Die wichtigste Botschaft gleich vorneweg: Jugendliche sitzen nicht nur den ganzen Tag vor dem Computer oder kommunizieren per Smartphone. Sicher, die gibt es auch. Aber da sind noch viele, die auch in Vereinen, Jugendgruppen und Jugendzentren aktiv sind. Und das nicht nur zum eignen Vergnügen. Sie engagieren sich so, dass auch andere etwas davon haben. Ehrenamt nennt man das.

Meist denkt man dabei an Erwachsene, die in Sport- oder Musikvereinen den Nachwuchs trainieren oder die Jugendarbeit organisieren. Oder an ältere Menschen, Rentner, die Zeit haben, sich beispielsweise in Seniorenkreisen um noch ältere Mitbürger zu kümmern. Auch Vereinsfunktionäre - vom Schriftführer bis zum Vorsitzenden - fallen einem dabei ein. Dass unsere gesamte Gesellschaft ohne die Ehrenamtlichen nicht funktionieren würde, wird von Politikern in Sonntagsreden gerne betont. Von Jugendlichen ist dabei eher selten die Rede . Und sie haben auch nicht so oft Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen.

Mal Gehör finden

Doch darauf kommt es den meisten gar nicht an. Sie tun es einfach, das was sie wollen und was sie können. Zum Beispiel Senioren die Welt der Computer erklären oder feiernden Gleichaltrigen stundenlang alkoholfreie Cocktails mixen, als Pfadfinder gemeinsam die weite Welt entdecken oder beim Jugendrotkreuz Leben retten lernen und lehren.

Wenn dann mal ein Politiker von sich aus ankommt und zuhören will, dann nehmen sie das Angebot gerne an und machen auch den Mund auf. So etwa im Bürgersaal in Stegaurach. "Landrat on Tour - Eure Meinung ist gefragt", hatte Johann Kalb schon im vergangenen Sommer, kurz nach Amtsantritt angekündigt. Sozusagen eine mobile Jugendsprechstunde des Landrats. Hören, wo der Schuh drückt, und gleichzeitig Interesse an der Politik wecken, so Kalbs Motivation.

Tour-Termine

Den Auftakt machte ein Überraschungsbesuch bei der "School's Out Party" im Strullendorfer Jugendzentrum Ende Juli 2014. Im Oktober folgte dann ein Besuch der Don-Bosco-Schule in Stappenbach. Und nun hatte der Landrat ehrenamtlich tätige Jugendliche nach Stegaurach eingeladen. Sie sollten Gelegenheit haben, sich und ihr Engagement vorzustellen - und waren auch aufgerufen, Probleme anzusprechen und Wünsche zu äußern.
Vier Gruppen kamen aus der verbandlichen Jugendarbeit des Kreisjugendrings (KJR), vom Jugendrotkreuz und von den Pfadfindern, aus der Sportjugend und aus der evangelischen Jugendarbeit. Aus der offenen Jugendarbeit nahmen ebenfalls vier Gruppen - aus Memmelsdorf, Strullendorf, Herrnsdorf und Gundelsheim - über den Verein Innovative Sozialarbeit (Iso) zur Landrats-Sprechstunde.

Allein schon diese kleine Auswahl aus den unzähligen Jugendgruppen - ob vereins- oder verbandsgebunden oder frei - zeigte die enorme Vielfalt Jugendlichen Engagements im Landkreis. Und die Politiker, neben Kalb Bürgermeister Thilo Wagner und Staatssekretär Thomas Silberhorn, lauschten interessiert und gaben zu erkennen, dass sie selbst etwas überrascht über diese Vielzahl verschiedenster Möglichkeiten jugendlichen Engagements waren.

Erfreulich wenige Probleme

Erfreut waren die Politiker auch, dass dabei kaum Probleme auf den Tisch kamen, die ihnen zuzuschreiben wären. Überhaupt hatten die Jugendlichen wenig zu klagen. Vielleicht mal hier oder dort eine unzulängliche Räumlichkeit. Ansonsten kam immer wieder nur eins zur Sprache: Die Schule nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass das private, ehrenamtliche Engagement damit kaum noch unter einen Hut zu bringen ist. Und für diejenigen, die schon arbeiten - nicht nur Schüler engagieren sich! - ist es meist noch viel schwieriger, eine Freistellung von der Arbeit zu bekommen. Oft genug wird dann Urlaub fürs Ehrenamt geopfert.

Der Tenor der Jugendlichen trotzdem: Es lohnt sich, es macht Spaß, es bringt einem selber weiter, man lernt dabei - und ein bisschen Anerkennung von Gleichaltrigen, aber auch von Erwachsenen ist sicher nicht verkehrt. So erfüllte das Treffen also durchaus seinen Sinn - sowohl für die Jugendlichen und für die Politiker. Konkrete Probleme kann der Landrat ja bei weiteren Tour-Terminen lösen.