Des soll etz ka Predicht wern, aber - es ist doch wirklich nicht zu leugnen, dass es den meisten Menschen gut geht, vielleicht sogar besser als jemals. Im Gegensatz dazu möchte ich ein paar Erinnerungen lebendig werden lassen, an die armen und schlechten Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Vor allem die Fleisch- und Fettrationen - die es nur auf Lebensmittelmarken gab - wurden ständig weniger.
Schon im November stellte die Mutter die Frage: "Und, wie sichts heuä mit deä Weihnochtgons aus?" "Ich hob scho wos in Aussicht", antwortete der Vater. Er sollte einen Eimer und "a Struutzschöpfn" in Handarbeit aus verzinktem Blech machen, und der Bauer aus dem Steigerwald wollte ihm dafür eine Gans geben. Geld war ja damals nichts wert, aber der Tauschhandel florierte.

Richtig - vier Wochen vor Weihnachten brachte der Mann die Gans, die dann in ein Ställchen in der offenen Halle gesetzt wurde. A Schüsssl mit Wassä und aana mit Futtä is dävoä gstellt worn. Jeden Abend zog die Mutter seufzend eine warme Jacke an und setzte ein Kopftuch auf: "So, und etz geh i zu meinä Wiwi!" In der kalten Waschküche setzte sie sich auf einen Stuhl, nahm die Gans zwischen die Beine und "schoppte" sie. Naa, brutal "gstopft" hot sie sie net! Weil damals Maiskörner nicht aufzutreiben waren, musste sie einmal in der Woche "Gänsklöß" aus Kartoffeln, Schrot und Gerstenkörnern kochen. Die wurden in fingerdicke Scheiben geschnitten, und der Wiwi unter gutem Zureden in den Schnabel geschoben, dann mit der Hand sanft am Kropf entlang gestrichen. Nooch aanä Wal is weitä ganga.

Scharfer Schnitt an richtiger Stelle

Meinä Muttä hot die Gons orch gereut, als ein paar Tage vor Weihnachten die Großmutter Kuni zum Schlachten gekommen ist. Obä, wos tut mä net alläs füä sei Familie! Die kleine alte Frau sprach beruhigend mit der Gans, und mit einem einzigen, scharfen Schnitt an der richtigen Stelle war's getan. "Des Tierla hot goä nix gspürt", erzählte die Mutter dann, denn wir Kinder durften beim Schlachten nicht dabei sein. Geschickt fing die Großmutter auch noch das Blut auf - fürs Gänsjung! " Des is obä a stramma Gons", sagte sie bewundernd. Groß war auch die Freude beim Ausnehmen: So a großa Läbern! Die Küchenwaage zeigte 300 Gramm an.

Zeitig am ersten Weihnachtsfeiertag kam die Gons nei die Röhrn, mit Salz, Pfeffer und Beifuß eingerieben. Aber gegen elf Uhr - nooch dä Kerng - gabs noch ein zweites Frühstück für den Beschaffer der Gans, den Vater: Saure Gänseleber! Miä Kinnä hom scho immä a poä Bröckäla väsuung gederft und ich soll als kleines Mädchen gesagt haben: "Des is des besta Essn auf dä ganzn Welt!" Aber diesmal - bei der großen Leber - durften mein Bruder und ich sogar mitessen. Die Mutter kümmerte sich unterdessen um die Gans. Die Haut sollte, wie jedes Jahr, gut ausgebraten sein, ohne Fettschicht darunter, gleichmäßig braun, rösch und knusprig.

"So wos!". Aufgeregt kam plötzlich die Mamma aus der Küche gelaufen. "Etz is die Gons drei Stundn drinna und is nuch staahart! Do könnst doch aus deä Haut fohrn! Des derf doch net wohä sei, der Moo hot uns dodsächlich a olda Gons oogedreht, die wu net waach werd!" Und dann, nach einer Weile nachdenklich: "Manchmol hob i mä fei scho gädocht, dass mit dera wos net stimma konn: Sie hot nämlich so a tiefa Stimm ghobt!"