Der Ministerpräsident wundert sich, dass er bei der Prognose: "Heit gwinnt der Glubb!" ein mit leichtem Hohn durchsetztes Gelächter erntet. Und das in Franken, 70 Kilometer von der Noris entfernt! Aber siehe da: Er bekommt Recht, am Nachmittag triumphiert der fränkische Aufsteiger über seinen Kontrahenten aus Düsseldorf mit einem glatten 3:0. Und noch eine Prognose gibt der Ministerpräsident Dr. Markus Söder in seiner viel beklatschten Wahlkampfrede in der nicht ganz vollen Steigerwaldhalle: Die Wahl am 14. Oktober werde für die CSU besser ausgehen als die Demoskopen derzeit prophezeihen. Seine Erklärung: Was solle das Bayernvolk auch anderes wählen als jene Partei, die den Freistaat über Jahrzehnte hinweg an die Spitze aller Bundesländer geführt habe? Außerdem hätten sich die Wahlforscher zuletzt oft genug vertan.

Drei Namen, die in seiner gut 50-minütigen, mit Humor und Schmeicheleien der fränkischen Seele gewürzten Rede nicht vorkommen, sind: der FC Bayern nach seiner 0:2-Schlappe in der Hauptstadt, Angela Merkel und Horst Seehofer. Markus Söder liefert eine One-Man-Show zum Frühschoppen am Kirchweih-Samstag in Burgebrach. Aber er vergisst nicht, zur Landtagswahl seine Gesundheitsministerin Melanie Huml und den Scheßlitzer Polizeibeamten Holger Dremel - "Das ist auch ein Starker!" - zu empfehlen. Auf das Duo aus dem Bamberger Raum wolle er sich gerne verlassen.

Vergleich mit den Nachbarn

Söders Wunsch an die Wähler in Bayern: Sich die schwierigen Regierungsverhältnisse in Berlin vor Augen führen oder auch das Absinken des einst starken Nachbarn Baden-Württemberg nach dem politischen Kurswechsel. Seit in Stuttgart ein Grüner regiert, sei das Nachbarland im Wirtschaftswachstum hinter Berlin und Bremen gerutscht. Söder versichert, weiterhin den ländlichen Raum zu stärken, wo die Zukunft Bayerns liege.

Als "einziger Spitzenkandidat der zur Bayernwahl antretenden Parteien, der aus Franken kommt", erklärt Markus Söder frank und frei, dass er eigentlich keinen Herausforderer erkenne, sehr wohl aber sich der Herausforderung bewusst sei. Er wisse um das Problem, dass der Euro aus der Staatskasse gern in München kleben bleiben möchte, wo er doch genauso gut nach Franken rollen müsse. Ganz Bayern weiterzuentwickeln ist sein erklärtes Ziel. Dabei sei das Land außerordentlich gut aufgestellt und mitnichten jene Bananenrepublik aus dem Zerrbild der politischen Kontrahenten. Richtung FDP donnert Söder, dass jene, die in Berlin keinen Mumm hätten, zu regieren, auch in Bayern keine Gelegenheit bekommen sollten, sich an den gedeckten Tisch zu setzen.

"Zerfaserung" droht

Während er über die SPD, die Linke oder die Freien Wähler kaum ein Wort verliert, attestiert der Regierungschef der AfD nach den Vorkommnissen von Chemnitz eine "neue Qualität". An ihrer Nähe zu Rechtsradikalen oder den Forderungen nach Bürgerwehr und Bewaffnung der Bevölkerung sehe man, welch Geistes Kind die Spitzen der AfD seien. Die sollte man besser nicht ins Maximilianeum schicken, warnt Söder. Er sorgt sich, dass Landtag und Staatsregierung "zerfasert" werden, wenn dem Parlament nach der Oktoberwahl womöglich sieben Parteien angehören sollten.

Die Asylpolitik aufgreifend, verweist Söder darauf, dass Bayern einerseits am meisten zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms im Jahr 2015 geleistet habe und jährlich etwa zwei Milliarden für den Bedarf der Migranten aufbringe. Andererseits wahre die Staatsregierung den Dreiklang aus Humanität, Ordnung und Begrenzung zum Beispiel durch den Einsatz der Grenzpolizei oder das Landesamt für Asyl und die Beschleunigung der Asylverfahren.

Mit seinem Hinweis auf die Einführung des Pflegegeldes und des Familiengeldes belegt Söder die hochrangige Verpflichtung des Freistaates zu einem sozialen Zusammenhalt und zur Verbesserung der Lebensverhältnisse. Für CSU-Politiker führe es immer wieder zu einer "inneren Entkrampfung", wenn sie aus einem anderen Bundesland kommend an der Autobahn am Schild "Freistaat Bayern" vorbeiführen. Söder sichert 100-prozentigen Einsatz dafür zu, dass Bayern stark, modern und stabil bleibt. "Gott mit dir..." intonierten die bewegten Zuhörer, nachdem sie dem Redner donnernden Applaus gespendet hatten.

Offenes Ohr für Sturm-Opfer

Anlässlich seines Besuchs trug sich der Ministerpräsident ins Goldene Buch der Marktgemeinde Burgebrach ein und hörte sich die Sorgen der Waldbauern des westlichen Landkreises nach dem Sturm am vorangegangen Sonntag an.

Bürgermeister Johannes Maciejoncyk fühlte sich geehrt von dem hochrangigen Gast und stellte den Besuchern die Landtags- und Bezirkstagskandidaten aus Stadt und Land vor. Die CSU sei für Bayern der Stabilitätsanker schlechthin und bestens vernetzt mit Berlin und Brüssel, gab Maciejoncyk zu bedenken. Am Schluss schenkte er dem Ministerpräsidenten ein längliches Kästchen aus dem örtlichen Musikalienhandel. Darin nicht etwa eine Blockflöte, sondern ein Taktstock. Besonders nützlich für den Fall, dass Bayern ein Panikorchester an der Spitze bekommt...