Bei den 3,6 Millionen Euro, die die Sanierung des Schlosses Sassanfahrt kosten sollte, wird es nicht bleiben: Im Marktgemeinderat hat man 700.000 Euro Mehrkosten addiert, nachdem der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Georg Kestler, die Alarmglocke geläutet hatte.

Er nannte es "eine große Sauerei", dass sich ohne Kenntnis des Gemeinderats oder der zuständigen Ausschüsse solche Mehraufwendungen angesammelt haben. Schnellstmöglich forderte Kestler, die Karten auf den Tisch zu legen und den Ausschuss für Liegenschaften einzuberufen. Der Architekt soll Rede und Antwort stehen.

Der ist um eine solche nicht verlegen, wie infranken.de vorab in Erfahrung bringen konnte. Architekt Gerhard Plaß, Thiersheim, wundert sich über die Aufregung im Marktgemeinderat. Alle Aufträge seien durch Beschlüsse des Gremiums vergeben worden, auch alle Maßnahmen, die sich während der Sanierung kurzfristig als notwendig erwiesen hätten.

"Schatz" unter dem Fassadenputz

So hatte niemand geahnt, welche wertvollen Sandsteingewände unter dem Fassadenputz verborgen waren. Nachdem man ihn abgeschlagen hatte, konnte man gar nicht anders, als "diesen Schatz" hervorzuheben. Bürgermeister Andreas Schlund (CSU) erklärte, dass man in bestimmten Situationen den Mut zu einem Schnellschuss haben müsse.

Auch für den steilen Hang zwischen der Pfarrer-Hopfenmüller-Straße und dem Schlosskomplex seien überraschend hohe Mehrkosten entstanden, bestätigt der Architekt. Denn: Erst nach der Entfernung des vormaligen Wildwuchses konnte der Bodengutachter die Gefahr eines Grundrutsches mit drohenden Auswirkungen auf die Fahrbahn erkennen. Hier trat dann auch noch eine Menge Wasser aus, das den Schlosskeller teilweise einen halben Meter hoch überflutete. Es musste eine neue Stützmauer errichtet werden.

Das Hangwasser wird nun abgeschlagen und unter dem Schloss in ein Reservoir für die Gartenbewässerung geleitet. Da kommen rasch Mehrkosten in sechsstelliger Höhe zusammen. Plaß vermutet, dass 700.000 Euro zu hoch gegriffen sind, aber mehr als vier Millionen Euro werde die Schlosssanierung wohl doch kosten. Das Schloss sei es wert. Weit und breit gebe es nichts Vergleichbares. Der Architekt verweist im Übrigen darauf, dass etwa bei den Zimmerer-, Dachdecker und Verputzarbeiten Einsparungen gegenüber der Kalkulation erreicht werden konnten.

Erhebliche Verwunderung löste bei Gemeinderat Kestler die Steigerung der Ausstattungskosten hervor. Die waren zuerst mit 100.000 Euro beziffert, nun stehen 320.000 Euro unterm Strich der Wunschliste. Architekt Plaß erklärt die Abweichung damit, dass 100.000 Euro gereicht hätten, wenn man das Schloss - wie ursprünglich beabsichtigt - nur in ein Ausstellungsgebäude umgewandelt hätte. Inzwischen wurde aber eine Nutzung als Bildungsstätte festgelegt. Schulungsräume, ein großer Versammlungsraum und ein Café kamen hinzu.

Förderung aus Leader-Mitteln

Normalerweise werde die Ausstattung nicht bezuschusst, betont Plaß. Doch sei es gelungen, dafür eine Förderung aus dem Leader-Projekt der Europäischen Union zu bekommen: 50 Prozent der zuschussfähigen Kosten zahlt Brüssel. Da habe man gleich noch den Rechen und den Rasentraktor mit beantragt, so dass sich eine Summe von 320.000 Euro ergab, erklärt der Architekt. Gerade solche Posten seien aber wieder gestrichen worden. Letztlich verblieben 260.000 Euro als förderfähige Kosten. Noch sei aber nichts bestellt, versichert Plaß. Da könne der Gemeinderat noch sparen.

Annette Schäfer, die als Chefin der Kunst- und Kulturbühne Hirschaid die künftige Schlossherrin sein wird, hofft, dass möglichst viel von dem Ausstattungskonzept übrig bleibt. Es sei zwischen dem Architekturbüro, dem Dritten Bürgermeister Erwin Krämer und ihr entwickelt worden. Von der Antragstellung her müsste es dem Gemeinderat bekannt sein, meint Schäfer. Unterschwellig warnend fügt sie hinzu: "Die hohe Förderung aus dem Leader-Projekt hängt mit der Qualität des Antrags zusammen."