Seine Reden im Kreistag zu Bamberg sind im eigenen Lager herbeigesehnt und beim politischen Gegner gefürchtet. In Zukunft wird das Kreisparlament aber wohl ohne einen seiner profiliertesten Sprecher auskommen müssen: Franz-Josef Schick, der "FJS" der Landkreis-SPD, will sich aus der Kreispolitik zurückziehen. Angesichts "zunehmender beruflicher Inanspruchnahme", wie Schick in einem Schreiben an Landrat Günther Denzler seinen Schritt begründet, bittet er um "Entbindung von seinem Amt als Kreisrat".

In der SPD-Fraktion kam Schicks Entscheidung nicht überraschend, ist der 54-jährige Strafverteidiger in seiner Bamberger Anwaltskanzlei doch gut ausgelastet. Dennoch fehlte er in den Sitzungen kaum einmal, vertrat mit großem Engagement die Politik der SPD und seine eigenen Überzeugungen. "Es waren für mich sehr schöne, interessante 17 Jahre als Kreisrat, davon elf Jahre als Fraktionsvorsitzender, die ich in meinem Leben nicht missen möchte", resümiert Schick in seinem Schreiben an Landrat Günther Denzler (CSU). Der Kreistag muss jetzt über den Antrag Schicks befinden, der auch Mitglied des wichtigen Kreisausschusses sowie der Aufsichtsräte der Sparkasse und der Krankenhaus-Gesellschaft ist.

In jedem Fall beenden will Schick seine Tätigkeit als Sprecher der SPD-Fraktion. "Mit sofortiger Wirkung" habe er in der letzten Zusammenkunft der SPD-Kreisräte seinen Rücktritt von diesem Posten erklärt, schreibt Schick weiter an Landrat Denzler mit der Bitte, die Korrespondenz des Amtes mit der Fraktion ab sofort mit seinem Stellvertreter Andreas Schwarz zu führen.

Die Formulierung "mit sofor-tiger Wirkung" - aus der großen Politik nicht unbekannt - macht natürlich nachdenklich. Gibt es neben den beruflichen vielleicht auch noch andere Gründe für die Schritte Schicks? Sowohl der bisherige Sprecher der SPD-Fraktion wie auch sein möglicher Nachfolger verneinen das. "Es führt im Hinblick auf die Kommunalwahlen in einem Jahr kein Weg an dieser Entscheidung vorbei", sagt Schick selbst. Die mit einem Wahlkampf verbundenen Verpflichtungen könne er nicht guten Gewissens zusagen.

"Nicht nur der Papst hört auf an diesem 28. Februar" meinte Schicks designierter Nachfolger, der Kreisrat und Bürgermeister Andreas Schwarz (47) aus Strullendorf. Er bekräftigt zudem die Begründung. "Es gibt sehr viel vorzubereiten für 2014, und auch in diesem Jahr stehen noch drei Urnengänge an". Schwarz muss es wissen, denn bei einer dieser Wahlen - der zum Deutschen Bundestag - ist er selber Kandidat für die SPD. Ob er da der richtige Mann ist, wenn er - was Kenner der Szene für wahrscheinlich halten - in den Bundestag gewählt werden sollte? "Für das kommende Jahr wird es in jedem Fall bei dieser Konstellation bleiben", sagt Schwarz mit Nachdruck. Ein frisch gebackener Bundestagsabgeordneten an der Spitze dürfte für die Landkreis-SPD im Kommunalwahlkampf 2014 jedenfalls kein Schaden sein.

Alles einvernehmlich

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende für Bamberg-Forchheim, der Gundelsheimer Bürgermeister und Kreisrat Jonas Merzbacher, sieht die ganze Sache positiv. "Alles ist in Ruhe und einvernehmlich gelaufen" sagt er. Und auch für ihn war diese Entwicklung "absehbar". Damit seien der Kreis- und Fraktionsvorsitz bei der Landkreis-SPD "in einer Hand". Jetzt gelte es, solchermaßen neu aufgestellt, die Sachthemen anzugehen.

Nachfolger-Wahl am Montag

"Wir gehen in jedem Fall mit Optimismus in diese Wahlen", betont Kreisvorsitzender Andreas Schwarz. "Wir danken Franz-Josef Schick für seinen Einsatz, müssen jetzt aber nach vorne schauen: Es ist volle Kraft an den Rudern notwendig". Rückblickend lobt er Schicks Engagement als Fraktionssprecher: Bei den inhaltlichen Auseinandersetzungen zum Beispiel in Sachen Mindestlohn oder Krankenhaus-Kooperation sei Schick "federführend" gewesen, habe eine kritische Meinungsbildung herbeigeführt. Als SPD sei man personell gut aufgestellt mit sechs Bürgermeistern im Landkreis, die auch bei der nächsten Kreistagswahl ein "starkes personelles Angebot" bildeten. Formal werde die Fraktion am Montag einen Nachfolger für Schick wählen.

Voraussichtlich nicht mehr dabei sein wird dann auch Gudrun Stößel aus Baunach. Auch sie erklärte ihren Rückzug aus der Landkreispolitik aus privaten und gesundheitlichen Gründen. Über ihren Antrag wird der Kreistag ebenfalls befinden müssen.
Nachrücken werden auf der SPD-Liste aller Voraussicht nach der Oberhaider Bürgermeister Carsten Joneitis und Awo-Geschäftsführer Werner Dippold. Beide hätten mündlich ihre Bereitschaft erklärt, lässt Schwarz wissen. Thematisch werde die medizinische Versorgung auf dem Lande einen Schwerpunkt bilden, aber auch Bildung und Schulsanierungen sowie der DSL-Ausbau liege der SPD traditionell am Herzen. "Es wird weitergehen mit der SPD, die seit 150 Jahren die Politik mitgestaltet", versichert Andreas Schwarz abschließend.