"Die Touristen fotografieren sich wund!" scherzt Ulrike Heucken, wenn sie auf das "schwarze Schiff" angesprochen wird, das seit Jahresende auf Höhe Kranen mitten in der Regnitz vor Anker liegt. Das "schwarze Schiff" ist der historische Kahn des Bürgervereins Sand und laut Vorstandsmitglied Heucken ist der malerische Parkplatz im Wasser eine Notlösung. Wie so viele Provisorien wird auch dieses von einer gewissen Dauer sein.

Denn der Platz, an dem der alte Frachtkahn früher verankert war, wird seit Herbst durch die "Franken" aus der Flotte der Personenschifffahrt Kropf eingenommen. Und weil das Unternehmen auch im Jahr nach der Landesgartenschau eine rege Nachfrage für den jüngsten Zukauf verzeichnet, wird man es laut Kapitän Oliver Laudt behalten.

Er bestätigt, dass die "Franken" genau dort vor der alten Fleischhalle verankert ist, wo das Bürgervereins-Schiff Jahrzehnte lang lag. Das sei der einzige Platz, an dem man ein Fahrgastschiff einigermaßen sicher parken kann, sagt der Mitinhaber und Sohn von Chefin Christl Kropf: An dieser Stelle gebe es einen Stromanschluss und sei die Wassertiefe ausreichend.

Wie bei der Sandkirchweih

Zudem war dieser Platz im Herbst frei, als die "weiße Flotte" in die Winterpause ging. Das Bürgervereins-Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im Hafen, wo Ehrenamtliche seit Mai 2012 an der Restaurierung des Museumsstücks arbeiteten. Als der Kahn im November zurückkehrte, einigten sich Bürgerverein und Familie Kropf darauf, ihn vorübergehend dort zu verankern, wo er auch während der Sandkirchweih liegt: mitten im Fluss.

Dort stört er angeblich auch nicht, wenn die Ausflugsschiffe in Kürze wieder ihren Betrieb aufnehmen. Alle drei Schiffe - die "Christl", die "Stadt Bamberg" und die "Franken" - könnten beim An- und Ablegen problemlos den Kahn umfahren, sagt Kapitän Laudt.

Diese Lösung hat auch den Segen des für Bamberg zuständigen Wasserwirtschaftsamts Kronach. Abteilungsleiter Hans-Joachim Rost spricht von einer Übergangslösung für 2013. Nach seinen Angaben ist es grundsätzlich so, dass niemand Ansprüche auf die Nutzung eines öffentlichen Gewässers hat, wie es die Regnitz ist. Es gibt also auch keinen Privatparkplatz im linken Regnitzarm.

Vorrang für die Personenschifffahrt

Im speziellen Fall räumt die Behörde bzw. der Freistaat Bayern der Personenschifffahrt einen gewissen Vorrang ein, weil man sie als eine Attraktion in der Stadt Bamberg betrachtet: "Wir helfen, indem wir Stell- und Befahrmöglichkeiten schaffen." Dieses Entgegenkommen ist, wie er betont, unabhängig davon, unter wessen Flagge die Schiffe fahren.

Beim Bürgerverein muss man dennoch etwas überrumpelt gewesen sein, als die "Franken" plötzlich den angestammten Liegeplatz des Kahns eingenommen hatte. Das gibt stellvertretende Vorsitzende Ulrike Heucken zu verstehen, will jedoch nicht von einem Konflikt sprechen. Die Wogen scheinen sich inzwischen auch geglättet zu haben. Der BV hat sich mit der Übergangslösung arrangiert.

Im Stadtbild macht sich der Kahn in der Verlängerung der Landzunge an der Unteren Brücke sogar ausgesprochen gut. Er ist zum beliebten Fotomotiv geworden und die Möwen haben ihn längst für sich erobert.

Das letzte in Bamberg gebaute Schiff

Das so genannte schwarze Schiff ist durchaus eine Sehenswürdigkeit für sich: 85 Jahre alt und nach den Recherchen von BV-Mitglied Christopher Kropf und Barbara Wiendl vermutlich das letzte, das in Bamberg gebaut wurde - wenn man von der Personenfähre am Mühlwörth absieht, die das Don-Bosco-Jugendwerk 2012 zu Wasser ließ. Das "schwarze Schiff" besteht aus Stahl und wird von tausenden Nieten zusammengehalten. Entstanden ist es 1927 in der Schlosserei Franz Leicht.

Zunächst diente es dem Kiesabbau, wechselte später mehrmals die Besitzer und wurde schließlich in den 1970er Jahren von einer Bamberger Baufirma dem Bürgerverein Sand überlassen. Der setzte es fortan während der Kirchweihtage ein: Beim Fischerstechen spielt darauf die Musik, früher veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr vom Kahn aus ihre "Wasserspiele", das "Entenrennen" startete dort und auch manches Kerwa-Feuerwerk wurde an Bord gezündet.

Als das Schiff Ende 2012 plötzlich wieder mitten im Fluss lag, hätten einige Leute sich schon auf ein spektakuläres Silvesterfeuerwerk gefreut, berichtet Heucken. Sie habe entsprechende Anfragen erhalten. Der Kahn befand sich nach ihren Angaben seit geraumer Zeit in einem so schlechten Zustand, dass man sich im Bürgerverein für die Frage gestellt sah: verschrotten oder restaurieren? Man entschied sich fürs Herrichten und bildete eine Arbeitsgruppe Schiff, in der neben anderen auch Christopher Kropf mitwirkt. Freiwillige investierten von Mai bis November 2012 viele Stunden Arbeit in das Museumsstück, um es der Nachwelt zu erhalten. Kropf und Gleichgesinnte finden: "Es gehört eigentlich zu Bamberg!" Zu Ende ist die Restaurierung noch nicht.