Der Bamberger Rotlicht-Prozess hätte eigentlich alle Zutaten für ein vielsprechendes Drehbuch gehabt, Sex und Kriminalität, Männerfreundschaft und Verrat. Doch handelte es sich um ein Stück Realität, das gerade im Fall der schweren Brandstiftung auf den Bordellbetrieb im Laubanger ein schlimmes Ende hätte nehmen können.
Die Verhandlung gewährte, wie es Vorsitzender Richter Manfred Schmidt formulierte, "Einblicke ins Milieu, die man sonst nicht bekommt". So erfuhren die Zuhörer vom Geschäftsgebaren im horizontalen Gewerbe, von den Vermietern entsprechender Etablissements und von Prostituierten, die sich einmieten, um auf eigene Rechnung zu arbeiten.
Auf der Anklagebank saßen sieben Männer, vertreten durch acht Anwälte. Der 55-jährige Winfried E. (Namen geändert), der nach Überzeugung des Gerichts bei allem das Sagen hatte, und sechs jüngere Männer im Alter von 24 bis 27 Jahren. Da war Peter U., der bei E. in die "Lehre" gehen und sein Nachfolger werden sollte, und seine Freunde, die mit ihm die Straftaten begingen. Bei einigen spielte die Drogensucht eine entscheidende Rolle wie bei Benjamin C., der weiter in der Szene mitmischen wollte, um an Drogen zu kommen. C. sollte sich nach einem missglückten Drogengeschäft bewähren, indem er das Auto von Winfried E.s Bruder anzündete. Der zu fünf Jahren und sechs Monaten Gesamtstrafe verurteilte C. soll wie Sebastian O. (fünf Jahre, neun Monate) zunächst in einer Entzugseinrichtung von den Drogen loskommen. Wie der Vorsitzende Richter ausführte, hat O. eine besondere Motivation, die Therapie nicht scheitern zu lassen: Er ist vor kurzem Vater geworden, durfte sein Kind bislang aber nur durch die Trennscheibe sehen.
Groteske Züge trägt ein weiterer Brandanschlag, der eigentlich das Auto des konkurrierenden Bordellbetreibers Herbert D. treffen sollte (Schmidt: "Herbert D. sollte weg aus Bamberg"). Weil U. aber die Kennzeichen verwechselte, wurden Haus und Auto eines Unbeteiligten beschädigt. Bei allen Anschlägen zusammen entstand so ein Sachschaden von deutlich über 100 000 Euro. "Ich verstehe nicht, dass Sie Randale machen, obwohl sie nichts davon haben", wandte sich Schmidt an die Angeklagten. "Sie können nicht einfach hinterher sagen: Das war nicht so schlimm. Das sind Taten, die auch bestraft werden müssen."
Entsprechend kämen für die Kammer nicht die Mindeststrafen in Frage, die von einigen Verteidigern gefordert worden waren. So wird auch Rüdiger D. am Ende zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Lediglich Sven T., der nur am letzten Anschlag beteiligt war, bekommt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.
Dass U. schließlich zehn Monate länger in Haft soll, als von der Staatsanwaltschaft angeboten, erklärt Schmidt unter anderem mit weiteren Straftaten, die später hinzukamen und mit dem eingestellten Betäubungsmittel-Verfahren.
Dennoch würdigte der Vorsitzende Richter U.s mutige Aussage, die von hoher Qualität gewesen sei. Was den zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilten E. angeht, zeigte sich Schmidt überzeugt: "Er hatte die Tatherrschaft. Wenn er ,Schluss' gesagt hätte, dann wäre auch Schluss gewesen."