"Für wen ist denn die Rutsche", will die kleine Emilia wissen, während sie durch den Einlass am Stadionbad, Richtung Becken stürmt. Hinter Luna her, die eifrig an der Leine zieht, während Mama Kerstin Dachwald rasch bezahlt. 2,30 Euro, für Luna, den Hund.

Die zweibeinigen Begleiter sind Nichtschwimmer und damit vom Eintritt befreit. Also für wen ist denn nun die Rutsche? "Ganz bestimmt nicht für die Hunde", erklärt Mutter Dachwald. Emilia ist nur kurz enttäuscht. Dafür gibt es heute viel zu viel Spaß im und am kühlen Nass. Auch der zweite Hundebadetag im Stadionbad ist ein voller Erfolg. So bringt es Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg auf den Punkt.


Hunderte von Hunden
Schon vor dem offiziellen Beginn um 10 Uhr warten eine ganze Menge Hunde und Herrchen auf den Einlass. Freudiges Gebell und angeregte Gespräche. Bereits im vergangenen Jahr waren rund 600 Vierbeiner hier Baden gegangen.

Zum Beispiel Cockerspaniel Emma. Damals noch Hunde-Baby, heute eineinhalb Jahre alt und ganz wild aufs Wasser, wie ihre Besitzer Anna und Dominik Ingatzek aus Kleinziegenfeld wissen lassen. Und weil's letztes Jahr so schön war, hat Emma gleich auch den gleichaltrigen Grimm aus Reundorf mitgebracht. Dessen Frauchen Johanna Herzig will auch ihm etwas Besonderes bieten. "Der Labrador ist eine echte Wasserratte", erklärt sie.
Die Meute strömt nur so zum Becken, freudiges Gebell in allen Tonlagen. Die Frage nach den Umkleiden erledigt sich. Dafür packen Herrchen und Frauchen allerlei Wasserspielzeug aus, das Erstschwimmer ins Nass locken soll. Leicht ist der Profi vom Anfänger zu unterscheiden, die Schwimmstile von elegant und gekonnt bis hin zu verloren und gepaddelt. Eins ist allen gemein, wer sich aus dem Becken wuchtet oder cool herausdackelt, ist in jedem Fall pudelnass. Für die mit viel und langem Fell haben fürsorgliche Herrchen und Frauchen Badetücher dabei.


Zufrieden steht Giersberg am Beckenrand, während Aufsicht Helmut Zahnleiter seine Begrüßung an die ganz speziellen Gäste anpasst und schon mal kurz ins Mikro bellt. Vermutlich in einem Dialekt, den keiner der hiesigen Hunde versteht. Egal. Die Begeisterung allenthalben steckt auch Bad-Betriebsleiter Uwe Weier an. Zeigt das doch, dass seine aus Hamburg importierte Idee mit dem Hundebadetag bei den Franken genauso gut ankommt wie im hohen Norden.

In ganz Bayern gibt es keine vergleichbare Veranstaltung, weiß Giersberg, und nach dem Experiment im vergangenen Jahr und der Bestätigung in diesem geht er davon aus, dass dieser Bamberger Hundebadetag sich dauerhaft etablieren könnte. Auch wenn er mit einer Menge Arbeit verbunden ist: Bevor die Hunde am Ende dieser Badesaison in das Wellenbecken dürfen, muss dessen Wasser entchlort werden, weil sie Chlor nicht vertragen.
Im Anschluss wird das Becken einer Spezialreinigung unterzogen, ebenso wie vor Saisonbeginn erneut, damit der Hygiene absolut Sorge getragen wird. Lob hat Giersberg für die verantwortungsbewussten Badetag-Hundehalter: "Die kümmern sich um die Hinterlassenschaften der Tiere." Sandkästen und Kinderspielbereich sind sowieso tabu, ebenso das große Becken.

Bei den zweibeinigen wie vierbeinigen Gästen kommt dieser Badetag tierisch gut an. Maria Buchberger hofft schon im Interesse ihres Labradors Leila auf eine Fortsetzung. Denn: "Wo sonst kann man seinen Hunde schwimmen lassen?" In Baggerseen werde das immer schwieriger und bei etlichen gebe es Hundeverbote.
Auch Michelle Shihrer aus Pettstadt findet den Bamberger Badetag für Hunde eine "superklasse Idee". Obwohl ihr spanischer Schäferhund-Mix Dexter, der sonst bei Wind und Wetter ins Wasser geht, sich am Beckenrand doch recht ziert. Seinen Lieblingsschuh beobachtet er sicherheitshalber beim Treiben auf den sanften Wellen von außen, als dass er ihm hinterher hechtet.


Sam ist ein Profi
Dagegen ist Golden Retriever Sam ein Profi. Der Zwölfjährige war schon im letzten Jahr dabei, strahlt Frauchen Lisa Bier. Und auch jetzt ist er "fit wie ein Turnschuh", freut sich die Bambergerin. Sie hat sich ganz professionell mit Gummistiefeln ausgestattet, um Sam nötigenfalls ein Stück weit entgegenzuwaten.

Manche wagen sich bei frischen Außentemperaturen in kurzen Hosen ans Wasser, andere haben Decken und Halstücher dabei. Denn während den Vierbeinern beim Toben und Tollen warm wird, wird dem begeisterten Betrachter doch bisweilen frisch.

"Die sind in ihrem Element", stellt Giersberg zufrieden fest, während er artig die Fragen der vielen Medienvertreter beantwortet. Denn so ein Hundebadetag weckt auch das Interesse auswärtiger Tierfreunde. Fast 1000 Hunde kommen dieses Mal. Einen guten Zweck erfüllt der Spaß im Nass obendrein, geht doch der Erlös an den Bamberger Tierschutzverein.

Der ist ebenso wie ein Hundeartikel-Unternehmen mit einem Stand vertreten. Vorsitzender Liebhard Löffler hat seine Conchita zum Baden mitgebracht, und Tierheimleiterin Elke Pohl ist von diesem Bamberger Event äußerst angetan.

Eine imposante Neufundländer-Hündin, die ihr Geschirr als "Mrs. Wichtig" ausweist, macht sich aber lieber nicht die Pfoten nass und gönnt den planschenden Artgenossen nur einen verächtlichen Blick aus ihren großen dunklen Augen.