Wenn die Zeit zum "Stärk' antrinken" gekommen ist, kann man das in den Wirtshäusern im Bierland Bamberg ruhigen Gewissens tun. Denn niemand muss befürchten, dass der hier verabreichte Gerstensaft dem in anderen Biergauen irgendwie nachstehen würde. Falls es dafür noch einen Beweis bräuchte: Gerade ist ein junger Mann aus Lohndorf bester Braumeister der Handwerkskammer für München und Oberbayern geworden. Oberbayern, nicht Oberfranken. Als erster seines Jahrganges hat Johann Hölzlein seine Ausbildung bei der renommierten Braumeisterschule Doemens in Gräfelfing abgeschlossen.

Ob man als jüngster Sproß einer alteingesessenen Lohndorfer Brauerei da hineingeboren wird? Bei Johann Hölzlein war das nicht so. "Der Beruf war meine ganz eigene Entscheidung. Und ich möchte jetzt auch gar nichts mehr anderes machen, als gutes Bier zu brauen", ist der gerade 21 gewordene junge Mann überzeugt. Dafür hat er immerhin die Möglichkeit sausen lassen, Abitur zu machen und irgendetwas Fragwürdiges zu studieren. Nach der zehnten Klasse am Franz-Ludwig-Gymnasium war für ihn Schluss, er begann am 1. September 2008 eine Ausbildung bei der Brauerei Beck in Trabelsdorf bei Andreas Gänstaller. Im Sommer 2010 war er damit fertig und weil man inzwischen nicht mehr so und so viele Gesellenjahre braucht, bis man zur Meisterprüfung zugelassen wird, hängte Johann Hölzlein die zweite Stufe gleich an. "Dass daheim ein Gasthof auf mich wartet, hat dabei keine Rolle gespielt. Für mich war es einfach der Beruf meines Lebens", sagt er rückblickend. Immerhin ist er damit in der Familientradition der jüngste Braumeister. Sein Vater Heinrich war 24, als er 1984 den Meistertitel erhielt, sein Großvater - er hieß ebenfalls Johann - war 32. Und der große Bruder braut bei Stiegel in Salzburg, der größten Privatbrauerei Österreichs.

Ein Jahr lang hat Johann Hölzlein bei Doemens die höheren Weihen des Brauwesens erhalten und im Sommer erfahren, dass er als Jahrgangsbester abgeschnitten hat. Unter 36 Mitstreitern aus aller Welt immerhin, die daheim auch zu großen Hoffnungen berechtigten. Von Brasilien bis Südkorea waren Kollegen dabei, und natürlich auch aus Oberbayern. Aber nirgendwo wird mehr bestritten, dass im Bamberger Land gutes Bier gebraut wird.

Die Doemens-Brauerschule beschreibt Johann Hölzlein als "eine komplette Brauerei mit Abfüllanlage und Labor". Wesentlicher Teil der Prüfung waren chemisch-technische und mikrobiologische Untersuchungen des Gerstensaftes. Gemessen werden kann beispielsweise der Stickstoff-Gehalt im Malz, der sich auf den Eiweiß-Gehalt im Bier auswirkt. "Das gibt dann den Ausschlag für Schaum, Farbe und Geschmack". Und bei der mikrobiologischen Prüfung wird festgestellt, ob Mikroben den Genuss beeinträchtigen können.

Ansonsten war bei der Prüfung viel Theorie gefragt. "Die Handwerkskammer München und Oberbayern ist dafür bekannt, dass sie eine der anspruchvollsten Prüfungen im Brauereiwesen in Deutschland hält", sagt Johann Hölzlein. Bei der Abschlussfeier würdigte deshalb nicht nur Präsident Traublinger, sondern auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude die jungen Braumeister. Dabei wurde mit Urkunde und Medaille gewürdigt, dass Johann Hölzlein eine besonders gute Prüfung gemacht hat.

Sortiment wird größer


Auf das Getränke-Angebot in der heimischen Brauerei wirkt sich das am heutigen 6. Januar aber noch nicht aus. "Für heute bleibt es noch beim gewohnten Vollbier", sagen Johann und sein Vater Heinrich Hölzlein. Dann aber soll die Sache vielfältiger werden. Zur Kirchweih gibt es wieder das "Kerwasbier", dessen Premiere der Jung-Meister im vergangenen Jahr gefeiert hat. "Der Sud waren schnell getrunken", zieht er eine erfreuliche Bilanz seiner ersten "Innovation". Im Herbst soll es dann erstmals ein Bockbier aus dem Hause Hölzlein geben. "Ich freue mich schon auf das Brauen daheim", sagt Johann. Einen Vergleich mit dem Oktoberfestbier braucht man wohl nicht zu scheuen. Das wird man jenseits des Weißwurst-Äquators vielleicht noch verdauen müssen.