Gut, dass es Beweisfotos gibt. Sonst würde niemand mehr glauben, wie das Haus in der Tocklergasse 1 noch Anfang 2011 ausgesehen hat: scheinbar baufällig, das Dach notgesichert, die Fensterscheiben eingeschlagen, die Öffnungen vernagelt. Jahrzehnte lang war es dem Verfall preis gegeben, hatte sich niemand dafür interessiert.

Die Wende brachte ausgerechnet die Weltwirtschaftskrise und die von der Bundesregierung initiierten Konjunkturfördermaßnahmen. Mit der Aussicht auf 130 000 Euro aus dem Investitionsprogramm Nationale Welterbestätten wagten Birgit und Peter Fröhlich das Sanierungsabenteuer. Das Ehepaar kaufte die vermeintliche Ruine und fing mit Hilfe von Architektin, Tragwerksingenieur, Restaurator und Denkmalpflegern sofort mit den Arbeiten an. Die Rettung dauerte weniger als eineinhalb Jahre und kostete rund 435 000 Euro. 20 000 Euro steuerte die Oberfrankenstiftung dazu. Der Lohn für den Mut des Ehepaars ist ein freistehendes Haus mit Garage und Garten mitten im Welterbe. Sie würden es sofort wieder machen, versichert der Bauherr, ein selbstständiger Steinmetz in Baunach. Wenn ein Vorhaben gut geplant sei wie dieses, müsse es weder graue Haare noch schlaflose Nächte kosten.

"Mindestens so froh wie die Bauherrn" zeigt sich deren Ansprechpartner im Baureferat, Thomas Beese, zuständig für die Stadtsanierung. Mit der Tocklergasse 1 ist nach dem ehemaligen Waisenhaus am Kaulberg, jetzt Jugendgästehaus, das zweite Projekt aus dem Welterbe-Investitionsprogramm erfolgreich beendet.
Das gut 300 Jahre alte Gärtnerhaus ist das einzige private Einzeldenkmal, für das die Stadt Bundesmittel beantragt und bekommen hat. Das Besondere an der Tocklergasse 1 ist, dass kein Vorbesitzer groß modernisiert hat. So überdauerten dort die ursprüngliche Raumaufteilung und einiges an alter Substanz - etwa eine Balken-Bohlen-Decke in der ehemaligen "guten Stube", die jetzt zur schmucken Küche geworden ist. Das Wohnzimmer entstand im alten Stall, rechts von der Haustür. Es ist ein großer, heller Raum mit Verbindung zum Vorgarten und einem winzigen Innenhof.

Elternschlaf- und Kinderzimmer sowie Bad befinden sich unter dem Dach. Weil auch der Raum über der Garage ausgebaut wurde, ist das Haus ein kleines Platzwunder: Es bietet mehr als 150 Quadratmeter Wohnfläche. Eingezogen ist inzwischen eine vierköpfige Familie, die laut Fröhlich "unbedingt wollte" und die Sanierung fast von Anfang an miterlebt habe. Er glaubt, dass es die "richtigen" Mieter sind und das nötige Gespür für das Haus mit seinen schiefen Böden, alten Fenstern und den mit Kalkfarbe gestrichenen Wänden mitbringen.

So wie die Tocklergasse 1 wäre auch das Rosenzweig-Anwesen in Mühlhausen (Lkrs. Erlangen-Höchstadt) zu retten gewesen, glaubt Eigentümer Fröhlich. Der Kampf um das Einzeldenkmal aus dem 16. Jahrhundert, das Ende 2010 schließlich abgerissen wurde, hatte für viele Schlagzeilen gesorgt.