Dass die ersten Tage als Auszubildender kein Zuckerschlecken sind, da sind sich die meisten einig: Die neue Arbeitskleidung sitzt nicht richtig, die Namen der Kollegen hat man schon wieder vergessen und überhaupt kann man sich die Flut an Informationen kaum merken. Wie wäre es da, wenn auch Sprachschwierigkeiten dazu kämen?

Antonio Hitardo Orden und Sara Perez Aleman aus der spanischen Stadt Cuenca machen gerade diese Erfahrung. Sie sind im Zuge eines neuen Projekts der Bundesagentur für Arbeit zur Ausbildung ausländischer junger Menschen in Gastro-Betrieben nach Deutschland gekommen. Die beiden, die gerade ihr Praktikum im Welcome Hotel absolvieren, sind die ersten Teilnehmer in Bamberg. "Wir haben den Aushang beim Arbeitsamt gesehen, und da wir beide schon Erfahrung als Küchenhilfen hatten, dachten wir uns ,Warum nicht?', " erzählt Antonio Hitardo Orden.

Kommt allen zugute

Das Konzept ist einfach: Auszubildende aus Spanien, Portugal oder Italien erhalten in ihrer Heimatstadt einen zweimonatigen Deutschkurs, danach kommen sie für ein vierwöchiges Praktikum nach Deutschland. Wird dieses erfolgreich absolviert, können sie die Ausbildung im jeweiligen Restaurant oder Hotel beginnen.
"Das Projekt kommt allen zugute," sagt Hotelmanager Udo Ziegler. "In Spanien herrscht zur Zeit eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit, und hier kriegen wir unsere Ausbildungsplätze nicht voll. Sara und Antonio dagegen sind wirklich motiviert."

Der Mangel an Auszubildenden vor allem im Küchenbereich liegt vorwiegend an den Arbeitszeiten. Wer mit 16 Jahren seine Ausbildung beginnt, darf laut Jugendschutzgesetz nur bis 22 Uhr arbeiten und muss an Wochenenden und Feiertagen frei kriegen. "Da ist bei uns dann Hochsaison", kommentiert Ziegler.
Die ausländischen Jugendlichen müssen deshalb über 18 Jahre sein. Weitere Kriterien sind ein Schulabschluss sowie die Bereitschaft, Deutsch zu lernen.

Kein Heimweh nach Spanien

Sara und Antonio erfüllen alle diese Kriterien. Seit zwei Wochen schneiden sie nun schon Salat, machen Eis mit heißen Himbeeren und lernen, was Klöße sind. "Am Sonntag haben wir Käsespätzle gemacht, das hat uns beiden besonders gut geschmeckt", erzählt Sara. Um sich in der neuen Stadt zurecht zu finden, haben sie einen sogenannten Paten zur Seite gestellt bekommen, der ihnen die Stadt zeigt und bei allen Fragen des Alltags weiterhilft. "Bamberg ist toll! Wir waren schon im Dom, am Alten Rathaus und bei Bamberg zaubert", erzählt Antonio. Heimweh nach Cuenca haben die beiden noch nicht. Das, glaubt Antonio, wird wohl erst zu Weihnachten kommen, wenn es in Deutschland kalt ist.