Zu wenig Obst und Gemüse, zu viel Fleisch, zu wenig Fisch - zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesernährungsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung des Schulessens. Die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg befragte hierzu rund 1500 Schulleitungen, 212 Schulträger und 12 000 Schüler. In der Studie ist zu lesen, dass nur in 39 Prozent der befragten Schulen die Mittagspause länger als 45 Minuten dauert und angesichts zu langer Transportzeiten vielerorts zu viele ungeeignete Gemüsesorten angeboten würden. Der zuständige Ressortminister Christian Schmidt (CSU) fordert deshalb verbindliche Pflegestandards und einen "Ernährungs-Tüv".

In Bayern ist das alles so neu nicht. Hier koordiniert die Vernetzungsstelle Schulverpflegung im Auftrag des Ernährungsministerium die Bemühungen um eine gesunde und ausgewogene Ernährung in der Schule. Die Schulküchen erhalten deshalb regelmäßig entsprechende Hinweise und Ratschläge für den Speiseplan.
Allerdings wird lediglich in 25 Prozent der Schulen das Essen täglich frisch zubereitet. Beinahe zwei Drittel der Schulen greifen auf die Lieferung von warmen Speisen zurück. Und hier sind es wiederum 24 Prozent, die das Essen von anderen sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen beziehen. Das sei nicht ideal, so Margit Hofmann-Schmitt, die zusammen mit Claudia Gräf die Mensen dreier Bamberger Gymnasien betreibt.

Verärgert über Kritik

"Bei und wird täglich frisch gekocht. Da gibt es nichts Aufgewärmtes", erklärt sie, um im nächsten Atemzug zuzugeben, dass sie sich gestern schon über die in der Schulessen-Studie laut gewordene Kritik geärgert hat. Das versteht, wer einen Blick in ihre Küche wirft, wo gerade eine Möhrencremesuppe zubereitet wird. Oder mit Freude das umfassende Snack- und Brötchenangebot an der Essenstheke registriert. Zur Möhrencremesuppe gab es gestern übrigens für Vegetarierfreunde eine überbackene Fleischtomate mit Nudel-Reisfüllung und Salat oder alternativ ein Sahne-Zwiebelschnitzel. Jeden Tag stehen zwei Hauptgerichte zur Wahl, eines davon immer vegetarisch. Beim Blick auf den Wochenplan wird schnell deutlich, dass die Kritik der Studie Margit Hofmann-Schmitt eigentlich gar nicht treffen kann.

Gemüse im Salat versteckt

Sie "versteckt" sogar in ihrem Spätzlesalat immer ein wenig Gemüse, weil die Kinder und Jugendlichen das sonst nicht so gern essen wollen. Snacks gibt's immer in der Mensa, für den Appetit zwischendurch. Oder ein individuell zu belegendes Brötchen, oder ein Stück vegetarische Pizza. Von 7.30 Uhr bis 15 Uhr ist die Mensa des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums geöffnet. Wer Hunger hat, kann sich jederzeit versorgen.
Kein Wunder, dass Schulleiter Wolfgang Schubert mit seiner Mensa zufrieden ist. Aber nicht nur er, auch die Schüler. Der 16-jährige Markus isst drei Mal in der Woche in der Mensa. Meist das Hauptgericht. Das Essen sei gut und abwechslungsreich, befindet er. Auch Elena (16) und Barbara (17) essen hier regelmäßig. Allerdings weniger ein Hauptgericht, viel lieber einen Snack oder ein Brötchen. Auch wenn die Schlange an der Ausgabestelle für die Snacks oft deutlich länger ist als bei den Hauptgerichten. Ganz nebenbei: Auch in den Snacks versteckt sich oft Gemüse. An einer gesunden Ernährung kommen die Schüler bei Claudia Gräf und Margit Hofmann-Schmitt eben nicht vorbei.