Vor seinen letzten Worten musste der Angeklagte erst einmal dringend auf die Toilette. Warum er es sich nicht noch kurz verkneifen konnte, wurde bei seiner darauffolgenden "Rede" klar: Es war fast schon ein Plädoyer, mehrere Minuten lang, das er vor der Zweiten Strafkammer des Bamberger Landgerichts vortrug.

Aufrecht dastehend beteuerte Kalle W. (Name von der Redaktion geändert), dass er sein Leben umkrempeln wolle. "Ich habe seit über 30 Jahren mit Drogen zu tun, sie haben mein Leben gesteuert. Nun stehe ich wieder vor Gericht, hoffentlich das letzte Mal. Zehn Jahre habe ich bereits abgesessen. Was nutzt es, wenn ich jetzt wieder eingesperrt werde? Danach geht alles von vorne los. Es ist mein Wunsch, eine Therapie zu machen. Ich möchte die Chance, ein drogenfreies Leben führen zu können."

Worte, mit denen der 57-jährige Forchheimer das Gericht milde stimmen wollte. Doch es glaubte ihm nicht. Denn: Kalle W. hat bereits zwei Therapieversuche hinter sich, beide sind gescheitert. Mehr noch: "Sie haben sämtliche Chancen, die Sie in der Vergangenheit bekommen haben, nicht genutzt", sagte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in der Urteilsbegründung.

Kalle W. war wegen zahlreicher gravierender Betäubungsmitteldelikte verurteilt worden, hat insgesamt fünf Mal gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen und "zwei Damen in seine kriminellen Machenschaften verwickelt, die bis dahin noch nichts mit Rauschgift zu tun hatten", erläuterte Richter Schmidt.

"Crystal" in nicht geringer Menge nach Deutschland eingeführt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kalle W. in insgesamt zehn Fällen die Droge "Crystal" in nicht geringer Menge an der Grenze zur tschechischen Republik gekauft und im Raum Bamberg und Forchheim gewinnbringend weiterveräußert hat. Der Hartz-IV-Empfänger habe mit dem Verkauf seine eigene Sucht und seinen Lebensstandard finanziert. Dabei hat er sich der Hilfe zweier Frauen bedient, mit denen er parallel Affären hatte. Beide sagten vor Gericht aus, sie seien ihm "hörig" gewesen.

Ursprünglich war Kalle W. in der Anklageschrift der "unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge" und des "Handeltreibens" damit in 22 Fällen beschuldigt worden. Im Zeitraum von 2009 bis 2012 sollen so insgesamt zwei Kilo Drogen zusammen gekommen sein.

Doch im Laufe des Prozesses wurde Kalle W. in zwölf Fällen frei gesprochen. Sein Verteidiger, Christian Barthelmes, forderte insgesamt Freispruch und betonte in seinem Plädoyer: "Es gibt keine Hinweise für einen ,Crystal-König'!" Allerdings: Sehr wohl schuldig sprach das Gericht Kalle W. in zehn Fällen, in denen er rund 600 Gramm "Crystal" nach Deutschland eingeführt und verkauft hat, und zwar im Zeitraum vom Sommer 2010 bis zum August 2012.

Den Wunsch des Angeklagten auf Unterbringung in einer Entziehungsanstalt lehnte die Kammer ab. "Sein Wunsch danach soll nur der Haftvermeidung dienen. Wir gehen davon aus, dass er weiterhin Straftaten begehen wird. Und, dass eine erneute Therapie wieder nicht erfolgreich sein wird", erläuterte der Vorsitzende Richter.