkett, sodass die Partie gegen die Skyliners Frankfurt eine halbe Stunde vor dem Sprungball um 12 Uhr abgesagt werden musste. Sowohl Bambergs Coach Andrea Trinchieri als auch Skyliners-Trainer Gordon Herbert stimmten der Absage sofort zu und waren froh, dass ihren enttäuschten Jungs die Partie um die "goldene Ananas" erspart blieb. Die Zuschauer nahmen die Freigetränke, die ihnen bis 13 Uhr als Entschädigung vom Veranstalter offeriert wurden, dankend an.


Alba Berlin gewinnt Final-Krimi

Ab 14.45 Uhr wurde dann wieder Basketball gespielt: Im Finale setzte sich Alba Berlin in einem Krimi mit 67:65 gegen die Bayern durch. Auch die Fans aus Freak City feierten mit den Albatrossen.
Noch fünf Minuten vor dem Ende sah der deutsche Meister im ersten Halbfinale gegen die Bayern wie der sichere Sieger aus - doch dem Endspurt des gastgebenden Erzrivalen aus München hatte die Mannschaft von Trainer Andrea Trinchieri wenig entgegenzusetzen. Bryce Taylor und vor allem Deon Thompson machten in den entscheidenden Momenten den Unterschied aus, sodass sich der Vizemeister vor seinen begeisterten Fans im Audi Dome den 86:79-Erfolg verdiente.


"Das Momentum verloren"

"Der wichtigste Muskel in einem K.o.-Spiel ist das Gehirn. Das Spiel war bis drei Minuten vor Schluss offen", konstatierte Trinchieri und fügte an: "Dann haben wir uns einige Fehler erlaubt, im Angriff und in der Abwehr schlechte Entscheidungen getroffen. Es war ein gutes Basketballspiel mit viel Kontakt und viel Kampf. Alles verändert sich mit dem Momentum, und das haben wir auf der Zielgeraden verloren. Das war unsere größte Sünde."
In den dritten zehn Minuten war es am Ende der überragende griechische Routinier Nikos Zisis, der dafür sorgte, dass sein Team vor dem finalen Viertel weiter vorne lag (57:56) und auch viereinhalb Minuten vor Schluss sogar mit 69:64 führte. Doch in der Schlussphase reihten sich bei den Brose Baskets viele kleine Fehler aneinander. Die Bamberger Ballverluste nutzten vor allem Taylor und Thompson zu krachenden Dunkings und drehten so die Partie.
Bayern-Trainer Svetislav Pesic war stolz darauf, dass seine Jungs am Ende "fehlerfrei spielten" und provozierte Trinchieri: "Wir haben 57 Prozent aus dem Feld gegen Bamberg getroffen. Coach, was sagst du?" Der reagierte nicht und verließ mit einem leisen "Ciao" die Pressekonferenz.


Interview: "Zisis: Wir haben noch andere Ziele"

Frisch geduscht und unverrichteter Dinge verließ Nikos Zisis am Sonntag kurz vor 12 Uhr den Audi Dome, nachdem der 32-jährige Routinier tags zuvor eine Topleistung abgeliefert hatte. Aber auch seine 15 Punkte und vier Assists reichten nicht, ins Finale einzuziehen. Im Interview ließ er die zwei Tage in München Revue passieren und blickte voraus.

Was waren die Gründe für die Niederlage?
Nikos Zisis: Die Wahrheit ist, dass genau das passierte, was in Bamberg im Bundesliga-Spiel gegen die Bayern passierte. Dort haben wir in den letzten fünf Minuten perfekt gespielt. Am Samstag ist es genau anders herum gelaufen. Uns gelangen keine Stopps, als wir sie gebraucht hätten. Alle kleinen Details liefen für sie - beispielsweise, als wir uns beim Rebound gegenseitig behinderten und sie zu einfachen zwei Punkten kamen. Die letzten fünf Minuten exekutierten sie einfach besser als wir, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Du darfst dir in einem K.o.-Spiel einfach solche Ballverluste, noch dazu in einem Auswärtsspiel, nicht erlauben. Das kostet dich das Spiel. Sie haben einen guten Job gemacht - vor allem in den letzten fünf Minuten. Wir trafen zwar einige "big shots", aber das war nicht genug, um unsere Fehler auszugleichen. Wir haben alles versucht, aber es war diesmal zu wenig. Wir müssen in den wichtigen Momenten des Spiels einen größeren Killerinstinkt zeigen.

Wie groß ist die Enttäuschung?
Im ersten Moment ist sie natürlich groß, denn wir haben ein Ziel, das wir uns gesetzt haben, verpasst. Aber die Saison ist noch lang. Wir haben eine wichtige Rückrunde in der Euroleague vor uns, in der wir fünf Spiele zu Hause bestreiten. Und dann kommen die Play-offs. Wir wollen natürlich als Erster da rein gehen. Denn in Bamberg sind wir nur schwer zu schlagen. Ich glaube, dass könnte eine wichtige Lektion gewesen sein, aus der wir viel lernen können. Die Aufgabe eines guten Profis ist, aus den Fehlern zu lernen. Ich denke, wir haben bisher exzellente Arbeit abgeliefert.Wir haben noch zwei ganz wichtige Ziele, und die sind wichtiger als der Pokal.

Was sagen Sie zur Spielabsage?
Ich habe das auch schon im Final Four der Euroleague erlebt, Spiele um den dritten Platz sind von keinerlei Bedeutung. Beide Mannschaften haben im Halbfinale am Ende knapp verloren, deshalb ist es ohnehin schwer, so eine Partie zu bestreiten. Ich glaube, es ist gut für beide Teams sich ein bisschen auszuruhen. Für uns folgt das wichtige Spiel am Donnerstag gegen Real. Und am nächsten Sonntag in Bamberg steht dann ein Vergleich gegen Frankfurt auf dem Programm, in dem es um mehr geht.