Dreimal kamen die Comeback-Qualitäten der Bamberger Brose-Basketballer in den vergangenen Wochen zum Tragen. Gegen Bonn, Antwerpen und Jena holte das Team von Trainer Federico Perego jeweils zweistellige Rückstände auf. Am Mittwochabend im vorletzten Gruppenspiel der Champions League bei Hapoel Jerusalem überspannten die Spieler um Tyrese Rice den Bogen.

Dabei waren die Oberfranken nach Israel gefahren, um sich für die 85:88-Hinspielniederlage zu revanchieren und Jerusalem noch von Platz 2 der Gruppe C zu verdrängen. Mit der 89:103 (33:52)-Niederlage ist der zweite Rang passé. Als sicherer Dritter wird Bamberg somit im Achtelfinalhinspiel am 5. oder 6. März zunächst zu Hause antreten müssen. Antwerpen sicherte sich mit einem 67:63-Sieg über Dijon als Gruppenvierter vor dem letzten Spieltag am Mittwoch (20.30 Uhr) das Achtelfinalticket. Jerusalem kämpft mit den punktgleichen Athenern im Fernduell um den Gruppensieg.

Abwehr weiter die Achillesferse

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Peregos Trainingsschwerpunkt dürfte in den nächsten Wochen weiter die Defensive sein. Nach schwachem Beginn (9:2) kämpften sich die Bamberger dank eines energischen Elias Harris wieder ins Spiel zurück, doch der Brose-Trainer erkannte bereits im ersten Viertel: "Wir haben nicht das abgeliefert, was wir uns vorgenommen hatten, vor allem in der Abwehr. Im ersten Viertel hat Hapoel noch einige freie Würfe nicht getroffen, so dass das 18:17 getäuscht hat."

Perego musste nach dem 33:29 (16. Minute) mit ansehen, wie sein Team offensiv und defensiv zerfiel.

Zweites Viertel mit 16:34 verloren

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Bis zur Pause (52:33) ließen die Hapoel-Schützen um Tamir Blatt fünf Dreier durch die Bamberger Reuse zischen. Viertelübergreifend betrug der Lauf der Gastgeber 24:6. Der höchste Rückstand war in der 22. Minute beim 42:68 erreicht. "Wenn man den Gegner im zweiten Abschnitt so spielen lässt, wie wir es getan haben, dann liegt man eben mit 20 Punkten zurück", sagte Perego zu den mit 16:34 verlorenen zweiten zehn Minuten.

Dass die Bamberger danach das Spiel noch einmal offen gestalteten, ist ihnen anzurechnen. "Diesmal kam unsere Aufholjagd zu spät", erkannte der Italiener - und der 34-Jährige weiß auch, dass sein Team bereits in den vergangenen drei Spielen einem hohen Rückstand hinterhergelaufen ist. "Das müssen wir so schnell wie möglich ändern. Wir schaufeln uns selbst ein Loch, aus dem wir uns dann mühsam herausarbeiten."

Gute Reboundarbeit

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Dabei hielten die Bamberger vor allem im Rebound gut dagegen. Der Mannschaft, die im Schnitt 15 Offensivrebounds pro Spiel abgreift, erlaubten Augustine Rubit & Co. nur sechs zweite Wurfchancen. Allerdings warfen die Gastgeber bei 59 Feldwurfversuchen nur 24-mal daneben (59 Prozent), so dass sich nicht so viele Gelegenheiten für Hapoel ergaben. Selbst trafen die Bamberger knapp 50 Prozent ihrer Würfe - kein schlechter Wert, doch wenn man dem Gegner aus der Distanz von 26 Versuchen 13 Dreier gestattet, wird's schwer, auswärts zu gewinnen; wenn beim Brose-Team noch 16 Ballverluste dazukommen, gar unmöglich. Gerade als die Oberfranken im Schlussviertel Oberwasser gewannen, die Fehler der Israelis, die sich mehr mit den Schiedsrichtern als mit ihrem Spiel beschäftigten, bestraften, indem sie zum 65:74 (31.) und später zum 80:88 (36.) verkürzten, warfen die Bamberger noch dreimal den Ball weg.

Leistungsträger schwach

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Ausgerechnet die in Israel nach ihrem Euroleague-Triumph mit Maccabi Tel Aviv 2014 verehrten und im Vorfeld mit vielen Interviewwünschen gefragten Guards Tyrese Rice und Ricky Hickman erwischten in Jerusalem einen schwarzen Tag. Hickman (1 von 5 aus dem Feld, vier Ballverluste) und Rice (3 von 10, drei Ballverluste) setzten kaum Akzente, auch wenn beiden jeweils vier Assists gelangen.

Starkes deutsches Trio

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Dagegen lieferte Daniel Schmidt eine souveräne Spielleitung ab und ließ den in Bamberg gebliebenen Kapitän Nikos Zisis kaum vermissen. Neben Topscorer Rubit (16 Punkte, 5 Rebounds) überzeugte das deutsche Trio Harris, Patrick Heckmann (je 15) und Youngster Louis Olinde (10).

Bis zum Sonntag gegen Göttingen hat Perego Zeit, weiter an der defensiven Ausrichtung zu feilen und seinem Team eine aggressive Einstellung einzuimpfen. Gegen die offensivstarken "Veilchen" werden die Bamberger sonst mehr als ein blaues Auge verpasst bekommen.