Jaaa, früher! Da haben sie ihre Waffen geschultert, sind mal eben vor die Höhle, haben ein Viech erlegt, es überm offenen Feuer gegart und waren satt. Aber heute!

Nicht genug damit, dass man ganz bequem an der Metzgerstheke - oder am Gemüsestand - eine unglaublich große Auswahl an Genüssen vor sich hat. Viel schwerer als die Frage Wurst oder Käse, Steak oder Tomate wiegt die Entscheidung: Welcher Grill darf's denn sein? Ähnlich wie bei den hoch technisierten Kaffee-Vollautomaten ist um Grillgeräte eine Diskussion entbrannt, die mit dem Lagerfeuer unserer Vorfahren nichts mehr zu tun hat.
Gas oder Elektro: Das ist heute die Frage. Beides geht schneller als das Anfeuern des guten alten Holzkohlegrills. Klar gibt es kleine Varianten, die auf jeden Balkon passen. Es gibt aber auch jene Geräte, die einem fahrbaren Herd ähneln und eine fest installierte Küche fast überflüssig machen. Ab auf die Terrasse mit dem schicken Brutzel-Giganten, Schalter runter, Hebel rüber, Knöpfe an: schöne, neue Welt!

Ihren Nutzen erfüllen aber auch kleinere Varianten. In einem Grillgeräte-Test der Stiftung Warentest fanden sich die meisten "guten" bei Elektrogrills (ab 60 Euro), auch Holzkohlegrills (um 200 Euro) wurden gut bewertet. Bei den Gasgrills erhielt nur ein Gerät (400 Euro) das Testurteil gut. Laut Statistik mögen es die Deutschen übrigens klassisch beim Freiluft-Brutzeln: 80 Prozent nutzen einen Holzkohlegrill. Bei den Elektrogrills schwanken die Statistiken zwischen 20 und 44, bei Gasgeräten zwischen neun und 17 Prozent. Etwa 13-mal pro Jahr werfen 90 Prozent der Deutschen ihren Grill an - meistens die Männer. Vermutlich schlägt hier das alte Höhlen- und Jägerimage durch, ein "Feuerla" schüren und andere mit Essen versorgen, hat einfach etwas Archaisches.

Die Frage nach dem Zubehör

Außerdem mögen Männer gern Technisches, wozu außer dem Grillgerät an sich auch das Zubehör zählt. Das wird heute außer im Fachhandel und Baumarkt in jedem Discounter angeboten. Gemüsezange und Fleischwender lassen grüßen und Männer rätseln: Braucht man das? Ist so schöner Edelstahl! Ach ja, vielleicht hat das männliche Grillbedürfnis noch einen weiteren praktischen Hintergrund: Die Herren essen einfach mehr Fleisch (90 Kilo pro Jahr) als Frauen (50 bis 60 Kilo).

Außer Fleisch kommen laut Statistik fast immer auch Würste auf den Rost. Womit wir bei einem urtypischen regionalen Thema wären: Den Franken macht in Sachen Bratwürste niemand etwas vor. Jede Metzgerei hat ihr eigenes Rezept, landauf, landab gibt es örtliche Spezialitäten. Am bekanntesten dürfte die Nürnberger, Bamberger und Coburger Bratwurst sein. Jede hat ihre eigene Geschichte und speziellen Zutaten.

Die Nürnberger zum Beispiel fand schon Goethe so schmackhaft, dass er sie mit der Post von Nürnberg nach Weimar schicken ließ. Mit sieben bis neun Zentimetern Länge und einem Gewicht von etwa 25 Gramm hat sich die kleinste der fränkischen Wörschd zu einem gewichtigen Wirtschaftsfaktor gemausert: Etwa 1,4 Milliarden Stück verlassen pro Jahr die mehr als 70 Nürnberger Metzgereien und Fabriken. Und noch eine Besonderheit zeichnet die Kleine aus: 2003 wurde sie als erste Bratwurst überhaupt in das Register der von der EU geschützten kulinarischen Spezialitäten aufgenommen. Ab 19. September bekommt sie sogar eine eigene Ausstellung im Stadtmuseum Fembohaus unter dem Titel "9 cm Nürnberg. Eine Kulturgeschichte der Nürnberger Bratwurst".

Zu solchen Ehren haben es die anderen Würstla (noch?) nicht geschafft. Dafür gehört die Coburger mit 31 Zentimetern zu den längsten in Franken und punktet mit ihrem Geschmack. Den erhält sie aber nur, wenn sie über "Kühla" (Kiefernzapfen) gegrillt wird.

Doch wurscht jetzt, ob fein oder grob, in der Schweinsvariante oder im Schafsdarm, aus der Metzgerei im Frankenwald oder in der Rhön: ab damit auf den Elektro-Gas-Holzkohle-Kugel-Tisch-Barbecue-Einweg - Hauptsache: Grill!


So geht's, so schmeckt's

Anheizen Bitte nicht mit Spiritus, weil dabei eine Stichflamme entstehen kann. Am besten verwendet man zugelassene Anzünder. Das Grillgut kommt auf den Rost, wenn die Kohle durchgeglüht ist. Ob sie soweit ist, kann man wie folgt testen: Die Hand 20 Zentimeter über den Grill halten und von zehn herunterzählen. Wird es bei sieben zu heiß, ist die Temperatur optimal. Am besten Grillschalen verwenden, dann fällt nichts durch den Rost und es gelangt keine Marinade in die Glut.

Vegetarisch Grillen kann man alles, was nicht zu viel Wasser enthält und keine lange Garzeit hat. Zum Beispiel Champignons, Paprikastücke und Mais mit etwas Butter, Salz und Zucker. Oder in Öl eingelegte und mit Salz, Zitrone und Kräutern gewürzte Auberginen, Kürbisse oder Lauchzwiebeln, alles in kleine Alufolienstücke gepackt. Ebenfalls geeignet sind Schafskäse, Mozzarella oder Tofu. Außerdem lassen sich Rosmarinkartoffeln gut grillen.

Obst Der Nachtisch kommt ebenfalls vom Grill: Bananen-, Ananas-, Pfirsich- oder Melonenstücke auf einen Spieß stecken, kurz brutzeln. Dazu gibt's Honig oder Eis.

Fleisch und Fisch Filets, Nackensteaks oder Spare-Ribs schmecken besonders gut vom Grill, wenn das Fleisch vorher zum Beispiel in einer Öl-Kräuter-Soße über Nacht mariniert wurde. Auch Burger, Wildfleisch und Currywurst kann man auf dem Grill zubereiten, Hähnchenschenkel oder Lamm und natürlich (vorher marinieren!) Fisch: Rotbarben in Weinblättern zum Beispiel oder gefüllte Forellen.