Welche besonderen Pflanzen leben auf den Trockenrasen im östlichen Landkreis Bamberg? Gibt es seltene Schmetterlinge? Nicht immer lassen sich diese Fragen auf den ersten Blick beantworten. Deshalb wurden 2014 im Rahmen des Bayern-Netz-Natur-Projektes "Blühender Jura im Landkreis Bamberg" Kartierungen auf ausgewählten Magerrasen der Gemeinden Buttenheim, Heiligenstadt, Hirschaid, Litzendorf, Königsfeld, Scheßlitz, Stadelhofen, Strullendorf und Wattendorf durchgeführt.

"Kartierungen, das heißt Experten schauen sich die Biotopflächen ganz genau an und dokumentieren ihre Funde", erklärt Projektleiterin Christine Hilker in der Mitteilung vom Landschaftspflegeverband Landkreis Bamberg, das im Landratsamt beheimatet ist. Mehrere Tage waren Diplom-Geoökologe Erich Spranger und Diplom-Biologe Martin Bücker 2014 im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes in der Natur unterwegs und nahmen die Trockenlebensräume unter die Lupe. Jetzt liegen die Auswertungen vor.

Das vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Projekt "Blühender Jura im Landkreis Bamberg" wurde ins Leben gerufen, um die Trockenbiotope im östlichen Landkreis zu vernetzen und die Beweidung als wichtiges Instrument der Erhaltung dieser Lebensräume zu fördern.

Im Vordergrund der Kartierungen stand deshalb zum einen die Frage, welche Pflanzen und Schmetterlinge leben überhaupt auf den Flächen, zum anderen wie sich Verbuschung versus Landschaftspflege und Beweidung auf die Trockenrasen auswirken. Lässt sich der Artenrückgang durch eine gezielte Pflege und Beweidung aufhalten oder kann sogar eine Ausbreitung gefährdeter Arten erreicht werden?

Wichtiges Rückzugsgebiet

Schmetterlings-Kenner Martin Bücker erklärt: "Wir finden auf den Trockenrasen im östlichen Landkreis noch einen hohen Artenreichtum. Insgesamt konnten 67 verschiedene Tagfalterarten nachgewiesen werden. Von diesen stehen 21 auf der Roten Liste Bayern. Das heißt etwa 30 Prozent der Schmetterlingsarten sind akut gefährdet." Auch der als Charakterart für Magerrasen geltende Thymian-Ameisen bläuling konnte auf acht Flächen nachgewiesen werden. Dieser Schmetterling stellt extrem hohe Ansprüche an seinen Lebensraum, da er nicht nur auf das Vorkommen seiner Futterpflanzen Thymian und Oregano, sondern auch auf eine bestimmte Ameisenart angewiesen ist.

Es sei offensichtlich, dass die Magerrasen im Landkreis Bamberg einen wichtigen Rückzugsraum für seltene Schmetterlinge in der ansonsten oft intensiv landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft darstellen. Magerrasen, die schon seit längerer Zeit beweidet und vom Landschaftspflegeverband nachgepflegt werden, hätten sich als besonders artenreich erwiesen. So zum Beispiel die Wacholderheide im Sauersgrund bei Roßdach in der Gemeinde Scheßlitz oder der Trockenbiotopkomplex bei Lindach im Gemeindegebiet des Marktes Heiligenstadt.

Botanische Raritäten

Bückers Ergebnisse werden durch die botanischen Kartierungen bestätigt. Flora-Experte Erich Spranger führt aus: "Die Magerrasen im BNN-Projektgebiet weisen eine Vielzahl botanischer Raritäten auf. 29 Pflanzen werden in der Roten Liste geführt".

Es fanden sich unter anderem drei Enzianarten, acht verschiedene Orchideenarten und typische Magerkeitszeigen wie Küchenschelle, Kalkaster und Stängellose Kratzdistel. Die stark gefährdete Scheiden-Kronwicke, die im Landkreis Bamberg nur noch in der Gemeinde Königsfeld vorkommt, oder auch der seltene Behaarte Arznei-Thymian, konnten dokumentiert werden. Spranger weiter: "Wir finden zwar auf vielen Flächen noch ein interessantes Arteninventar, aber es sind auch deutliche Beeinträchtigungen durch Vergrasung und Verbuschung erkennbar". Bücker und Spranger bedauern beide, dass im Vergleich zu älteren Kartierungen von einem deutlichen Artenverlust gesprochen werden müsse. Hier sei es wichtig, dass Landschaftspflege und Beweidung fortgesetzt und verstärkt werden, ziehen sie ein einhelliges Fazit.

Diplom-Biologin Christine Hilker fasst zusammen: "Wir sehen uns durch die Kartierungen in unserer Annahme bestätigt, dass wir mit den Trockenbiotopen im Bamberger Jura ein Schatzkästchen erster Güte haben, das es zu hegen und zu pflegen gilt. Wir freuen uns, dass wir mit engagierten Landwirten, Schaf- und Ziegenhaltern und dem Wanderschäfer verlässliche Partner haben, mit denen sich die Arbeiten zum Erhalt dieser wichtigen Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen umsetzen lassen."

Wer sich selbst einen Eindruck über die Artenvielfalt im "Blühenden Jura" machen möchte, sollte sich eine Wanderung in den schönen Projektgemeinden nicht entgehen lassen. Der Landschaftspflegeverband bietet im Laufe des Jahres auch einige Exkursionen an. Nähere Informationen finden sich auf den Internetseiten des Vereins: www.lpv-bamberg.de.