Noch stehen den Bewohnern des Hirschaider Ortsteils Regnitzau die Bilder des Hochwassers im Januar 2011 vor Augen. Damals hatte der Stand der Regnitz eine kritische Höhe erreicht und anschließend war auch noch der Grundwasserpegel angestiegen. Noch schlimmer war die Situation im Januar 1995, als die Regnitz in der Uferstraße nur noch zwei Zentimeter unterhalb der Dammkrone stand und bereits eine Evakuierung der Regnitzau vorbereitet wurde. Der Rückstau in den Mühlbach überflutete damals dennoch einige Straßen und über die Kanäle stieg das Wasser bis zum TSV-Sportheim und zur Volksschule. Jedes Mal waren auch Anwohner betroffen, denn Keller liefen voll und schwere Schäden blieben zurück.

Damit soll nun endlich Schluss sein, denn am gestrigen Freitag fand in Anwesenheit des Bayerischen Umweltministers Marcel Huber der offizielle erste Spatenstich für die Hochwasserfreilegung statt. Rund 100 Gäste waren zu diesem Anlass gekommen, die meisten von ihnen Anwohner und Grundstückseigentümer. Hirschaids Bürgermeister Andreas Schlund hatte während des Festaktes an die Beinahe-Katastrophen der letzten Jahre eindringlich erinnert und war sichtlich froh über die jetzt beginnenden Bauarbeiten.

Trotz des freudigen Anlasses war die Stimmung nicht ungetrübt, denn in den vergangenen Jahren waren Anwohner und Behörden mehr als einmal aneinander geraten. Zu Beginn der Planungsmaßnahmen hatten sich alle Beteiligten auf einen Hochwasserdamm geeinigt, der im Auenwald westlich der Besiedlung verlaufen sollte. Dann wurde das fragliche Gelände zum schützenswerten FFH-Gebiet, einem Naturschutzraum von europäischem Rang, erklärt und die Trasse des Hochwasserdammes musste verlegt werden - direkt an den Rand der Bebauung und mit Zuhilfenahme einer Spundwand. Das rief die Anlieger auf den Plan, die kein Wasserbauwerk, das ihnen die Bedrohung direkt vor Augen führt, in unmittelbarer Nähe haben wollten. Diese verzwickte Situation zwischen Menschenschutz und Naturschutz hatte mehrjährige Diskussionen zur Folge. Jetzt scheint alles geklärt, denn alle anwesenden Redner versicherten sich gegenseitig ihrer guten Zusammenarbeit. "Es ist besonders schwierig, wenn man persönlich Verständnis für die Bedenken der Bürger hat, aber aufgrund der Gesetzgebung zu bestimmten Reaktionen gezwungen ist", resümierte Landrat Günther Denzler die Verhandlungen der letzen Jahre.

Die Trasse der nun als Damm zu gestaltenden Spundwand bleibt nahe an den Wohnhäusern und auch das Naturschutzgebiet wird nicht angetastet. Minister Huber merkte an, dass Bayern sich seit dem Pfingsthochwasser 1999 verstärkt für den Hochwasserschutz einsetzt und die Regnitzau Teil einer größeren Maßnahme entlang der Regnitz ist. "Respekt vor dem Hirschaider Gemeinderat, der sich an diese Baumaßnahme gewagt hat", sagte Huber. Das Acht-Millionen-Projekt soll die Regnitzau vor einem 100-jährlichen Hochwasser schützen. Eine 1,2 Kilometer lange Mauer und 600 Meter Schutzdeich mit zwei Pumpwerken werden in der Lage sein, einen möglichen Schaden in Höhe von 20 Millionen Euro zu verhindern. Ein Hochwasser beträfe 500 Einwohner in 250 Häusern auf 29 Hektar Fläche, dazu mehrere Gewerbebetriebe und soziale Einrichtungen. Geduld ist von den Regnitzauern weiterhin gefragt, denn die Bauarbeiten - mit Lärm und Dreck verbunden - gehen jetzt erst los.